Ebola lässt Kakaopreise steigen: Kitkat-Hersteller Nestlé ist unter Druck

Ebola lässt Kakaopreise steigen: Kitkat-Hersteller Nestlé ist unter Druck

Rund 60 Prozent der weltweiten Kakaoproduktion sind in Ghana und der Elfenbeinküste angesiedelt. Die Sorge um den in Westafrika grassierenden Ebolavirus lässt den Preis für den Rohstoff daher massiv steigen, im September erreichte er das Drei-Jahres-Hoch. Das setzt Konzerne wie Kitkat-Hersteller Nestlé unter Druck.

Der Ebolavirus alarmiert nicht nur Gesundheitsexperten, sondern hat auch massive Auswirkungen auf den Kakaopreis: Die Furcht vor einem Übergreifen der Epidemie auf die Anbaugebiete Westafrikas ließ den Dezember-Kontrakt so weit ansteigen, dass er am 25. September bei einem Drei-Jahres-Hoch von 3399 Dollar notierte. So hoch lag der Preis zuletzt im August 2011, von Jahresbeginn bis zum besagten Tag gibt es ein Plus von rund 25 Prozent. Seitdem ist der Preis zwar wieder um knapp neun Prozent auf nun 3078 Dollar gefallen; höher als zu Jahresbeginn ist der Preis für das braune Gold aber nach wie vor.

Das hat auch Auswirkungen auf die großen Süßwarenproduzenten, etwa den Nestlé-Konzern. Die Herstellung eines Kitkat-Riegels ist nun deutlich teurer geworden, daher haben Händler in letzter Zeit eifrig Wetten auf einen Kursrückgang von Nestlé SA eingekauft, bevor das Unternehmen am 16. Oktober seine Umsatzzahlen bekannt gibt. Der Preis von Kontrakten, die auf einen Kursrückgang von Nestlé-Aktien um zehn Prozent wetten, kletterte in Relation zu Optionen, die auf einen vergleichbaren Anstieg wetten, auf den höchsten Stand seit einem Jahr, heißt es von der Agentur Bloomberg.

Hedgefonds haben indes ihre Wetten auf einen weiteren Anstieg der Kakao-Preise weiter ausgebaut, auch wenn der Rohstoff bereits seine längste monatliche Rally seit zwölf Jahren verzeichnet hat, berichtet die Agentur. "Die letzten Ergebnisse von Nestle erwecken Befürchtungen für die Süßwaren-Sparte, da die Profitabilität sank", erklärt Philippe Bertschy von der Bank Vontobel AG per Email: "Die jüngsten Preisanstiege für Kakao-Bohnen und Kakao-Butter haben die Frage aufgeworfen, ob sie Schokoladen-Hersteller damit fertig werden können."

KitKat wurde teurer

Die steigenden Rohstoffkosten bremsen die Profitabilität des Geschäftsbereichs, gleichzeitig musste der Konzern im ersten Halbjahr einen Umsatzrückgang von 9,2 Prozent in der Süßwarensparte hinnehmen - die steigenden Kosten hat das Unternehmen an den Verbraucher weitergegeben. "Das wirtschaftliche und das Rohstoff-Umfeld für die breite Masse der Schokoladenbranche ist schwierig", sagt Patrik Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank: "Es macht also Sinn, keine guten Ergebnisse von den Unternehmen zu erwarten."

Wenn die Kakaopreise weiter steigen, muss Nestlé laut Schwendimann die Schokoladenpreise erhöhen - was sich wiederum in den Verkaufszahlen niederschlagen würde.

Elfenbeinküste: Wiege der Schokolade

Kakao gehört neben Öl und Kaffee zu den wichtigsten Rohstoffen aus Entwicklungs- und Schwellenländern: Rund 60 Prozent der weltweiten Produktion kommen einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge aus den Ländern Elfenbeinküste und Ghana. Zwar ist die Epidemie noch nicht in diese Länder vorgedrungen, doch die Elfenbeinküste hat unkontrollierte Grenzen nach Liberia und Guinea. Viele Arbeiter auf den Kakaoplantagen kommen aus den Nachbarländern, wo Ebola schon grassiert, erläutert der Experte Thomas Pugh von der Londoner Beratungsfirma Capital Economics: "Und sind die Arbeitskräfte nicht da, ist der Nachschub gestört."

Der Kakao wird vor allem von Kleinbauern angebaut, gibt Edward George von der Ecobank zu bedenken. "Wir reden von Hunderttausenden von Bauern, mit Feldern, die 1,5 oder zwei Hektar groß sind." Entsprechend mühsam ist der Transport: "Das sind Leute, die mit dem Moped, mit dem Auto oder Kleinlaster die Bauern abklappern." Sollte sich Ebola ausbreiten, würde keiner mehr fahren, die Regierung würde ganze Landstriche unter Quarantäne stellen und Ausgangssperren verhängen.

Das letzte Mal, als die Exporte aus der Elfenbeinküste zum Stillstand kamen - während einer Bürgerkriegsphase Ende 2010 und Anfang 2011 - stiegen die Preise für Kakao-Terminkontrakte um bis zu 32 Prozent.

Slideshow: Ebola - der Killervirus aus dem Dschungel

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