Foto-Messaging-Dienst Snapchat plant Milliarden-IPO

Foto-Messaging-Dienst Snapchat plant Milliarden-IPO

Populär durch verschwindende Fotos: Snapchat will an der Börse Milliarden einsammeln.

Mehrere milliardenschwere Übernahmeangebote lehnte Snapchat-Gründer und Chef Evan Spiegel ab, jetzt will er seinen Foto-Versand-Dienst Snapchat an die Börse bringen, um seine Unabhängigkeit zu wahren. Investoren bewerten die Social-Media-App mit rund 19 Milliarden Dollar.

Der Fotodienst Snapchat, der für seine von alleine verschwindenden Bilder bekannt ist, wird an die Börse gehen. Snapchat brauche den Börsengang, um unabhängig zu bleiben, sagte Mitgründer und Chef Evan Spiegel bei einer Konferenz des Technologieblogs "Recode". "Wir haben einen Plan, wie wir das machen werden." Einen Zeitraum nannte er nicht.

19 Milliarden Dollar schwer

Es könnte der nächste Milliarden-Börsengang aus dem Silicon Valley werden. In den vergangenen Finanzierungsrunden war Snapchat von Investoren nach Medienberichten mit 15 und 19 Milliarden Dollar (13,7 und 17,4 Milliarden Euro) bewertet worden. Das ist zwar nur ein ausgehandelter Wert, der bestimmt, welche Beteiligung ein Investor für sein Geld bekommt. Solche Bewertungen gelten aber auch als Orientierungshilfen für Börsengänge. Facebook wollte Snapchat Anfang vergangenen Jahres dem Vernehmen nach für drei Milliarden Dollar kaufen, doch das Gründerteam um Spiegel lehnte ab.

Snapchat-Gründer und Chef Evan Spiegel (24) lehnte eine Übernahme-Offerte von Facebook ab, mit einem Börsengang will er seinen Fotodienst unabhängiger machen.

Vor kurzem verpflichtete Snapchat den Investmentbanker Imran Khan als Chief Strategy Officer (CSO). Khan arbeitete vorher bei der Credit Suisse und war für das Investmentbanking in Asien zuständig. Er betreute unter anderem den Milliarden-Börsengang von Alibaba in den USA.

Bei Snapchat kann man Fotos verschicken, die sich nach dem Ansehen von allein löschen. Die App ist vor allem bei jungen Nutzern populär, die auch freizügige Bilder damit verschicken.

Täglich 100 Millionen Nutzer

Zudem versucht Snapchat, sich als Kanal für klassische Medien zu etablieren. In einem speziellen Bereich der App zeigen TV-Sender wie CNN, Comedy Central, ESPN oder MTV ihre Videos, auch Print-Medien wie "Cosmopolitan", "People" und "Daily Mail" bringen Artikel und Bilder unter. Cosmopolitan-Chefredakteurin Joanna Coles zufolge bekomme ihr Kanal rund 2 Millionen Views pro Tag. "Der Traffic ist gut und sie liesen jede Geschichte", so Coles. Auch für den kommenden US-Wahlkampf könnte Snapchat eine wichtige Rolle spielen, soziale Medien wie Facebook, Twitter und Instagram werden für die Politiker zunehmend wichtiger, um Wähler zu erreichen.

Snapchat komme in seinen Hauptmärkten täglich auf 100 Millionen Nutzer, von denen 65 Prozent selbst Fotos sendeten, verkündete Spiegel. Die Firma messe nicht nur die tägliche, sondern bereits die stündliche Aktivität, sagte er mit einem Seitenhieb auf Wettbewerber.

Die Konkurrenz bei sozialen Medien ist härter denn je. Laut einer Studie des Pew Research Center nutzen 71 Prozent aller 13 bis 17-Jährigen in den USA Facebook, aber nur vier von zehn Jugendliche Snapchat. Facebook luchst Snapchat zudem mit dem Fotodienst Instagram Nutzer ab, das laut Studie rund die Hälfte aller Jugendlichen nutzt. Selbst der Kurznachrichtendienst Twitter erweitert mit Video-Sharing-Diensten wie Periscope und Vine sein Portfolio, um breitere Nutzerschichten zu erreichen.

Evan Spiegel gründete Snapchat vor etwas mehr als drei Jahren in Standorf mit seinem Verbindungskollegen Bobby Murphy. Snapchat mit seinen rund 330 Mitarbeitern gehört zu den am schnellsten wachsenden Social-Media-Startups.

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