Südeuropa: Kreditproblem verschärft sich

Südeuropa: Kreditproblem verschärft sich

In Spanien und Italien deutet sich aber langsam eine Trendwende an. Banken waren bis Ende 2013 besonders knausrig, um den Bankenstresstest gut zu überstehen.

Weite Teile der Eurozone leiden nach wie vor unter einer Kreditklemme. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) mitteilte, vergaben etwa die slowenischen Banken an die Firmen des Landes im Dezember 17 Prozent weniger Darlehen als im selben Monat des Vorjahres. Die Kredite flossen damit so spärlich wie noch nie seit Slowenien der Währungsunion angehört.

In Spanien und Italien deutet sich Trendwende an

Auch in Spanien (-11 Prozent) und Italien (-5,3 Prozent) gab es rückläufige Werte, weil die Institute knausern oder die Kreditnachfrage zurückgeht. Allerdings deutet sich in beiden Ländern womöglich eine Trendwende an. Denn im November waren die von der EZB berechneten Werte noch schlechter gewesen. Auch in der Eurozone insgesamt ging die Kreditvergabe an Unternehmen vor dem Jahreswechsel weiter zurück - um drei Prozent. Jedoch blieb das Ausmaß im Vergleich mit dem November stabil.

Nach EZB-Check könnten Banken wieder freigiebiger werden

Vor dem mittlerweile angelaufenen Gesundheitscheck der Banken durch die EZB dürften einige Geldhäuser wohl weniger Kredite vergeben haben. Denn für einen Teil der Überprüfung der Bilanzen galt Silvester als Stichtag. Einige Notenbanker hatten deswegen schon zuletzt angedeutet, dass wegen des Fitnesstests der 128 größten Bank-Gruppen in der Währungsunion ein Rückgang der Kreditvergabe vor dem Jahreswechsel zu erwarten sei.

Strafzinsen um Banken zu höherer Kreditvergabe zu motivieren denkbar

Dennoch dürfte die EZB genau hingucken, ob die Kreditklemme ein Gegensteuern durch neue Geldspritzen oder sogar Strafzinsen erfordert, um Banken zu ermuntern, zur Förderung der Wirtschaft mehr Kredite zu vergeben - anstatt die Liquidität zu bunkern. Die EZB entscheidet das nächste Mal am 6. Februar über ihren Kurs.

Banken haben bisher oft EZB-Geldspritze für Investments in Staatsanleihen mißbraucht

Howard Archer vom Analysehaus IHS hält angesichts der sich langsam berappelnden Konjunktur in Europa weitere Schritte der Notenbank zwar für relativ unwahrscheinlich. Sollte doch etwas unternommen werden, dann dürfte dies wohl über langfristige Refinanzierungsgeschäfte passieren. "Allerdings wird die EZB dann versuchen, sicherzustellen, dass das Geld nicht gehortet oder benutzt wird, um Staatsanleihen in großem Stil zu kaufen." Dies hatten viele Institute bei früheren Aktionen dieser Art getan. Das Geld kam also nicht bei den Unternehmen an.

Geldmenge wächst, Inflationsrisiko steigt

Das Wachstum der für die Zinspolitik der EZB ebenfalls wichtigen Geldmenge M3 lag im letzten Monat des Jahres bei 1,0 Prozent. Im Dreimonatsdurchschnitt von Oktober bis Dezember erhöhte sich M3 um 1,3 Prozent. M3 umfasst Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit. Eine wachsende Geldmenge signalisiert potenziell Inflationsgefahr.

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