12 Fragen zur neuen KESt: FORMAT zeigt, womit Anleger rechnen müssen.

Die geplante Vermögenszuwachssteuer wird teuer, es können sogar Verluste besteuert werden.

Das Sparpaket belegt bisher steuerfreie Kursgewinne mit einer Steuer von 25 Prozent. Die neue Wertpapier-KESt wird Anleger in Zukunft sehr viel Geld kosten. PricewaterhouseCoopers-Steuerberater Thomas Strobach: „Wenn ein Langfristanleger nach zehn Jahren eine Aktie verkauft, ist ein großer Teil des zu versteuernden Gewinnes kein echter, sondern nur eine Abgeltung der In_ ation. Deshalb wird es in Zukunft viel schwieriger sein, eine Altersvorsorge mit Wertpapieren aufzubauen.“ Im Detail sind die neuen Regeln extrem diffizil abgefasst. FORMAT beantwortet die 12 wichtigsten Fragen über die neue Steuer.

1. Welche Wertpapiere sind von der neuen Vermögenszuwachssteuer betroffen?

Die neue Wertpapier-KESt gilt grundsätzlich für alle Papiere, die ab 1. 1. 2011 erworben und ab 1. 7. 2011 verkauft werden. Die Steuer von 25 Prozent betrifft Aktien, Fonds, Derivate und Kursgewinne auf Anleihen (zusätzlich zu Zinsen oder Dividenden, die schon jetzt der KESt unterliegen). Wenn man eine Anleihe um 10.000 Euro kauft und um 11.000 Euro verkauft, muss man für bisher außerhalb der Spekulationsfrist steuerfreie Kursgewinne 250 Euro KESt abführen.

2. Mit welchen Veranlagungen entkommt man der Wertpapier-KESt auch in Zukunft?

Grundsätzlich sind die prämiengeförderte Zukunftsvorsorge sowie Lebensversicherungsprodukte ausgenommen. Es kann also unter steuerlichen Aspekten sinnvoll sein, Fonds künftig nicht direkt, sondern unter dem Mantel einer Fondspolizze zu halten. Achtung: Die steuerliche Mindestlaufzeit für Lebensversicherungen soll für Verträge, die ab dem 1. Juli abgeschlossen werden, von bisher zehn auf 15 Jahre verlängert werden. Falls man Anlageformen hält, die keine Wertpapiere sind, ist man weiterhin von der Wertpapier-KESt befreit. Das betrifft zum Beispiel Goldmünzen und Gemälde, aber auch Immobilien. Bei Grund und Boden muss man allerdings als privater Investor eine Frist von zehn Jahren einhalten, um Verkaufserlöse steuerfrei lukrieren zu können.

3.Was sollte man heuer noch erledigen, um möglichst steuergünstig anzulegen?

Eine sinnvolle Gegenstrategie ist der Kauf von Aktien vor dem Jahreswechsel. So kann man der KESt noch viele Jahre oder sogar Jahrzehnte entgehen. Bei Fonds gilt der Schutz für Alt-Anschaffungen allerdings nur begrenzt (siehe Frage vier). Auf jeden Fall empfiehlt es sich, das Depot jetzt zu durchforsten und Papiere mit schlechten Zukunftsaussichten gegen bessere zu tauschen. Zu überlegen ist heuer auch die schenkungssteuerfreie Übertragung von Depotbestandteilen auf einen Partner ohne Einkommen. Dieser kann dann beantragen, dass Gewinne bei der Einkommenssteuererklärung zum normalen Einkommenssteuertarif versteuert werden sollen. Das führt zu einer Refundierung der KESt und in den meisten Fällen zu einem Steuersatz von null. Achtung: Passen Sie dabei auf mögliche Auswirkungen auf Absetzbeträge auf.

4. Wie sieht künftig die Besteuerung bei Investmentfonds aus?

Es sollen gleich auf zwei Ebenen Steuern kassiert werden. Die erste Ebene betrifft Gewinne, die innerhalb des Fonds durch Verkäufe entstehen, die andere die Profite aus dem Verkauf der Fondsanteile. Auf der internen Fonds ebene soll bis zum 1. 7. 2011 die Differenz aus Gewinnen minus Verlusten nur zu 20 Prozent der 25-prozentigen KESt unterliegen. Insgesamt beträgt die effektive Steuerquote fünf Prozent. Ab 1. 7. 2011 müssen 40 Prozent der Gewinne versteuert werden (durchgerechnet 0,4 mal 25 Prozent, also 10 Prozent), ab 1. 7. 2012 werden 70 Prozent der Erträge besteuert (durchgerechnet also 17,5 Prozent), ab 1. 7. 2013 die vollen 100 Prozent, sodass ab dann erstmals der volle KESt-Satz von 25 Prozent auf interne Gewinne zum Tragen kommt. Achtung: Die Besteuerung der internen Fondserträge ist unabhängig davon, wann die Fonds gekauft wurden! Damit gibt es eine krasse Benachteiligung von Fondskäufern gegenüber Aktionären und Zertifikatebesitzern. Faustregel: Auch die vor Jahreswechsel im Depot liegenden Fonds werden nach drei bis fünf Jahren ihren Steuervorteil als Alt bestandspapiere fast vollständig verloren haben.

Dazu kommt die externe Ebene, also die Besteuerung des Verkaufs von Fondsanteilen. Wer den Fonds ab Anfang 2011 kauft, muss den zusätzlichen Verkaufserlös mit 25 Prozent versteuern. Wer den Fonds schon vorher besessen hat, bleibt in diesem Punkt steuerbegünstigt.

5. Wie funktioniert die Besteuerung der Fonds in der Praxis?

Dazu ein Beispiel: Ein Fonds erzielt im Jahr 2011 pro Anteil interne, durch Verkauf realisierte Kursgewinne von 100 Euro, dazu kommen 100 Euro aus noch nicht realisierten Buchgewinnen. Wenn der Fonds ein Geschäftsjahr hat, das nach dem 1. 7. 2011 endet, unterliegen 40 Prozent von 100 Euro internem Kursgewinn der 25-prozentigen KESt, es entsteht im Endeffekt eine Steuerpflicht von 10 Euro – unabhängig vom Anschaffungszeitpunkt. Bei den weiteren 100 Euro Kursgewinn hängt die Besteuerung vom Kaufzeitpunkt ab. Liegt dieser vor 2011, bleibt der Verkaufsgewinn weiter steuerfrei. Für Anschaffungen ab 2011 muss man beim Verkauf die noch nicht innerhalb des Fonds aufgedeckten Gewinne zusätzlich versteuern. Im Beispiel fallen also weitere 25 Euro KESt an.

6. Was passiert, wenn man die Wertpapiere ab 2011 auf eine andere Bank überträgt?

Das sollte steuerlich unbedenklich bleiben. Voraussetzung ist allerdings, dass die alte Bank dem neuen Institut für jedes betroffene Wertpapier den Kaufzeitpunkt bestätigt. Falls das nicht passiert, verlieren diese Papiere den steuerlichen Bestandsschutz. Ein Depotwechsel innerhalb Österreichs wird dadurch unter Umständen erschwert.

7. Welche Bestimmung gilt ab 2011 bei Erbschaft oder Schenkung von Wertpapieren?

Für das gesamte Depot entfällt zum Zeitpunkt des Vermögensübergangs die steuerliche Befreiung von der Wertpapier- KESt! BDO-Steuerberater Karl Bruckner: „Im Gesetzesentwurf steht derzeit der Begriff ,Erwerb‘, der nicht zwischen Kauf und Erbschaft unterscheidet.“ Damit wird eine Art Erbschaftssteuer durch die Hintertür eingeführt. Der Wert der Erbschaft bleibt zwar steuerfrei, aber alle Gewinne sind zu versteuern. Tipp: Ziehen Sie einen geplanten Vermögensübergang heuer durch, oder realisieren Sie die stillen Reserven am Depot.

8.Kann man die Spesen bei An- und Verkauf vom Kursgewinn abziehen?

Nein. Wer zum Beispiel eine Aktie um 1.000 Euro kauft, für An- und Verkauf 120 Euro Nebengebühren zahlt und die Aktie um 1.100 Euro verkauft, zahlt 25 Euro KESt, obwohl er eigentlich im Minus liegt.

9. Wie werden Gewinne und Verluste gegengerechnet?

Eine der größten Schwächen des neuen Gesetzes ist die Anrechnung von Verlusten. Während die Bank künftig automatisch KESt bei jedem Aktien-Verkaufsgewinn abzieht, muss man entstandene Verluste selbst in der Einkommenssteuererklärung geltend machen. Damit bekommt das Finanzamt Kenntnis vom Depot, was de facto die Anonymität aufhebt. Tipp: Eröffnen Sie ein Zweitdepot, falls Sie Ihr altes Depot weiterhin anonym halten wollen. Bereinigen Sie es auch um schleichend in die Vermögenszuwachssteuer wachsende Produkte, die Fonds.

Ein weiterer Pferdefuß ist der beträchtliche Zinsgewinn für das Finanzamt: Gewinn-KESt wird sofort fällig, die Verluste kann man oft erst ein Jahr später zurückfordern. Das könnte auch den Finanzplatz gefährden, weil aktive Anleger zu einer ausländischen Bank wechseln könnten. Dann müsste man den unter dem Strich entstandenen Gewinn zwar auch in der hiesigen Steuererklärung angeben, aber man kann Verluste zeitgleich geltend machen.

Fonds haben übrigens gegenüber Aktien den Vorteil, dass die intern entstehenden Gewinne und Verluste ausgeglichen werden können, ohne dass das Finanzamt informiert werden muss.

10. Was geschieht mit einem Verlustüberschuss innerhalb eines Jahres?

Solche Verluste verfallen am Jahresende und können (anders als in Deutschland) nicht auf kommende Jahre mit Gewinnen übertragen werden. Das ist einer der größten Haken im Gesetz. Angesichts stark schwankender Börsen kann es passieren, dass man hohe Steuern zahlt, obwohl man insgesamt über mehrere Jahre hinweg nichts verdient hat oder sogar im Minus liegt.

11. Wie weit können sich noch Bestimmungen im Gesetzesentwurf ändern?

Angesichts der teilweise haarsträubenden Details und des extremen bürokratischen Aufwands, den insbesondere die komplizierte Fondsbesteuerung verursacht, bleibt die Hoffnung auf Korrekturen. Damit könnten sich gewisse steuertaktische Überlegungen, welche Wertpapiere zu kaufen sind, noch ändern. Anleger sollten die Entwicklung der kommenden Wochen aufmerksam verfolgen und nicht voreilig handeln.

12. Sind die geplanten Regeln für die Vermögenszuwachssteuer verfassungskonform?

Das Finanzministerium ist naturgemäß der Auffassung, die Regeln seien wasserdicht. Auch die mögliche Besteuerung von letztlich verlustträchtigen Investments sei rechtens, weil der Steuersatz pauschaliert sei. Die Banken und Fondsgesellschaften halten aber insbesondere den extrem hohen Verwaltungsaufwand für unangemessen, sodass die Kosten der Einhebung der Steuer letztlich höher ausfallen könnten als die zusätzlichen Steuereinnahmen. Letztlich könnten wie schon im Jahr 2000 die Gerichte zu entscheiden haben.

– Martin Kwauka

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