Fed lässt das Timing für Zinswende offen

Fed lässt das Timing für Zinswende offen

Fed-Chefin Janet Yellen gibt unberechenbare Zeichen.

Die US-Wirtschaftsdaten entsprechen noch immer nicht den Vorstellungen der US-Notenbank Federal Reserve. Spekulanten glaubten vor gut sechs Wochen, dass eine Zinswende bald erfolgen wird. Die Fed lässt sich offenbar noch Zeit. Einfacher Grund: Die Arbeitsmarktdaten passen noch immer nicht. Und das Rätselraten der Spekulanten geht weiter.

Washington. Die US-Notenbank Federal Reserve spielt auf Zeit und lässt die Märkte und Spekulanten weiter im Dunklen. Fest steht nur: Die erste Zinserhöhung seit der Finanzkrise 2007 zieht sich hin. Wie lange sich die Fed noch Zeit mit einer Zinserhöhung lässt, darüber kann nur spekuliert werden.

So mancher Anleger hat bereits vor sechs Wochen geglaubt, den nebulösen Code der Federal Reserve geknackt zu haben. Als die US-Notenbank im März erklärte, zumindest bis zur nächsten Sitzung des geldpolitischen Ausschusses im April nicht am faktischen Nullzins rütteln zu wollen, regnete es Spekulationen. Das viel beachtete Wörtchen "geduldig" wurde aus dem Wortlaut gestrichen. Ein Hinweis angeblich dafür, dass die Fed bald, also zeitnah mindestens Mitte des Jahres handeln wird.

Spekulanten glaubten die Botschaft wie folgt dechiffriert zu haben: Die Leitzinserhöhung kommt bei der Sitzung im Juni - oder in den Monaten darauf. Seit Ende 2008 liegt die Fed Funds Rate in einer Spanne zwischen null und 0,25 Prozent.

Erst Jobs, dann Zinserhöhung

Nichts von alledem dürfte eintreten. Das Stochern im Nebel geht weiter. Statt konkreter Hinweise auf den Zeitpunkt der Zinswende haben sich die Währungshüter nach Ende ihrer zweitägigen Sitzung am Mittwoch von konkreten Zeitangaben wieder verabschiedet. Eine Erhöhung des historisch niedrigen Leitzinses sei erst bei einer "weiteren Verbesserung des Arbeitsmarktes" angemessen. Zudem liege die Inflation weiter unter der gesetzten Zielmarke von zwei Prozent.

Der Juni scheint damit als Termin vom Tisch, denn von einer robusten Erholung ist die weltgrößte Volkswirtschaft noch ein gutes Stück entfernt. Im Herbst hatte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwar noch um hochgerechnete 5 Prozent zugelegt, doch im vierten Quartal sackte das Wachstum auf 2,2 Prozent ab. "Das wirtschaftliche Wachstum hat sich in den Wintermonaten verlangsamt", heißt es auch in der Fed-Mitteilung. Der strenge Winter und der starke Dollar sorgten für weitere Bremsspuren: Das Wachstum von 0,2 Prozent im ersten Quartal 2015 kommt praktisch einem Stillstand gleich.

Warten auf die Aufholjagd

Zwangsläufig richten sich nun alle Augen auf die Sitzung am 17. September, denn beim Treffen im Juli ist keine anschließende Pressekonferenz geplant und eine Sitzung im August findet nicht statt. Dass der Leitzins nach inzwischen 77-monatigem Tiefstand angehoben wird, ohne dass Fed-Chefin Janet Yellen sich den Fragen von Journalisten stellt, scheint zweifelhaft. An den Märkten wird die Zinswende ohnehin erst für Ende 2015 erwartet.

Nur wenn die US-Wirtschaft zur Aufholjagd ansetzt, die BIP-Schätzung nach oben revidiert wird und auch die Arbeitslosigkeit von derzeit 5,5 Prozent weiter sinkt, könnte die Fed schon früher ernsthaft über eine Abkehr von ihrer Geldpolitik nachdenken. Der niedrige Ölpreis und der die Exporte verteuernden starke Dollar dürften die Aussichten aber weiter trüben. Auch deshalb sprechen die Notenbanker in ihrem Statement von einem abgeschwächten Wachstum, das nur "teilweise auf vorübergehende Faktoren" zurückzuführen sei.

Als Lichtblick bleibt, dass sich das Szenario von 2014 dieses Jahr wiederholen könnte: Nach einem schleppendem Wachstum in einem ungewöhnlich harten Winter feierte die Wirtschaft im zweiten und dritten Quartal ein Comeback. "Der Ausschuss erwartet weiterhin, (...) dass die Wirtschaftsaktivität in moderatem Tempo zunehmen wird", schreiben die Währungshüter.

Das Ende der Billiggeld-Ära einzuläuten, bleibt ein Drahtseilakt. Überstürzte Marktreaktionen will die 68-jährige Yellen genauso verhindern wie ausbleibende Investitionen von Unternehmen oder Dämpfer am Immobilienmarkt durch steigende Kreditkosten. Dass die Fed der US-Wirtschaft die Stützräder irgendwann abnimmt, steht außer Frage. Um behutsam vorzugehen, dürfte sie die Zügel nach der ersten Erhöhung aber deutlich langsamer straffen als zuvor. Damit die Märkte sich nicht überrumpelt fühlen, werden die Notenbanker auch in ihren kommenden Sitzungen jedes Wort auf die Goldwaage legen.

Finanzen

Schon 75 Millionen Kunden: Netflix revolutioniert das Fernsehen

Börse

US-Konzerne: Quartalsgewinne brechen ein - Droht Rezession?

Finanzen

Zalando steigert Umsatz um ein Drittel - Gewinn ist aber noch unklar