Franken-Falle: Noch 25 Milliarden Euro in Fremdwährungskrediten

Franken-Falle: Noch 25 Milliarden Euro in Fremdwährungskrediten

Rund 250.000 österreichische Haushalte haben noch Fremdwährungskredite laufen.

Das Volumen an Fremdwährungskrediten in Österreich hat sich seit 2008 halbiert. Ende 2014 waren die Österreicher aber immer noch mit 24,6 Milliarden Euro in Fremdwährungskrediten verschuldet. Durch die Aufhebung der Kursbindung von Euro und Schweizer Franken Mitte Jänner ist dieses Volumen um 20 Prozent gestiegen. 1800 Kreditnehmer waren wurden durch Stopp-Loss-Oders zu Konvertierungen gezwungen.

Hoffen auf bessere Zeiten, mehr können die meisten Privathaushalte, die sich ihre Eigenheim-Träume mit Hilfe von Fremdwährungskrediten realisiert haben, derzeit kaum tun. Per Jahresende 2014 waren Österreichs Privathaushalte nach der nun veröffentlichten Berechnung der Finanzmarktaufsicht FMA noch mit einem Volumen von 24,6 Milliarden Euro in Fremdwährungskrediten verschuldet. Bei einem angenommenen Kreditvolumen von jeweils rund 100.000 Euro geht die FMA von einem aktuellen Bestand von 246.000 laufenden Fremdwährungskrediten aus. Der überwiegende Großteil davon, nämlich 96,4 Prozent, entfielen auf Schweizer Franken (aktueller Kurs Euro/Franken), der verbleibende Rest fast zur Gänze auf Japanische Yen (aktueller Kurs Euro/Yen) .

Im Herbst 2008 wurde in Österreich ein Neuvergabe-Stopp für Fremdwährungskredite verhängt, für viele Kreditnehmer kam dieser jedoch zu spät. Von Anfang 2008 bis Ende 2014 hatte sich der Schweizer Franken gegenüber dem schon um 37,6 % aufgewertet. Durch die überraschende Aufhebung der Wechselkursdeckelung durch die Schweizer Notenbank (SNB) am 15. Jänner 2015 stieg die Aufwertung des Schweizer Franken bis Ende 1. Quartal 2015 gar auf 58,1% an.

Absicherung mit Folgen

Für rund 1800 Kreditnehmer hatte der Schritt der SNB besonders schwerwiegende Folgen. Sie hatten ihre Kredite mit ursprünglich als Risikobegrenzung gedachten Stopp-Loss-Orders abgesichert. Durch den Mitte Jänner einsetzenden weiteren Kursverfall des Euro wurden diese Stopp-Loss-Orders schlagend und die Kreditnehmer mussten ihre Kredite bei Kursen zwischen 0,859 und 1,05 Euro je Franken in den Euro konvertieren. Das betroffene Gesamtvolumen lag laut FMA bei 365 Millionen Euro, was etwa 1,3 Prozent des ausstehenden Franken-Kreditvolumens entspricht.

So schlimm die Situation für die Kreditnehmer aktuell ist - etwa die Hälfte von ihnen kann noch auf einen Umschwung hoffen. 41,2 Prozent der Fremdwährungskredite haben noch eine Restlaufzeit von bis zu zehn Jahren, 3,5 Prozent gar noch von mehr als 20 Jahren. Schlimm trifft es hingegen die knapp vier Prozent der Kreditnehmer, deren Kredite noch im Jahr 2015 fällig werden. Auch die rund 20 Prozent, deren Kredite nur noch eine Laufzeit von einem bis zu fünf Jahren haben müssen sich Gedanken um eine Restfinanzierung machen. Für einen Anfang 2008 mit einer Laufzeit von zehn Jahren über 100.000 Euro aufgenommenen Franken-Kredit müssen bei einem derzeitigen Kurs von 1,025 Euro je Franken 164.000 Franken, also 159.000 Euro zurückgezahlt werden. Selbst wenn der Zinsvorteil in Betracht gezogen wird - Franken-Kreditnehmer zahlen sofern sie keine anderen Klauseln in ihren Verträgen haben aufgrund der Zinspolitik der SNB aktuell nur noch Zinsen von unter einem halben Prozent - bleibt für die Schuldner unter dem Strich ein satter Verlust übrig.

Aus der volkswirtschaftlichen Sicht der FMA ist die Entwicklung der Fremdwährungskredite in Österreich dennoch positiv. Die Finanzaufsicht hat errechnet, dass sich das Volumen dieser Kredite seit Herbst 2008 um 22,3 oder 47,5 Prozent reduziert hat. "Die vielfältigen Initiativen der Finanzmarktaufsichtsbehörde FMA zur Begrenzung des Risikos bei den Fremdwährungskrediten zeigen damit nachhaltig Wirkung", heißt es in der Aussendung der FMA. Alleine im vierten Quartal 2014 sei das aushaftende Volumen wechselkursbereinigt um 1,1 Milliarden Euro zurückgegangen, im Gesamtjahr 2014 sogar um 3,3 Milliarden Euro. Welche Verluste die Kreditnehmer bei den ausgelaufenen Krediten hinnehmen mussten, darüber sagen die Zahlen der FMA nichts aus.

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