Ab Jänner gilt die neue Wertpapier-KESt. FORMAT zeigt, wie sie Steuern sparen

Ab Jänner gilt die neue Wertpapier-KESt für Aktien und Fonds. Bei Fondspolizzen bleiben die Kursgewinne weiterhin unbesteuert. FORMAT zeigt, was sich Anleger dadurch sparen können.

Ab 1. Jänner 2011 heißt es für alle Anleger: Vorsicht, der Finanzminister behält 25 Prozent Ihrer Kursgewinne als Wertpapier-KESt ein. Das betrifft nicht nur Aktien, sondern auch Zertifikate und Fonds. Wer im Jänner 2011 Aktien für 5.000 Euro kauft und zwei Jahre später mit 2.000 Euro Gewinn verkauft, dem werden von der Bank automatisch 500 Euro KESt abgezogen. Nur wer die Wertpapiere schon vor dem Jahreswechsel gekauft hat, bleibt von der offiziell Vermögenszuwachssteuer genannten Abgabe weiterhin verschont.

Allerdings ist diese Schutzklausel bei Fonds laut dem bisher geltenden Gesetzesentwurf extrem kompliziert und im Endeffekt löchrig wie ein Schweizer Käse. Die Kursgewinne, die ab Jänner innerhalb eines Fonds erzielt werden, sind bereits KESt-pflichtig. Das betrifft sowohl Altprodukte, die schon vor Silvester gekauft wurden, als auch Anschaffungen ab 2011. In der Praxis ist damit zu rechnen, dass auch Altbestandsfonds in drei Jahren fast vollständig der Wertpapier-KESt unterliegen.

Damit ist die in Österreich geplante Fondsbesteuerung deutlich ungünstiger als in Deutschland, wo eine vergleichbare Kursgewinnbesteuerung schon Anfang 2009 in Kraft trat. PwC-Steuerexperte Thomas Strobach: „Damals blickten viele Deutsche neidvoll nach Österreich. Jetzt gibt es viele Punkte, in denen die deutsche Abgeltungssteuer für dortige Anleger unkomplizierter und günstiger ist als die österreichische Vermögenszuwachssteuer.“

Steueroase Fondspolizze

Lebensversicherungen sind von der neuen Steuer generell ausgenommen, ganz gleich wann die Polizze abgeschlossen wird. Der Finanzminister kassiert dafür von jeder Prämie vier Prozent Versicherungssteuer, alle später erzielten Gewinne bleiben jedoch steuerfrei. Das macht sich ganz besonders bei Fondspolizzen bezahlt, weil bei einer geschickten Fondsauswahl sehr hohe Gewinne erzielt werden können.

Das zeigt ein Beispiel einer 30-jährigen Frau, die 20 Jahre lang 100 Euro im Monat, also insgesamt 24.000 Euro, in eine Fondspolizze einzahlt. Laut Modellrechnungen der Assekuranzen vermehrt sich dieses Kapital unter der Annahme einer Fondsrendite von neun Prozent auf ein steuerfreies Ablaufkapital, das je nach Gesellschaft zwischen 50.345 Euro und 56.894 Euro ausmacht.

Die Unterschiede zwischen diesen Werten beruhen vor allem auf unterschiedlichen Kostenkalkulationen. Bei jeder Versicherung wird aber das Kapital bei neun Prozent Fondsrendite zumindest verdoppelt. Wenn man jetzt zur Vereinfachung von 24.000 Euro Gewinn ausgeht, müsste ein Kunde, der Fonds direkt am Bankdepot hält, mit 6.000 Euro Wertpapier- KESt rechnen. Zum Vergleich: Die vierprozentige Versicherungssteuer beträgt im auf geführten Beispiel nur 960 Euro.

Allerdings haben Fondspolizzen in der Regel höhere Abschlussspesen. Tipp: Achten Sie beim Vergleich von Fondspolizzen auf die Angabe der Ablaufleistung bei einer angenommenen Fondsrendite von null Prozent. Sie ist ein guter Indikator für die Gesamtabzüge für Kosten, Todesfallschutz und Steuern. Bei der Generali liegt dieser Wert zum Beispiel bei 19.588 Euro. Gegenüber der Gesamtprämiensumme von 24.000 Euro ergibt das also einen Abzug von 4.412 Euro. Eine Kalkulation der Kosten bei einer Direktanlage bei Fonds ist schwierig, weil diese stark davon abhängt, wie oft die Fonds gewechselt werden. Unter der Annahme von fünf Prozent Kaufspesen fallen im besten Fall 1.200 Euro an, wenn die gewählten Fonds 20 Jahre unverändert im Depot liegen. Wer die Fonds nach dem Erstkauf noch dreimal tauscht, kommt bereits auf 4.800 Euro Spesen und liegt damit schon im Bereich der Komplettkosten einer Fondspolizze, wobei Depotspesen noch gar nicht berücksichtigt wurden.

Bei Fondspolizzen ist der Fondswechsel während der Laufzeit im Allgemeinen kostenfrei. Unter dem Strich dürfte also die Variante der Fondspolizze unter Berücksichtigung von Steuern und Kosten künftig höhere Endauszahlungen ergeben als ein Direktinvestment.

Provisionsfrei in der Direktion

Noch günstiger fällt die Rechnung aus, wenn man sogenannte Direktionspolizzen abschließt, bei denen die Vermittlerprovision entfällt. So ändert sich der Ablaufwert in der 9-Prozent-Renditevariante bei der HDI-Gerling von 51.145 auf 59.917 Euro. Das sind immerhin 8.772 Euro mehr. Allerdings bieten nicht alle Institute solche Direktpolizzen an. Da es keinen Vermittler gibt, empfiehlt sich die Kontaktaufnahme per Mail oder Telefon. Robert Lasshofer, Chef der Wiener Städtischen: „Man muss alle Angaben wie Höhe der Prämien, Laufzeit und die genaue Auswahl der Fonds selbst festlegen. Im Gegenzug zur Kostenreduktion entfällt jede Beratung. Die Direktionspolizze wird dann schriftlich übersandt.“

Diese Diskontversicherungen eignen sich also vor allem für Kunden, die schon Wertpapiererfahrung besitzen und die Fondsauswahl selbständig treffen können. Übrigens: In den meisten Fällen sind viele Versicherungsvermittler ohnehin überfordert, konkrete Empfehlungen zu geben, welche Einzelfonds man wählen soll, und wissen schon gar nicht, wann diese gewechselt werden sollen.

Letztlich noch wichtiger als die Kosten ist ein richtiger Fondsmix. Deshalb sollten engagierte Kunden bei der Wahl der Gesellschaft einen Blick auf die Zahl und Qualität der angebotenen Fonds werfen. Spitzenreiter bei der Quantität ist die Uniqa mit 158 Fonds. Uniqa-Vorstand Werner Holzhauser: „Wenn eine Anfrage nach einem zusätzlichen Fonds kommt, prüfen wir, wie groß die Nachfrage ist und ergänzen die Fondspalette gegebenenfalls.“

Turbo für den Kapitalaufbau

Neun Prozent Durchschnittsrendite über 20 Jahre ist sicher ein ambitionierter Wert. Spitzenfonds haben diesen Wert allerdings in den vergangenen zwei Jahrzehnten sogar übertroffen. So erreichte der Baring Hong Kong China, der zum Beispiel bei der Nürnberger im Programm ist, durchschnittlich 18,4 Prozent.

Achtung: Die steuerliche Mindestlaufzeit von Einmalerlags-Fondspolizzen wird für Neuabschlüsse ab dem 1. Juli 2011 auf 15 Jahre erhöht. Wer früher kommt, kann das Geld schon nach zehn Jahren entnehmen.

– Ingrid Krawarik, Martin Kwauka

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