Gerhard Roiss muss Mitte 2015 den OMV-Chefsessel räumen

Gerhard Roiss muss Mitte 2015 den OMV-Chefsessel räumen

Gerhard Roiss (li.) muss Mitte 2015 den Posten als Vorstandchef der OMV abgeben. David Davies (2.v.li) soll folgen. Auch Floren (re.) wird gehen müssen.

OMV-Vorstandschef Gerhard Roiss muss Mitte 2015 vorzeitig sein Amt abgeben. Es wird ein Nachfolger gesucht. Finanzvorstand David Davies ist in der Pole-Position für den neuen Generaldirektor des österreichischen Energiekonzerns. Auch Gas-Vorstand Hans-Peter Floren soll aus dem Unternehmen ausscheiden. Mit ihm laufen "Vertragsverhandlungen". Roiss und Floren haben aufgrund ihrer bis 2017 laufenden Verträge Anspruch auf Abfindungen in Millionenhöhe.

Turbulenzen ohne Ende beim Öl- und Gaskonzern OMV. Nach einer langen Aufsichtsratssitzung gab das Unternehmen in der Nacht auf Mittwoch bekannt, dass man sich mit dem bisherigen Vorstandschef Gerhard Roiss über die Auflösung seines Vertrages per Ende Juni geeinigt habe. Nun wird ein neuer Vorstandschef für die OMV gesucht. Dem Vernehmen nach soll dieser auch schon beinahe fixiert worden sein. Der bisherige Finanzvorstand David Davies soll Roiss als Generaldirektor folgen. Auch der Vertrag von Gas-Vorstand Hans-Peter Floren soll vorzeitig aufgelöst werden. Aus der OMV ist dazu bislang nur zu hören, dass die Geschäftsbereiche umgebaut werden, sodass Floren seinen Geschäftsbereich verliert. Das Ausscheiden Florens aus dem Unternehmen dürfte somit ebenfalls bereits besiegelt sein. Laut offizieller OMV-Direktion laufen mit Floren "Vertragsverhandlungen"

Den Plänen zufolge sollen zwei Geschäftsbereiche mit Jahresbeginn 2015 zur neuen Sparte "Downstream" verschmolzen werden. Der Geschäftsbereich Gas und Power, der bisher von Floren geleitet wurde, soll mit dem Geschäftsbereich Raffinerien und Marketing von Vorstand Manfred Leitner zusammenkommen. Der neue Bereich werde unter der Führung von Leitner stehen.

Die Verträge der Vorstände Roiss und Floren wären noch bis Frühling 2017 gelaufen. Der OMV-Vorstand sei so zerrüttet, dass das Führungsgremium handlungsunfähig sei, heißt es zur Begründung aus Aufsichtsratskreisen. Auch der Konzernbetriebsrat forderte in einem offenen Brief an den Aufsichtsrat personelle Konsequenzen im Vorstand. Betriebsratschef Martin Rossmann beklagte in dem Brief, dass seit Monaten ein konstruktives Arbeiten nicht möglich sei.

Um die Abfertigungen der beiden scheidenden Vorstände wird derzeit noch gerungen. Aus informierten Kreisen wird ein Betrag von insgesamt 20 Millionen Euro Abfertigung genannt. Roiss hatte zuletzt rund 3,2 Millionen, Floren 1,1 Millionen Euro verdient.

Nationalbankpräsident Claus Raidl, früher ÖIAG-Vorstand, hat scharfe Kritik am Vorgehen der ÖIAG bei der OMV geübt. Das Ganze sei ein "Desaster", sagte Raidl Dienstagabend in der "ZiB2" des ORF. Der Vertrag von OMV-Chef Gerhard Roiss sei ja erst vor einem Jahr verlängert worden. Die Tatsachen hätten sich nicht verändert, offenbar sei man damals zu "feige" gewesen, wetterte er. Auch die Entscheidung, dass Roiss noch bis Juni 2015 im Amt bleibe, hält Raidl für falsch. In Personalfragen müssten rasch Entscheidungen getroffen und diese rasch umgesetzt werden. Wer werde nun noch ernsthaft mit Roiss reden, fragte er.

Abgang Mitte September

Am 16. September hatte schon Jaap Huijskes, Vorstandsmitglied verantwortlich für Exploration und Produktion, den OMV-Aufsichtsratsvorsitzenden Rudolf Kemler über seine Entscheidung informiert, die OMV vor Ende der laufenden Funktionsperiode am 30. September 2018 zu verlassen. Huijskes plant im ersten Halbjahr 2016 zurückzutreten. Seine Entscheidung basiert ausschließlich auf privaten Gründen, hieß es am gleichen Tag in einer Ad-hoc-Meldung des Unternehmens.

Aktie bohrte sich in den Grund

Der Öl- und Gas-Konzern mit Hauptsitz in Wien beschäftigte Ende Juni 26.773 Mitarbeiter; der Aktienkurs war in den vergangenen Monaten stark eingebrochen: Seit Jahresbeginn verlor er um 29,75 Prozent, am Dienstag um 13 Uhr notierte er bei 24,44 Euro an der Börse Wien. Angesichts der personellen Maßnahmen notierte das Papier zu Mittag mit 0,78 Prozent leicht im Plus.

Im August hatte das Unternehmen einen Umsatz- und Gewinneinbruch für das erste Halbjahr 2014 melden müssen. Der Umsatz ließ um zehn Prozent auf 19,1 Milliarden Euro nach; der operative Gewinn (EBIT) brach sogar um 53 Prozent auf 908 Millionen Euro ein. Im 2. Quartal fiel der EBIT-Einbruch mit 65 Prozent gegenüber dem Vorjahr noch drastischer aus.

Zur Person:

David C. Davies absolvierte 1978 das Studium der Volkswirtschaft an der Universität von Liverpool (UK) und begann seine Berufslaufbahn in der Wirtschaftsprüfung. Weiters war er in internationalen Konzernen in der Getränke-, Lebensmittel- und Gesundheitsindustrie tätig. Zuletzt war er Finanzvorstand in verschiedenen Unternehmen im UK. Mit 1. April 2002 wechselte er in den OMV Finanzvorstand, seit 1. April 2011 war Davis bereits stellvertretender Vorstandsvorsitzender.

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