EZB-Banken-Stresstest: 25 Banken durchgefallen, auch die ÖVAG

Das Ergebnis des Banken-Stresstests der Europäischen Zentralbank (EZB) steht fest. 25 Banken sind durchgefallen, also fast jedes fünfte untersuchte Geldinstitut. Unter den durchgefallenen Banken ist auch die Österreichischen Volksbanken-Gruppe. (ÖVAG). Der ÖVAG fehlen 865 Millionen Euro. Den durchgefallenen Instituten fehlen insgesamt 25 Milliarden Euro. Der erhoffte positive Effekt des Stresstest auf Europas Börsen ist ausgeblieben. Die Aktie der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi verliert 17 Prozent ihres Werts.

EZB-Banken-Stresstest: 25 Banken durchgefallen, auch die ÖVAG
EZB-Banken-Stresstest: 25 Banken durchgefallen, auch die ÖVAG

Das Frankfurter Bankenviertel mit der neuen EZB-Zentrale (Mitte). Die EZB hat das Ergebnis ihres Banken-Stresstets bekannt gegeben.

25 der 130 von der EZB überprüften Banken habenden Fitnesscheck der Branche nicht bestanden. Die Ergebnisse des Tests wurden am Sonntag um 12.00 Uhr veröffentlicht. Unter den Banken, die den Test der EZB nicht bestanden haben, ist auch die Österreichische Volksbanken-Gruppe ÖVAG. - Die österreichische Krisenbank ÖVAG hat den europaweiten Stresstest nicht bestanden. Das Institut, das die Prüfung im Verbund mit den regionalen Volksbanken absolviert hatte, kam im härtesten Krisenszenario lediglich auf eine harte Kernkapitalquote von 2,1 Prozent, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Sonntag mitteilte. Die Mindestanforderung lag bei 5,5 Prozent. Dem Institut fehlten damit 865 Millionen Euro. Der Patzer der ÖVAG war bereits erwartet worden - vor gut drei Wochen hatte das Geldhaus daher die Konsequenz aus seinem chronischen Kapitalmangel gezogen und seine Abwicklung angekündigt. Die weiteren untersuchten österreichischen Banken BAWAG PSK mit BAWAG Holding, Erste Group, Raiffeisen-Landesbank Niederösterreich-Wien mit Raiffeisen Holding, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich AG, RZB mit Raiffeisen-Landesbankenholding haben den Test bestanden. Ebenso die Bank Austria, die als Konzernteil der italienischen UniCredit dem Stress der Italiener unterzogen wurde.

Insgesamt haben die österreichischen Institute etwas schlechter abgeschnitten als der Durchschnitt der Banken im Euroraum, erklärte die Oesterreichische Nationalbank. Grund dafür seien neben der vergleichsweise dünnen Kapitaldecke auch teilweise größere Risiken in Osteuropa, wo die Institute zu den wichtigsten Kreditgebern zählen. Die Aufseher mahnten die Geldhäuser daher, sich nun nicht zurückzulehnen. "Die Banken müssen weitere Maßnahmen treffen, um die Eigenkapitalbasis und die Ertragskraft zu stärken", sagte OeNB-Vize-Gouverneur Andreas Ittner.

Finanzminister Hans Jörg Schelling hatte bereits am Freitag durchblicken lassen, dass die Volksbanken AG (ÖVAG) durchgefallen sein dürfte: "Es gibt eine unter Stress belastete Bank, das ist die ÖVAG - das ist hinlänglich bekannt, das wird keine Überraschung sein." Bei der teilverstaatlichten ÖVAG habe man ohnehin "proaktiv" Schritte gesetzt, um nicht ein Problem ähnlich der Hypo Alpe Adria zu bekommen. "Das ist alles auf Schiene", sagte Schelling. Ansonsten rechnet er nicht mit Problemen: "Es gibt keinerlei Anzeichen, dass es im Stresstest Überraschungen gibt."

Mehr Sicherheit

Die Bankentests der Europäischen Zentralbank (EZB) haben nach Ansicht von Experten das Finanzsystem sicherer gemacht. Um rund 200 Milliarden Euro hätten europäische Institute ihre Bilanzen gestärkt, sagt etwa Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. Auch viele Analysten sind optimistisch, dass das Vertrauen in die Stabilität der Banken nach der Überprüfung steigen wird.

Die Deutsche Bank hat den Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB) auch ohne ihre milliardenschweren Kapitalmaßnahmen in diesem Jahr locker bestanden. Basierend auf den Zahlen Ende 2013 lag die harte Kernkapitalquote in einer simulierten Krise bei rund 8,8 Prozent, wie die EZB und das Geldhaus am Sonntag mitteilten. Anders die deutsche DZ Bank. Sie hätte den Stresstest ohne ihre milliardenschwere Kapitalerhöhung nur knapp bestanden. Im Krisen-Szenario kommt das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken auf Basis der Zahlen von Ende 2013 nur auf rund 6,0 Prozent, nötig waren 5,5 Prozent.

Reaktionen

OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny kommentierte zu den Ergebnissen: "Sie liegen im Rahmen unserer Erwartungen. Auch die Zahlen für die ÖVAG kommen nicht überraschend. Insgesamt zeigt sich aber, dass Österreichs Banken in den vergangenen Jahren krisenfester geworden sind", kommentierte. Für FMA-Vorstand Helmut Ettl zeigt die Bilanzprüfung, "wie wichtig und richtungsweisend die Strategie der nationalen Aufsicht war, die Eigenkapitalbasis der österreichischen Banken über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus zu stärken".

Für Erste-Group-Vorstand Andreas Treichl hat sein Haus sowohl den Bilanz-Check als auch den Stresstest "sehr gut bestanden". Das Ergebnis beweise, "dass unsere Gruppe ausreichend kapitalisiert ist und wir in CEE auf das richtige Geschäftsmodell gesetzt haben". Die slowakische Tochter Slovenska sporitelna habe einen eigenen Stresstest durchlaufen und diesen "mit sehr gutem Erfolg bestanden": Das Eigenkapital nach dem Bilanztest (AQR) habe 19,5 Prozent betragen, im Stressfall seien es ebenfalls 19,5 Prozent Eigenkapital gewesen.

Auch RZB-Generaldirektor Walter Rothensteiner verweist darauf, dass sein Haus den Stresstest "klar bestanden" habe. Das belege "das robuste Geschäftsmodell" der RZB. Aus Sicht von RLB-Oberösterreich-Chef Heinrich Schaller hat die EZB seinem Haus "ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt". Man sei nun die einzige oberösterreichische Bank mit "EZB-Gütesiegel". Seit Anfang März seien rund 700 Finanzierungsfälle der Raiffeisenlandesbank OÖ auf ihre Werthaltigkeit geprüft worden.

Aus Sicht der BAWAG P.S.K. bestätigen die Ergebnisse "das geringe Bilanzierungsrisiko, das auf der hohen Qualität unserer Assets sowie der Ordnungsmäßigkeit unserer Bilanzierung auf Grund unserer Kreditrisikovorsorgen und Bewertung der Sicherheiten beruht".

Die Börsen reagierten am Morgen nach der Veröffentlichung des Ergebnis des Stresstests nicht ganz erwartungsgemäß. Erwartet wurde, dass der Stresstest das Vertrauen in die Anleger stärkt und es daher Kursgewinne geben wird. Die Börsianer konnten jedoch nur kurz aufatmen. Nach einem leichten Morgenlüftchen, das etwa den Dax leicht beflügelte, drehte dieser jedoch mit dem Bekanntwerden des deutschen Geschäftsklima-Index Ifo wieder ins Minus. Besonders hart traf es italienische Banken, von denen neun durch den Test rasselten: Das größte Loch in der Bilanz hätte in der simulierten Wirtschaftskrise die Krisenbank Monte dei Paschi mit 2,1 Milliarden Euro. Die Aktien rutschten um mehr als 17 Prozent auf 0,82 Euro ab. Der italienische Leitindex verlor rund zwei Prozent.

Die Sitzenbleiber

Für die 25 im EZB-Test durchgefallenen Banken wurde ein kumulierter Kapitalbedarf von 25 Mrd. Euro ausgemacht, um im Schockszenario, das den Berg an faulen Krediten ansteigen ließe, die Mindestkapitalvorgaben zu erfüllen. 13 Geldhäuser müssten die Lücke noch füllen, zwölf hätten dies bereits getan und ihre Bilanzen um 15 Milliarden Euro gestärkt. Die übrigen 13 Institute haben nun zwei Wochen Zeit der EZB einen Plan vorzulegen, wie sie das Kapitalloch schließen wollen.

Drei der durchgefallen Institute sind Griechen. An den strengen Kapitalvorgaben vorerst gescheitert sind auch zwei slowenische Banken, die ihre Lücken nach den Halbjahresdaten aber schon aufgefüllt haben. Nicht geschafft haben es ferner vier Italiener, eine portugiesische, eine irische und eine zyprische Bank. Aus Belgien war die Dexia unter den Gescheiterten, aus Österreich die Volksbanken. Die gesamte Liste der Banken wurde vorerst noch nicht veröffentlicht, da die Banken schließlich noch Zeit haben, die Lücken zu füllen.

EZB-Vizepräsident Vitor Constancio zeigte sich zufrieden mit dem Test der Branche. "Diese bislang nicht dagewesene tiefgehende Prüfung der Bilanzen der Großbanken wird das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Bankensektor stärken", betonte Constancio. "Dies sollte auch dazu beitragen, dass die Banken wieder mehr Kredite vergeben und so der Konjunktur helfen." Die Aufseher hatten die Institute in den vergangenen Monaten auf Herz und Nieren geprüft. Die EZB will damit sicherstellen, dass die Banken keine versteckten Altlasten mehr in ihren Büchern haben, wenn sie am 4. November deren Oberaufseher wird.

Erste Konsequenzen

- Das Schicksal der ÖVAG als Spitzeninstitut der österreichischen Volksbanken ist seit Anfang Oktober besiegelt. Sie hatte in den vergangenen Jahren unter anderem bei ihrem starken Engagement in Osteuropa viel Geld verloren und musste mit 1,3 Milliarden Euro Steuergeldern gerettet werden. Nun soll die ÖVAG vom kommenden Jahr an abgewickelt werden. Offiziell wird dementiert, dass dies eine Reaktion auf ein vermutetes Durchfallen bei den EZB-Checks sei.

- Im Sommer crashte die portugiesische Großbank Banco Espírito Santo (BES). Sie wurde aufgespalten. Die bisherigen Eigentümer blieben auf maroden Papieren sitzen, während der Staat den gesunden Teil mit einer Finanzspritze von 4,9 Milliarden Euro stützte und so auch Einlagen der Sparer sicherte. Dafür nutzte Portugal 4,4 Milliarden Euro aus dem Rettungstopf von EU und Internationalem Währungsfonds. Die Hoffnung ist, dass die "Novo Banco" irgendwann reprivatisiert wird und der Abwicklungsfonds die geliehenen Gelder zurückzahlt.

- Ums Überleben kämpft auch die älteste noch existierende Bank der Welt: die Banca Monte dei Paschi aus dem italienischen Siena. Im Juni gelang es ihr nach langem Gezerre, über eine Kapitalerhöhung fünf Milliarden Euro einzusammeln. Damit dürfte zumindest ein Teil der bei der EZB-Prüfung erwarteten Kapitallücken geschlossen werden können.

- Sorgen machten sich viele Beobachter lange um die Deutsche Bank. Die zahlreichen Rechtsrisiken sorgten für große Unsicherheiten. Hinzu kam, dass die Aufsichtsbehörden bei den neuen Kapitalregeln strenger vorgingen, als die Bank erwartet hatte. Schließlich setzte das Institut im zweiten Quartal 2014 zum Befreiungsschlag an und beschaffte sich auch mit Hilfe eines Scheichs aus Katar 8,5 Milliarden Euro frisches Geld. Beobachter gehen nun davon aus, dass das reicht, um mögliche Löcher in den Tests zu schließen.

Hintergrund

Was soll der Stress?

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich fast genau ein Jahr Zeit genommen, die Banken auf Herz und Nieren zu prüfen, die sie künftig direkt beaufsichtigen soll. Damit soll die Widerstandsfähigkeit der Geldhäuser in einer Krise getestet werden. Dem eigentlichen Stresstest vorgeschaltet war erstmals eine eingehende Prüfung der Bilanzen. Jede Bank musste im Schnitt 300.000 Daten über Kredite, Wertpapiere und Portfolien liefern, insgesamt 40 Millionen. Die Prüfung soll verloren gegangenes Vertrauen der Märkte in die Banken wiederherstellen und dafür sorgen, dass die Institute keine versteckten Altlasten in den Büchern haben, wenn die EZB am 4. November als Oberaufsicht über die Branche in der Euro-Zone übernimmt. EZB-Präsident Mario Draghi hofft, dass gesunde Banken dann wieder ausreichend Kredite vergeben können, um die Wirtschaft in Fahrt zu halten.

Was passiert, wenn eine Bank durchfällt?

Institute, die zu wenig Kapital aufweisen und die Prüfung deshalb nicht bestehen - wie die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG), haben von Montag an zwei Wochen Zeit, einen Plan auszuarbeiten, wie sie die Lücke schließen wollen. Dazu haben sie dann sechs Monate Zeit, wenn das Loch bei der Bilanzprüfung entdeckt worden ist oder der Bank auch ohne eine Bankenkrise in den nächsten drei Jahren ein solches Loch droht. Entstünde das Loch nur in einer Krisensituation, muss es erst in neun Monaten geschlossen sein. Um es zu schließen, können die Banken frisches Eigenkapital aufnehmen oder die Risiken in der Bilanz verkleinern, etwa indem sie faule Kredite verkaufen. Für Risiken, die es nicht mehr gibt, muss die Bank auch kein Kapital als Sicherheit hinterlegen.

Müssen viele Banken ihr Bilanzen ändern?

Das kommt darauf an. Die von der EZB ermittelten Zahlen weichen in vielen Fällen von den veröffentlichten Bilanzen ab. Entdecken die Prüfer Fehler oder drastische Fehleinschätzungen, die den Bilanzierungsregeln widersprechen, müssen die Banken ihre Bilanzen anpassen. Um gleiche Voraussetzungen für alle Geldhäuser in Europa zu schaffen und die Prüfung zu vereinfachen, hat die EZB aber auch zahlreiche Annahmen getroffen, die den internationalen oder nationalen Bilanzierungsvorschriften widersprechen. So hat sie Schiffskredite aus Vorsichtsgründen pauschal abgewertet. In diesem Fall müssen sich Prüfer, EZB und Banker nach dem Test zusammensetzen, um eine Lösung zu finden.