Abgeschmiert: Das Tief der Rohstoffpreise bietet formidable Investitions-Chancen

Nach fünf Jahren Rohstoff-Hausse sind die Preise von Öl, Metallen und Agrarprodukten kräftig abgestürzt. Dennoch sollten Anleger den Sektor nicht abschreiben, langfristig sind die Chancen auf attraktive Kursgewinne aber intakt. Wo es sich jetzt lohnt, Positionen aufzubauen.

Auf den globalen Rohstoffmärkten geht es drunter und drüber. Nach Jahren eines stabilen Aufwärtstrends sind die Preise seit Juli so kräftig abgeschmiert, als ob die Weltwirtschaft zum Stillstand gekommen wäre. Am stärksten erwischt hat es den wichtigsten Rohstoff der Welt, nämlich Öl. Nach dem Alltime-High vom 11. Juli mit 145 Dollar für ein Barrel gab der Preis für Rohöl um 22,5 Prozent nach. Auch Investoren, die Gold horten, mussten mit einem Minus von 15,5 Prozent kräftig Federn lassen. In engen Märkten – wie etwa bei Silber – war der Ausverkauf noch dramatischer: Seit Mitte Juli sackte der Preis insgesamt um 28,7 Prozent ab.

Starker Dollar, schwache Rohstoffnachfrage
Die heftigen Eruptionen an den Rohstoffmärkten entstanden aus einer Mischung aus plötzlicher Dollarstärke und wegbrechender Nachfrage nach Rohstoffen in den Industriestaaten. So ist etwa in den USA der Verbrauch von Benzin und anderen Rohstoffen rückläufig, und auch in mehreren Schwellenländern zeichnen sich Bremsspuren ab. „Der Rückgang der Inflationsangst, die jahrelang die Rohstoffhausse am Leben erhalten hat, ließ die Preise einstürzen“, so Petra Kühl, Fondsmanagerin des Allianz-dit-Rohstofffonds.

Chancen langfristig intakt
Zumindest derzeit sieht der international anerkannte Investmentprofi Marc Faber wenig Hoffnung: „In den nächsten sechs Monaten ist keine Erholung in Sicht.“ Langfristig sind die Chancen auf attraktive Kursgewinne aber nach wie vor intakt. Wie schnell auch kurzfristig eine Erholung möglich ist, zeigte der wichtige CRB-Rohstoffindex Mitte August. Ein Wochenplus von 6,2 Prozent war der größte Anstieg seit dem Jahr 1975.

Ölpreis auf der Achterbahn
Die Talfahrt bei Öl dürfte laut der Internationalen Energieagentur IEA wegen des stabileren US-Dollars noch anhalten. Für einen Preisrückgang spricht auch, dass die Ölnachfrage mit einer Abschwächung der globalen Konjunktur rückläufig ist. Zudem ist das frei verfügbare Förderpotenzial deutlich gestiegen. Vor vier Jahren hatten die OPEC-Staaten laut IEA weniger als eine Million Fass Reservekapazität pro Tag für Notfälle, heute sind es 2,5 Millionen. Und 2009 sollen es bereits 4,1 Millionen Barrel sein.

Preisrückgangsskepsis
Doch gerade bei Öl sind die Meinungen äußerst konträr. Goldman Sachs schätzt den Ölpreis zu Jahresende auf 145 US-Dollar. Auch Walt Stabell, Ölfondsmanager bei Invesco, ist skeptisch: „Die höheren Fördermengen schaffen aufgrund des hohen globalen Wirtschaftswachstums das Problem der Ölknappheit nicht aus der Welt.“ In das gleiche Horn bläst Rohstoff-Experte Jim Rogers: „Abgesehen von Saudi-Arabien hat jedes Land auf der Welt ein Problem mit den Ölreserven. Die Vorkommen in Alaska, Mexiko und der Nordsee schrumpfen rapide. Großbritannien, das seit 27 Jahren Öl exportiert, wird schon bald von Importen abhängig sein.“

Kaum Hoffnung für Gold
Größere Einigkeit herrscht über die künftige Preisentwicklung bei Gold. „Eine technische Erholung ist nach der massiven Verkaufswelle zwar möglich“, glaubt Allianz-Managerin Kühl. „Neue Rekorde sind aber nicht in Sicht.“ Schuld daran ist auch hier, dass das Schreckgespenst Inflation derzeit kaum noch jemanden wirklich ängstigen kann. Dazu kommt der Effekt des wiedererstarkten Dollars. „Die gegenläufige Entwicklung des Goldpreises zum Dollar ist einmal mehr deutlich geworden“, analysiert Oliver Lehmann, Edelmetallspezialist der Investmentbank Dresdner Kleinwort.

Industriemetalle mit Zukunft
Deutlich mehr Erholungspotenzial sehen Experten bei Industriemetallen. Auch dort sind die Preise eingebrochen – aber das Angebot sinkt. Nickel und Zink sind bereits so billig, dass sich die Produktion nicht mehr rechnet. Deswegen werden Kapazitäten abgebaut. JPMorgan-Manager Henderson: „Das wird bei beiden Metallen zu einer erheblichen Verknappung führen.“ Auch bei Eisenerz und Kupfer droht aufgrund der anhaltend hohen Nachfrage aus den Schwellenländern ein Engpass. Dresdner-Experte Lehmann: „Die chinesischen Rohstoffhändler haben sich vor eineinhalb Jahren massiv mit Kupfer eingedeckt. Aber bald dürfte ihnen der Rohstoff wieder ausgehen.“

Weizen & Co bieten Einstiegschance
Gut sind auch die Aussichten für Agrarrohstoffe. Das US-Landwirtschaftsministerium erwartet etwa bei diesen sogenannten Soft Commodities für 2009 einen Preisanstieg von 5,5 Prozent. Aufgrund gestiegener Futterkosten, die zu einer Verringerung des Viehbestandes führten, dürfte auch der Fleischpreis weiter hoch bleiben. Auch der Langfrist-Trend ist intakt. Rohstoff-Guru Rogers sieht angesichts der gesunkenen Preise von Agrarrohstoffen eine Einstiegschance: „Ich habe jetzt zusätzlich investiert.“

Von Anneliese Proissl und Robert Winter

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