14 Prozent für Zinsjäger: Extrem hohe Renditen für Unternehmensanleihen

Unternehmensanleihen werfen trotz drastischer Leitzinssenkung weiter hohe Renditen ab. FORMAT zeigt, wer wie viel bietet.

Ob die drastische Senkung der Euro-Leitzinsen auf 2,5 Prozent die Rezession in Europa in den Griff bekommt, steht in den Sternen. Dass dadurch die Sparzinsen abrupt ihren Tiefflug starteten und Anleihenkurse umgekehrt massiv in die Höhe schossen, ist dagegen Gewissheit. Peter Brezinschek, RZB-Chef­analyst, erwartet in den nächsten sechs bis neun Monaten weitere Zinssenkungen. „Die Inflation ist momentan gebannt und wird 2009 Richtung null tendieren. Deflationsgetuschel halte ich hingegen für Panikmache. Das haben wir bereits 2002 diskutiert, man sollte diesem Gespenst nicht Tür und Tor öffnen. Spar- und Geldmarktzinsen werden aber länger tief bleiben, Anleihenkurse dafür weiter steigen.“

Unternehmen im Visier
Lohnend gestaltet sich der Markt für Anleihen von Unternehmen, die teilweise Hände ringend nach Kapital suchen. Die restriktive Kredit­vergabe der Banken hat bereits jetzt so manchen Konzern an den Rand des Ruins geführt. Während der Markt für Staatsanleihen mit Geld überschwemmt wird, ist bei Unternehmensanleihen Feuer am Dach. Dementsprechend hoch sind die Zinsen. Dietmar Zant­ke, Fondsmanager des Rentamax der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): „Der Liquiditätsbedarf der Unternehmen ist hoch. Neuemissionen von Daimler, Metro oder auch E.ON mit einer Rendite von bis zu zehn Prozent sprechen da eine deutliche Sprache“ (siehe Tabelle ) Der Fonds­manager setzt außerdem auf Versorger wie Gaz de France, im Industriebereich auf ­Titel wie Akzo Nobel und Linde.

Elf Prozent bei Wienerberger
Dass der Markt teilweise vollkommen verrückt spielt, zeigt das Beispiel von Wienerberger. Der Ziegelweltmarktführer, der seine Projekte aufgrund von Rezessions­szenarien und Konjunkturabschwächung drastisch kürzen musste, zahlt derzeit für eine Anleihe elf Prozent Rendite (siehe Tabelle ). Der Kurs des Papie­res mit 3,785-Kupons notiert bei 82, also weit unter pari. Als die Anleihe (ISIN XS0217731586) vor vier Jahren begeben wurde, lag der Zinsaufschlag gegenüber Staats­anleihen noch bei 0,7 Prozentpunkten – jetzt ist sie auf 7,5 Prozentpunkte in die Höhe geschossen. Anleger, die an den Weltmarktführer glauben und ein gewisses Risiko nicht scheuen, könnten Wienerberger in Erwägung ziehen.

Ertragreiche Gazprom-Tochter
Noch mehr zahlt Gaz Capital, eine Finanztochter von Gazprom. Der russische Energieriese, der mit einer BBB-Bewertung noch immer ein solides Investmentrating besitzt, hat eine 4,56-Kupon-Anleihe (ISIN XS0217731586), die derzeit eine Rendite von 14 Prozent bringt. Euram-Bank-Chef Huber: „In der An­nahme, dass Öl noch weiter fließen wird, ist Gaz Capital sicher eine Überlegung wert.“ Sehr gut gefällt ihm auch das Unternehmen Akzo Nobel, dessen Anleihe 7,6 Prozent Rendite bringt. Huber: „Privat­anleger sollten auf die Liquidität der ­Unternehmen achten. Das bedeutet mindes­tens eine Milliarde Emissions­volumen. Wenn man Einzelanleihen kaufen möchte, sollte man außerbörslich shoppen gehen. Am besten, man fragt bei der Hausbank nach den gängigen Emis­sionen.“

Risikostreuung mit Anleihenfonds
Zwecks Risikostreuung macht es ­jedoch mehr Sinn, in Anleihenfonds zu investieren. Espa-Anleihenchef Brand­stötter: „Es ist wichtig, nicht nur auf einen Namen zu setzen. Bei einem breiten Mix aus USA und Euroland kann man bei einer Laufzeit von drei bis fünf Jahren Renditen von sieben bis neun Prozent erwarten. Wir haben 100 Emissionen im Espa Bond Euro Corporate; wenn da ein Unternehmen ­ausfällt, ist es nicht so schlimm.“ Generell hat er gute Bankentitel sowie Versorger und Pharmaunternehmen übergewichtet. Für Pioneer-Fondsmanger Bernhard Piep kauft man derzeit auch im Paket güns­­tig ein: „Die Risikoprämien haben eine Höhe erreicht, die schon lange nicht mehr gesehen wurden. Im Durchschnitt liegt der sogenannte Spread bei 460 Basispunkten, was einer Rendite von 7,8 Prozent entspricht.“

Sicherer und KESt-freier Hafen
Für konservative Anleger bieten sich neben ängerlaufenden Sparbüchern ein steuerbegünstigtes Investment mit teils guter Verzinsung an: Wohnbau­anleihen locken mit bis zu knapp vier Prozent, aber dafür KESt-freier Verzinsung (siehe Tabelle ). Auf eine klare Prognose, wie lange die Niedrigzinsphase anhalten wird, lassen sich Experten nicht festnageln. Espa-Anleihenchef Brandstötter: „Die letzte dauerte zwischen einem halben und einem Jahr. Diesmal wird es sicher länger.“

Von Ingrid Krawarik

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