Die besten Immo-Kredite bei steigenden Zinsen

Der US-Notenbank-Chef Ben Bernanke stellt die Weichen: Nicht nur, dass er nächste Woche seine zweite und letzte Amtszeit antritt, er muss nun die Finanzmärkte auf einen Ausstieg aus der Billiggeld-Politik vorbereiten. Dieser Exit wird sich auch schon bald auf die Zinsen auswirken.

Die besten Immo-Kredite bei steigenden Zinsen

In einem ersten Schritt werden die Ankäufe von Staats- und Immobilienpapieren reduziert, in weiteren Schritten ist auch ein Drehen an der Zinsschraube zu erwarten. Peter Brezinschek, Leiter der Research-Abteilung bei der Raiffeisen Bank International: "Mittlerweile ist klar, dass die Wende eingeläutet ist, denn in Europa und den USA ist der Konjunkturmotor wieder angesprungen.“ Die Notenbanken können vom Gas gehen.

Die Folge werden höhere Zinsen auf Geldanlagen sein, aber auch - was diese weniger freut - für Kreditnehmer. Wer noch eine Immobilie oder Wohnung finanzieren will, sollte die Niedrigzinsphase nutzen, denn Kredite sind so günstig wie lange nicht. Dabei haben Kreditnehmer die Qual der Wahl: Fixzins oder variabel? Bausparkredit? Die Entscheidung sollte wohl überlegt sein.

Paradiesische Kreditzinsen

Der Leitzins der Europäischen Zentralbank notiert derzeit nur bei 0,5 Prozent. Der Euribor, jener Zinssatz, für den sich Banken untereinander Geld leihen, ist so tief wie lange nicht. Dieser ist auch für Kreditnehmer wichtig, denn die meisten Darlehenszinsen errechnen sich auf Basis des Drei- oder Sechs-Monats-Euribor mit einem vorher definierten Aufschlag. Unabhängig von niedrigen Zinsen sind die Zeiten der lockeren Kreditvergabe bei den Banken vorbei. Seit 2008 achten die Kreditinstitute genau darauf, wem sie Geld leihen. Wer einen Kredit aufnehmen will, sollte sich also gut vorbereiten. Thomas Maurer, Geschäftsführer des Spezialisten Creditnet.at: "Neben einer realistischen Einschätzung dessen, was man sich leisten kann, sollten Kreditwerber schon im Vorfeld einen Haushaltsplan erstellen, den sie bei der Bank vorlegen können.“ Der Aufwand lohnt, denn wer gut vorbereitet zum Beratungsgespräch kommt, wird vom Bankberater gleich besser eingestuft. Hat man zudem 20 Prozent Eigenmittel vorzuweisen, stimmt die Bonität und damit auch der Kreditzins.

Vorsichtige Angebotsabfrage

Es sollten auch nicht ziellos Kreditangebote eingeholt werden, denn das kann unerwartete Folgen haben. "Banken melden auch offene Kreditangebote an den Kreditschutzverband von 1870, und das kann sich negativ auf die Bonitätsbewertung auswirken“, so Creditnet.at-Chef Maurer. Besonders kritisch ist ein abgelehnter Kreditantrag, der ebenfalls beim KSV verzeichnet wird. Das macht eine Finanzierung dann fast unmöglich. Viel besser ist es, anonymisiert über den persönlichen Finanzberater oder auch eine Internetplattform wie Creditnet.at Angebote einzuholen. Hier bleibt der Kunde so lange anonym, bis er einen Kredit unterschreiben will.

Fix oder variabel? Die wichtigste Entscheidung dabei ist, ob man einen fixen Zinssatz - meist über zehn Jahre - haben will, oder eine variable Verzinsung bevorzugt. Beim derzeitigen Niveau ist eine Fix-Vereinbarung natürlich verlockend. Je nach Zinsentwicklung muss das aber nicht die beste Variante sein: Die Beispielrechnungen zeigen, dass die Unterschiede bei einem Kredit über 150.000 Euro und einer 25-jährigen Laufzeit groß sein können.

Geht man beispielsweise von einem moderaten Euribor-Zinsanstieg in fünf Jahren auf 4,5 Prozent aus, dann ist über die gesamte Laufzeit gerechnet der Fixzinskredit mit einer Zinsbindung über zehn Jahre mit nominell 2,9 Prozent tatsächlich die günstigste Wahl, ein variabler Kredit aber nur unwesentlich teurer. Am teuersten ist die Variante mit variablem Zinssatz und Deckelung (Cap). Die Differenz zwischen dem günstigsten und dem ungünstigsten Angebot beträgt stattliche 20.273 Euro. Creditnet.at-Boss Maurer: "Dabei wurden hier nur die besten Anbieter miteinander verglichen. Wählt man die falsche Kreditform und einen teuren Anbieter, kann diese Differenz locker das Doppelte betragen.“

Wer an eine galoppierende Inflation mit stark steigenden Zinsen glaubt, sollte ein Bauspardarlehen wählen. Grund: Hier ist der Zinssatz bei sechs Prozent gedeckelt und die günstigsten Bausparkassen bieten bereits einen Anfangszinssatz von 2,25 Prozent. In diesem Szennario schneidet der gänzlich variable Kredit am schlechtesten ab. Erstaunlichweise ist der Fixzinskredit aber teurer als variabel plus Cap.

Neben den Kreditzinsen sollte man zudem nicht auf die Gebühren vergessen. Nebenkosten, etwa für Schätzungen oder Bearbeitungsgebühren, sind mit Geschick verhandelbar.

Kreditvergleich: Welcher Kredit über 150.000 Euro eignet sich für welche Zinsentwicklung am besten?