Lebensversicherungen: Sinkt der Garantiezins unter ein Prozent?

Lebensversicherungen: Sinkt der Garantiezins unter ein Prozent?

Niedrigzinsen machen Versicherern zusehends zu schaffen. So manche Assekuranz hat deshalb einen Plan gefasst: Die Renten- und Lebensversicherungspolizzen sollen überarbeitet werden. Mit dem Ziel komplett neue Garantie- und Zinsertragsmodelle einzuführen. Das zeigt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Simon-Kucher & Partners. Die Allianz hat vergangene Woche bereits eine Polizze herausgebracht, die einen deutlich niedrigeren Garantiezins, als die bisherigen 1,75 Prozent bietet.

Das Vorbild ist die Allianz, der größte Versicherer Deutschlands, und die Ergo Versicherung. Wie die beiden wollen auch andere Versicherer nun alternative Garantie- und Zinsertragsmodelle bei Lebens- und Rentenpolizzen entwickeln, um ihre Kapitalkosten zu senken. Dies ist das Ergebnis einer Studie der internationalen Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners, für die im Mai rund 100 Führungskräfte aus der Lebensversicherungsbranche in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt wurden.

Neue Allianz-Versicherung gewährt nur noch 0,6 Prozent Garantiezins

Die Allianz etwa bietet seit vergangener Woche mit dem Produkt "Perspektive" in Deutschland erstmals eine Lebensversicherung mit nur noch einem Minimal-Garantiezins von rund 0,6 Prozent. Üblich sind 1,75 Prozent. Nur die 1,75 Prozent sind nicht verpflichtend. Zwar gewährt die Allianz auch bei der neuen Polizze zunächst nach wie vor einen Garantiezins von 1,75 Prozent, senkt diesen dann aber ab, sobald der Erhalt der bis dahin eingezahlten Beiträge gesichert ist. Von diesem Zeitpunkt an sind es bis zum Ende der Ansparphase nur noch rund 0,6 Prozent. Ein derartiges Produkt ist für Österreich jedoch laut Informationen der Pressestelle derzeit nicht in Planung.

Der Allianz-Konzern sieht in dem neuen Konzept einen Fortschritt: Durch einen Verzicht auf die bisherige Mindestverzinsung könne man die Beiträge der Kunden flexibler anlegen, erklärte das Unternehmen. Damit erhielten die Kunden die Chance auf höhere Renditen. Der "Perspektive"-Kunde soll demnach von Überschüssen profitieren, die die spätere Garantierente erhöhen würden. Wie die Überschüsse aber genau deklariert sind, bleibt jedoch vorerst ein Geheimnis. "Und anders als bei der klassischen Polizze der Allianz kann es bei der neuen Polizzengeneration sein, dass aus der Überschussbeteiligung gerade keine zusätzliche Rente gebildet wird. Das entscheidet sich erst zu Rentenbeginn", so Versicherungsmathematiker Axel Kleinlein. Kritiker halten viele Aussagen des Unternehmens über die Polizze für Produktwerbung und betrachten die neue Versicherung als Rückschritt.

“Früher war Garantiezins von vier Prozent eine leichte Übung“

Der Grund für den radikalen Schnitt: In den 1990er Jahren war selbst ein Garantiezins von vier Prozent für die Versicherer eine leicht zu überspringende Hürde - angesicht von Zinsen auf deutsche Staatsanleihen von sieben und mehr Prozent. „Heute sind die Garantien für die Anbieter eine große Herausforderung - und viele Kunden wissen sie nicht mehr recht zu schätzen“, klagt Lars Heermann von der auf Versicherungen spezialisierten Ratingagentur Assekurata. „Der Anbieter muss stärker ins Risiko gehen, um die Garantie zu verdienen - aber dieses Risiko muss mit Kapital unterlegt werden.“ Im Schnitt liegt der Garantiezins wegen der vielen Altverträge unter den 90 Millionen Lebensversicherungen in Deutschland noch immer bei 3,2 Prozent.

Neben der mangelnden Profitabilität der Garantieprodukte bereitet den Versicherungen das nachlassende Interesse von Kunden und Beratern große Probleme. Um wieder profitabler zu werden, wollen die Versicherer außerdem ihren Vertrieb besser unterstützen und vermehrt biometrische Risiken berücksichtigen.

Bisher nur geringfügige Bereitschaft die Produkte tatsächlich zu überarbeiten

Die Assekuranzen haben laut der Studie zwar darauf bereits mit Produktüberarbeitungen reagiert, allerdings hat weniger als die Hälfte (44%) der befragten Versicherer bisher tatsächlich umfangreiche Veränderungen an ihren Garantieprodukten vorgenommen. "Erst mal sehen, was die anderen machen. Wie so oft fehlt Versicherern der Mut, Dinge direkt anzupacken", so Studienautor Dirk Schmidt-Gallas.

Mehrheit der Versicherer will Leistung derzeit noch erhalten

Die Mehrheit (61%) lehnt es laut der Studie aber ab, die Produkte so weit zu überarbeiten, dass sie den Kunden weniger Leistungen bieten. Vielmehr sei erkannt worden, dass ganzheitliche Überarbeitungen und neue Schwerpunkte notwendig seien, um die Zufriedenheit bei Versicherern, Vertrieb und Kunden wieder nachhaltig zu steigern, so die Studie.

Versicherer selbst skeptisch über Erfolgsaussichten

Allerdings bleiben die Versicherungsmanager ob den Erfolgsaussichten ihrer eigenen Maßnahmen reserviert. Nicht einmal jede fünfte Führungskraft rechne damit, dass die bereits ergriffenen oder geplanten Schritte sehr erfolgreich sein werden. 70 Prozent der Befragten erwarten mittelmäßige Resultate, zwölf Prozent gehen nicht davon aus, dass Produktüberarbeitungen erfolgreich sein können.
"Möglicherweise ist diese fast schon resignative Einstellung der wichtigste Grund für die Diskrepanz zwischen den als insgesamt sehr wichtig erachteten Maßnahmen zur Produktüberarbeitung einerseits und den tatsächlichen Engagements in diesem Bereich andererseits", so Simon-Kucher-Beraterin Stefanie Grunert, die die Studie geleitet hat.

Private reichten 16.500 Anträge ein, Betriebe rund 500. Private können mit durchschnittlich 3.900 Euro Förderung rechnen. Neuauflage geplant.
 

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