Crowdfunding: Kredit von der Masse

Kickstarter: das Vorbild

Seit der Gründung 2009 hat die US-Plattform mehr als 10.000 Projekte im erstaunlichen Gesamtwert von rund 100 Millionen Dollar finanziert.

betterplace: der soziale Ort

Das deutsche Schwarm-Finanzierungsforum betterplace.org zeichnet sich vor allem durch seine Hilfsprojekte und ein ausgeprägtes soziales Engagement aus.

Über Web-Plattformen wie Kickstarter finanzieren Unternehmer Projekte vom Computerspiel bis zur Armbanduhr. Crowdfunding wird zur Alternative zum Bankkredit.

Warum eigentlich einen Kredit über eine Million Euro von der Bank nehmen, wenn man auch eine Million Investoren finden kann, die jeweils einen Euro einsetzen? Diese Rechnung liegt dem noch jungen Phänomen des Crowdfunding zugrunde: Die Masse, die sich bekanntlich primär im Internet tummelt, finanziert mit Kleinbeträgen große und kleine Projekte. Und das mit erstaunlichem Erfolg.

Rekord

Gerade einmal drei Stunden war das Projekt von inXile Entertainment auf der Crowdfunding-Website Kickstarter online, da war der gesuchte Betrag von stolzen 900.000 Dollar auch schon erreicht. Noch nie konnte ein Projekt in so kurzer Zeit derart viele Investoren anziehen. Tausende waren von der vorgestellten Computerspiel-Idee so begeistert, dass sie das Projekt "Torment“ mit eigenem Geld unterstützen wollten. Schnell musste Matthew Findley, Präsident von inXile, improvisieren: "Mit einem derartigen Ansturm hatten wir nicht gerechnet.“

Bei Kickstarter können User auch nach dem Erreichen des gesuchten Betrags weiter Geld investieren - und genau das taten sie. Eine Woche nach Start der Kampagne hatten die Spielemacher knapp drei Millionen Dollar eingesammelt. "Das Spiel wird jetzt natürlich um vieles umfangreicher und komplexer - das sind wir unseren Fans, die jetzt ja auch unsere Investoren sind, schließlich schuldig“, so Findley.

Bei Kickstarter, dem weltweit größten Crowdfunding-Anbieter, erhalten User für ihr Investment keine Rendite, sondern Sachwerte. Wer 25 Dollar eingezahlt hat, bekommt das Spiel und einen frühen Zugang zur Beta-Version. Für 125 Dollar gibt es Miniaturfiguren aus dem Spiel und einen persönlichen Grabstein am Game-Friedhof. Wer stolze 10.000 Dollar lockergemacht hat - bis zum Redaktionsschluss immerhin sieben Spielefans -, wird mit "Torment“-Devotionalien regelrecht überhäuft, erhält jeden künftigen Spieletitel auf Lebenszeit umsonst und darf an firmeninternen Launch-Partys teilnehmen.

Vereinfacht gesagt, bietet Kickstarter Unternehmern die Möglichkeit, ihr Produkt bereits zu verkaufen, bevor es überhaupt entwickelt wurde - um damit die Entwicklung erst zu ermöglichen. Ist das die perfekte Synergie zwischen Konsument und Hersteller?

"Nicht immer“, meint Start-up-Berater Michael Bertoldt. "Crowdfunding ist nur für bestimmte Themenbereiche wirklich erfolgversprechend.“ Neben der Elektronikbranche, wo sich hippe Gadgets besonders gut via Crowdfunding finanzieren lassen, seien es vor allem Kreativprojekte, die hier gute Chancen auf Erfolg haben. Filmprojekte, Musik-CDs und eben Computerspiele gehören zu den meistfinanzierten Projekten.

"Ein großer Nachteil von Crowdfunding ist, dass man mit der Präsentation seiner Idee auch jeglichen Anspruch auf Geheimhaltung verliert. Wer seine Geschäftsidee nicht bombensicher mit Patenten oder Lizenzen absichern kann, ist oft besser beraten, klassische Finanzierungswege zu gehen“, so Bertoldt.

Von Bildung bis Brustimplantat

Längst hat die demokratisierte Kreditvergabe auch andere Branchen erreicht: Auf Mobcaster.com können User TV-Serien finanzieren, bei Funding4Learning.com kann man in die Ausbildung von Schülern und Studenten investieren, Offbeatr.com lässt gemeinschaftsfinanzierte Pornoprojekte Realität werden.

Der bislang bizarrste Auswuchs der Crowdfunding-Bewegung ist MyFree Implants. Diese Plattform hilft bei der Finanzierung von Brustimplantaten und anderen Schönheitsoperationen - und bietet den Investoren sicht- und greifbare Benefits abseits klassischer Renditerechnungen.

In Österreich hat bislang vor allem das politische Crowdfunding-Angebot von respekt.net für Aufsehen gesorgt. Schon über 80 Projekte, das bekannteste davon die Transparenz-Datenbank "Meine Abgeordneten“, wurden über die Wiener Plattform erfolgreich finanziert. Weitere Austro-Crowdfunder sind das auf Innovation fokussierte Portal 1000x1000.at und das neue conda.at.

Ein Stück vom Kuchen

Die größte Revolution steht dem Crowdfunding aber noch bevor: Noch dieses Jahr soll in den USA eine Gesetzesänderung realisiert werden, die es erstmals auch ermöglicht, das Investitionsmodell "Geld gegen Firmenanteile“ auf Crowdfunding anzuwenden. Damit hätten Unternehmen nicht mehr nur die Möglichkeit, Investoren auch finanziell zu beteiligen.

In Australien ist das schon seit 2005 möglich, und die Zahlen aus Down Under klingen mehr als vielversprechend: Bislang wurden knapp 200 Projekte über ASSOB finanziert - gut 85 Prozent der Start-ups sind auch heute noch im Geschäft. Sechs Prozent haben es sogar an die Börse geschafft.

Auch in den skandinavischen Ländern kommt das "Equity-based crowdfunding“ langsam in Schwung. In Österreich sind derartige Investments juristisch noch schwer umsetzbar. Das könnte sich aber noch in diesem Jahr ändern: Ein entsprechender Gesetzesvorschlag stößt bei den Regierungsparteien jedenfalls durchwegs auf Zustimmung.

Private reichten 16.500 Anträge ein, Betriebe rund 500. Private können mit durchschnittlich 3.900 Euro Förderung rechnen. Neuauflage geplant.
 

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