"Endlich mehr Gewinne"

"Endlich mehr Gewinne"

Michael Barakos ist bei der Fondsgesellschaft JPMorgan Asset Management Anlagechef für Europa-Aktien.

Michael Barakos, Europa-Aktienchef bei JPMorgan Asset Management, über Gewinnsteigerungen europäischer Konzerne und Anlagechancen in Euroland.

FORMAT: Herr Barakos, im dritten Quartal sind die Börsen abgesackt. Der Rückschlag traf auch europäische Aktien. In der ersten Oktoberwoche legten die Kurse wieder zu. Wie geht es weiter?

Barakos: Das dritte Quartal brachte Verluste im zweistelligen Prozentbereich. Damit wurde das schlechteste Quartalsergebnis der vergangenen vier Jahre eingefahren. Man darf aber nicht vergessen, dass sich ein Investment in europäische Aktien seit März 2009 verdreifachte. Beim Aktienfonds JPMorgan Europe Equity Plus hatte sich das Geld seit damals vervierfacht. Angesichts der Fundamentaldaten bin ich für das vierte Quartal des laufenden Jahres und für 2016 entspannt.

Worauf begründet sich Ihre Zuversicht?

Barakos: Europas Aktienmärkte sind derzeit weltweit die einzigen, für die die Aussichten wegen volkswirtschaftlicher sowie unternehmensbezogener Entwicklungen gut sind. Das war vor einigen Jahren noch undenkbar.

Was bedeutet das im Detail?

Barakos: Die Wirtschaftsentwicklung der Eurozone liegt über den Erwartungen. Für das laufende Jahr weisen die Prognosen wieder auf ein Wachstum hin. In Summe sollte es in der Eurozone für das Gesamtjahr 2015 zwischen 1,5 und zwei Prozent betragen.

Ist Europa nun schon aus dem Schneider?

Barakos: Nein. Es wäre falsch, zu behaupten, dass Europa jetzt zum Motor für globales Wachstum wird. Es gibt nach wie vor in einigen Volkswirtschaften wichtige Probleme zu lösen. Damit kann man aber gut leben, ging doch lange Zeit die Angst vor einer dauerhaften Rezession um.

Welche Faktoren sind für den weiteren Verlauf der Börsen entscheidend?

Barakos: Neben der positiven Überraschung beim Wirtschaftswachstum ist wichtig, dass quer durch Europa die Einkaufsmanagerindizes über den Erwartungen liegen. Das gilt für die Kernländer ebenso wie für die Peripheriestaaten. Und beim Konsumentenvertrauen hat sich die Lage aufgehellt. Die Einzelhandelsumsätze haben im zweistelligen Prozentbereich angezogen. Die Entwicklung startete zwar von einem tiefen Niveau, aber das ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass die Erwartungen übertroffen werden. Vor allem beim privaten Konsum, der rund zwei Drittel zur europäischen Wirtschaftsleistung beiträgt. Die Realeinkommen steigen. Deutschland ist nahe der Vollbeschäftigung und entwickelt sich schrittweise von einer exportorientierten Wirtschaft zu einer Ökonomie mit mehr Inlandskonsum.


"Europas Aktienmärkte sind derzeit weltweit die einzigen, für die die Aussichten gut sind."

Das ist erfreulich. Aber für Investoren ist entscheidend, wie sich das Geschäft der Börsenkonzerne entwickelt. Wie ist es um die Profite europäischer Unternehmen bestellt?

Barakos: Die Unternehmensgewinne europäischer Konzerne traten rund fünf Jahre auf der Stelle. Nun zeigt sich Gewinnwachstum. 2016 kommt noch viel mehr nach.

Können Sie die Höhe konkretisieren?

Barakos: Europaweit liegen die Schätzungen für das Gewinnwachstum im nächsten Jahr bei fünf Prozent. Dabei sind aber Konzerne aus dem Energie- und dem Rohstoffsektor eingerechnet, bei denen mit massiven Profitrückgängen von 30,40 oder 50 Prozent zu rechnen ist. Werden Unternehmen dieser Sektoren nicht berücksichtigt, kann das europaweite Gewinnwachstum rund zehn Prozent erreichen. Zieht man den Kreis noch enger und betrachtet nur die Eurozone, fällt der Anstieg der Unternehmensprofite mit 15 Prozent noch deutlich höher aus. Um ein Gewinnwachstum in dieser Höhe erzielen zu können, reicht bereits ein Umsatzwachstum von zwei bis drei Prozent.

Welche Rolle spielen der Wechselkurs von Euro zu Dollar und der Ölpreis?

Barakos: Eine extrem wichtige. Unternehmen folgen unterschiedlichen Hedging-Strategien. Manche Konzerne gehen keine Absicherungen ein. Die meisten Unternehmen sichern sich aber auf unterschiedliche Arten und Zeitspannen ab. Diese Zeitspannen liegen typischerweise zwischen sechs und 18 Monaten, der Großteil bei zwölf Monaten. Der Ölpreis ist stark gefallen, und es ist etwas mehr als ein Jahr her, dass der Euro gegenüber dem Dollar schwächer wurde. Viele Hedges laufen jetzt aus. Neue Absicherungen werden auf einem deutlich tieferen Niveau abgeschlossen. In den nächsten drei Quartalen werden sich daraus positive Auswirkungen auf die Unternehmensprofite ergeben.

Womit sind Anleger bei einem Investment in Europa-Aktien gut aufgehoben?

Barakos: Aus Investorensicht liegt es nahe, sich auf Euroland zu fokussieren. Rund 50 Prozent der paneuropäischen Marktkapitalisierung entfallen auf Unternehmen der Eurozone. In einigen europäischen Peripheriestaaten zeigen Reformen Wirkung. Das trifft zum Beispiel auf Irland, Italien und Spanien zu. Bei irischen und spanischen Börsenkonzernen liegen die Schätzungen für das Gewinnwachstum für 2016 bei 31 Prozent, bei italienischen sind es 18 Prozent. In Summe kann dieses Wachstum der Katalysator für gute Aktienrenditen sein.

Welche Renditen können Aktien der Eurozone im nächsten Jahr bringen?

Barakos: Man darf nicht damit spekulieren, dass Rekorde gebrochen werden. Ich halte im nächsten Jahr zehn Prozent Rendite bei teils hohen Kursschwankungen für wahrscheinlich.

Zur Person: Michael Barakos, 38, fungiert bei der Fondsgesellschaft JPMorgan Asset Management als Anlagechef für Europa-Aktien. Der Experte, der sein Studium an der London School of Economics absolvierte, verwaltet mit seinem 45-köpfigen Team rund 45 Milliarden Dollar.

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