Euro fällt auf Jahrestief - Wie tief geht es noch?

Der Euro ist heute gegenüber dem Dollar auf ein neues Jahrestief gefallen. Doch das ist noch lange nicht der Tiefpunkt glaubt die Deutsche Bank. Warum dem Euro ein weiterer Absturz bevor stehen könnte.

Euro fällt auf Jahrestief - Wie tief geht es noch?

Mit 1,23443 Dollar hat der Euro am Mittwoch das Jahrestief von 1,2358 Dollar unterschritten. Im New Yorker Schlussgeschäft des Vortages hatte er bei 1,2381 Dollar notiert. Damit ist der Euros so niedrig bewertet wie zuletzt vor zwei Jahren. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe. Der eine liegt in den USA. Asoka Wöhrmann, oberster Investor der Deutschen Asset & Wealth Management: "Die erwartete Zinserhöhung der US-Notenbank Fed gibt dem US-Dollar Auftrieb." Zudem wird spekuliert, dass die US-Notenbank die Leitzinsen schneller erhöhen könnte als erwartet. Das bedeutet: Die US-Wirtschaft entwickelt sich so gut, dass die Gefahr nur noch sehr gering ist, dass eine erste Anhebung der Zinsen die Konjunktur abwürgen könnte.

Der zweite Grund für den jüngsten Kursrückgang sind die enttäuschenden Konjunkturdaten Spaniens. Der spanische Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor ist im November von 55,9 auf 52,7 Punkte gesunken.

Prognose: Euro sinkt auf Einführungsniveau

Experten sehen die Entwicklung nur als Tendenz und halten einen weiter sinkenden Euro-Kurs für wahrscheinlich. Die Deutsche Asset Management geht in einer aktuellen Analyse davon aus, dass der Euro gegenüber dem Dollar auf das Niveau der Einführung sinken dürfte. Im kommenden Jahr sollte demnach der Kurs des US-Dollar gegenüber dem Euro deutlich erstarken. Mittelfristig dürfte laut der Prognose der Vermögensverwaltern der Deutschen Bank der Euro auf rund 1,17 US-Dollar und damit auf das Niveau von 1999 zurückfallen. Die Banker dazu: "Die wirtschaftliche Lage des Kontinents war damals deutlich besser als sie 2015 sein wird." Auch eine Entwicklung in Richtung Parität schließt die Research-Abteilung der Deutschen Bank nicht ausgeschlossen. Wöhrmann: „Der Greenback kommt zurück. Er wird von der Führungsposition der USA beim weltweiten Wachstum und höheren Renditen profitieren.“

Enttäuscht Draghi die Märkte?

Weniger pessimistisch für den Euro ist jedoch Devisenanalystin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. Sie erklärt gegenüber dem Wall Street Journal: "Ich rechnet nicht mehr mit einem weiter fallenden Euro, sondern mit einer Seitwärtsbewegung auf dem derzeitigen Niveau. Sie glaubt auch, dass Draghi die Märkte enttäuschen wird. ” Denn, so ihre Begründung, „Die EZB hat die Tür für Staatsanleihenkäufe verbal schon weit aufgestoßen". Die EZB werde aber zunächst den neuen Langfrist-Tender (LTRO) am 11. Dezember abwarten. Für den Fall, dass Draghi jedoch eine weitere monetäre Lockerung ankündigen, könnte der Euro ihrer Einschätzung nach weiter fallen. Generell sei die EZB ja auch an einem schwachen Euro interessiert, so Nguyen gegenüber dem Wall Street Journal.

Geldspritzen, auch "dicke Berta" genannt, wurden ins System gepumpt

Bereits Anfang 2012 hat die EZB gigantische Summen in das Banksystem gepumpt. Insgesamt lieh die Zentralbank den Banken mittel des ersten Langfrist-Tender eine Billion Euro aus. Davon haben die Banken das meiste jedoch bereits wieder fast zur Gänze zurückbezahlt und damit dem Markt das Geld wieder entzogen.