Abzocke bei Dispozinsen – Wie Banken ihre Kunden über den Tisch ziehen

Abzocke bei Dispozinsen – Wie Banken ihre Kunden über den Tisch ziehen

"Mehr als Hundert Banken kassieren unverschämte Dispozinsen von 13 Prozent und mehr", teilten die Verbraucherschützer am Dienstag in Berlin mit. Im Schnitt liege der Zinssatz bei 11,31 Prozent, habe eine Erhebung unter allen 1538 Banken ergeben. Die Branche warf der Stiftung Warentest eine verkürzte und damit irreführende Sichtweise vor.

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner forderte erneut ein Gebühren-Vergleichsportal im Internet, damit Bankkunden sich günstige Anbieter aussuchen könnten.

Die Dispozinsen schwanken nach Angaben der Stiftung Warentest zwischen 14,75 Prozent (Raiffeisenbank Taufkirchen-Oberneukirchen und Volksbank Feldatal) bis 5,25 Prozent (Deutsche Skatbank). Die Volksbank Feldatal stellt demnach zudem ihren Kunden einen Zinssatz von 22,5 Prozent in Rechnung, wenn auch der Rahmen für einen Dispokredit überschritten wird. Es seien vor allem von kleinen Volks- und Raiffeisenbanken sowie Sparkassen in ländlichen Regionen, deren Dispozinssatz überzogen sei, hieß es.

Dass vergleichsweise hohe Dispozinsen nicht unvermeidlich sind, zeigen der Stiftung zufolge 94 Banken und Sparkassen, die für eine Dispokredit einen Zinssatz von 8,5 Prozent und weniger verlangten. Aus Sicht der Verbraucherschützer sollte bei den derzeit günstigen Refinanzierungsmöglichkeiten der Banken der Dispozins-Satz klar unter zehn Prozent liegen.

Die Stiftung Warentest beklagte auch mangelnde Transparenz. Über zwei Drittel der Institute hätten auf telefonische Anfrage die Dispozinsen nicht nennen wollen. Bei 519 dieser Verweigerer hätte man die Überziehungszinsen im Internet recherchieren können. Zu den übrigen 606 Banken habe man Tester geschickt, die den Preisaushang im Schaufenster fotografiert hätten. Bei 26 Instituten seien die Konditionen für Dispokredite nicht zu erfahren gewesen.

Banken: Bei Dispozinsen alle Leistungen berücksichtigen

Der Zusammenschluss der deutschen Bankenverbände, die Deutsche Kreditwirtschaft, erklärte, der Test stütze sich auf eine verkürzte Betrachtung. Bei der Bewertung von Dispozinsen müssten alle Konditionen eines Girokontos betrachtet werden. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband erklärte darüber hinaus, schon bei der Einräumung eines Dispokredits würden erhebliche Eigenkapital- und Liquiditätskosten entstehen. Zudem gebe es erhebliche Ausfallrisiken.

Dem widersprach Stiftungsvorstand Hubertus Primus unter Berufung auf eine Forsa-Studie. Demnach liegt das Ausfallrisiko für Dispokredite bei 0,2 Prozent, während es bei normalen Krediten rund drei Prozent betrage. Die Verbraucherschützer warfen vielen Banken auch vor, entgegen Absprachen nicht die Preise für die Überziehung von Girokonten ins Internet gestellt zu haben. Am Stichtag 1. Juli hätten ein Drittel der Sparkassen und knapp zwei Drittel der Volks- und Raiffeisenbanken dies nicht gemacht. Der Bundesverband deutscher Banken merkte dazu an, alle privaten Banken würden die Dispozinssätze bereits im Internet veröffentlichen.

In Deutschland wird seit Jahren über die Überziehungszinsen gestritten. Im Oktober scheiterte ein Vorstoß zur gesetzlichen Deckelung im Bundesrat. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen trat am Dienstag für einen erneuten Vorstoß ein und verlangte einen Zinsdeckel von sieben Prozent über dem drei-Monats-Euribor als Referenzzinssatz. Der Sprecher von Bundesverbraucherschutzministerin Aigner lehnte eine gesetzliche Deckelung ab und forderte stattdessen ein Vergleichsportal im Internet: "Es ist höchste Zeit, dass das Zinsversteckspiel ein Ende hat und sich alle Banken und Sparkassen konsequent dem Wettbewerb stellen."

Details zu Dispozinsen

Was sind Dispo- und Überziehungszinsen?

Dispo- und Überziehungszinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, es aber weiter belastet wird und ins Minus rutscht. Zunächst gewährt die Bank in der Regel einen Dispositionskredit - kurz: Dispokredit oder Dispo. Dieser ermöglicht eine begrenzte Überziehung. Limit sind oft zwei oder drei Monatsgehälter. Für Überziehungen in diesem Rahmen gilt der Dispozinssatz. Wird das Konto über diesen Rahmen hinaus überzogen, fallen Überziehungszinsen an. Diese liegen oft noch mehrere Prozentpunkte höher.

Wo erfahren Bankkunden, wie hoch ihre Dispozinsen sind?

Banken informieren darüber unter anderem mit Aushängen in ihren Filialen oder auf ihren Internetseiten. Auch die Berater erteilen Auskunft. Eine weitere Informationsquelle ist der Kontoauszug, wenn fällige Zinsen abgerechnet werden, etwa zum Ende eines Quartals. Dann müssen die Konditionen auf den Kontoauszügen abgedruckt werden. Um die Dispozinsen verschiedener Institute zu vergleichen, gibt es spezielle Internetseiten wie fmh.de oder biallo.de.

Was sind die Vor- und Nachteile von Dispokrediten?

Vorteil ist, dass eingeräumte Dispokredite nicht erst beantragt werden müssen, sondern sofort verfügbar sind. Die Zinszahlungen verringern sich zudem mit jedem Zahlungseingang auf dem Girokonto; es gibt keine festen monatlichen Raten zur Rückzahlung. Nachteil ist die Zinshöhe. Außerdem können Banken Dispokredite kurzfristig kündigen und zurückfordern, etwa wenn sie Zweifel an der Zahlungsfähigkeit eines Kunden bekommen.

Wie können Bankkunden hohe Dispozinsen umgehen?

Verbraucher können mit ihrem Institut vereinbaren, dass ein Konto nicht überzogen werden darf. Finanzexperten raten aber dazu, zumindest einen Dispo-Rahmen von 500 Euro einzurichten. So ist es möglich, dass regelmäßig fällige Beträge wie Telefonrechnungen auch etwa während einer Urlaubsreise abgebucht werden können. Dadurch lassen sich unter Umständen teure Mahngebühren sparen, welche die Kosten für Dispozinsen übersteigen können. Bankkunden können daneben mit ihren Instituten auch über die Höhe des Dispozinssatzes verhandeln.

Gibt es Alternativen zum Dispokredit?

Bei größeren Ausgaben raten Verbraucherschützer davon ab, das Girokonto dauerhaft zu überziehen. Sie empfehlen einen Raten- oder Abrufkredit mit niedrigeren Zinsen. Ratenkredite sind Darlehen über eine bestimmte Summe und einen bestimmten Zinssatz, die in einem festen Zeitraum zurückgezahlt werden. Abrufkredite funktionieren ähnlich wie Dispokredite mit einem Kreditrahmen, jedoch muss meist monatlich ein bestimmter Betrag zurückgezahlt werden.

Private reichten 16.500 Anträge ein, Betriebe rund 500. Private können mit durchschnittlich 3.900 Euro Förderung rechnen. Neuauflage geplant.
 

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