Comeback: Ölpreis auf Jahreshöchststand

Comeback: Ölpreis auf Jahreshöchststand
Comeback: Ölpreis auf Jahreshöchststand

In den USA wird nur noch an 679 Bohrtürmen Öl gefördert. Dennoch befindet sich die Förderung auf hohem Niveau.

Der Ölmarkt ist nach wie vor überversorgt, die Lagerstätten in den USA platzen aus allen Nähten. Doch seit Jahresbeginn legte der Ölpreis um mehr als 40 Prozent zu. Jede kleinste Neuigkeit befeuert den Markt zu Spekulationen. Nun gehen die Lagerbestände überraschend um knapp vier Millionen Barrel zurück.

Immer wieder gönnte er sich Verschnaufpausen, doch seinen Höhenflug setzt der Ölpreis seit Jahresbeginn fort. Seit dem historischen Jänner-Tief von 45,94 Dollar legte der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl wieder kräftig zu. Derzeit kostet ein Fass rund 67 Dollar - ein Anstieg von über 40 Prozent und damit vorerst ein Jahreshöchststand. Von Spitzenniveaus wie 115,06 Dollar im Juni 2014 ist er aber noch weit entfernt. Auch der Preis für die Sorte West Texas Intermediate (WTI) erreichte mit derzeit rund 62 Dollar sein höchstes Niveau seit fast fünf Monaten.

Der jüngste Anstieg des Ölpreises ist den aktuellen Lagerdaten aus den USA geschuldet. Die wöchentlichen Rohölbestände haben sich laut US-Energieministerium (EIA) überraschend um 3,9 Millionen Barrel reduziert. Das Forschungsunternehmen American Petroleum Institute (API) berichtete vorab bereits von rückläufigen Rohölvorräten.

Seit dem 6. April legte der Ölpreis um rund 20 Prozent zu. Derzeit kostet ein Barrel rund 67 Dollar.

Aktuelle Brent- Ölpreis-Entwicklung und Chart

Märkte reagieren sensibel

Die Vereinigten Staaten sind der weltweit größte Öl-Konsument, unter anderem sorgte die exzessive Schieferöl-Förderung für eine weltweite Überproduktion. Dementsprechend viel des schwarzen Goldes wird am US-amerikanischen Festland gespeichert. In den Lagerstätten schlummern laut US-Energieministerium (EIA) derzeit knapp 487 Millionen Barrel Rohöl (Stand: 6. Mai 2015) - der höchste Stand seit 1930. Anfang Februar lagerten noch 413 Millionen Barrel Rohöl - ein Anstieg von 18 Prozent innerhalb von drei Monaten.

Angesichts von fast einer halben Milliarde Barrel gehorteten Öls bedeuten 4 Millionen Barrel nur einen minimalen Rückgang. Doch die Märkte reagieren sensibel auf solche Neuigkeiten. Damit mehren sich die Hinweise, dass sich das hohe überschüssige Angebot in den USA zumindest etwas verringern könnte.

Laut Zahlen des Öldienstleisters Baker Hughes wird derzeit (Stand: 1. Mai 2015) an 679 Bohrtürmen in den USA Öl gefördert. Ein Rückgang von über 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, in dem noch 1.527 Bohrtürme in Betrieb waren. Die Halbierung der Zahl der aktiven Bohrtürme nährte die Spekulationen über einen baldigen Engpass der Ölproduktion. Doch trotz dieser hohen Zahl an Schließungen wird die Rohölförderung auf hohem Niveau betrieben.

Die Zahl der Bohrtürme in den USA halbierte sich im Vergleich zum Vorjahr.

Ölmarkt nach wie vor gesättigt

Zudem sorgen die Unruhen in Libyen dafür, dass libysche Exporte ausbleiben und der Ölpreis in die Höhe getrieben wird. Aufgrund von Kämpfen kann derzeit im libyschen Hafen Sueitina kein Erdöl verladen werden. Momentan exportiert das nordafrikanische Land nur etwa 500.000 Barrel täglich, rund zwei Drittel weniger als noch 2010. Den heimischen Energiekonzern OMV etwa belasten die Förderausfälle in Libyen "substanstiell".

Analystin Vyanne Lai von der National Australia Bank verwies zudem auf die Kämpfe im Jemen, die für Verunsicherung und dadurch auch für Kursausschläge sorgten. Das Land liegt an einer wichtigen Route für Öltanker.

Offenbar nutzten einige spekulativ orientierte Anleger diese Gemengelage, um die Preise nach oben zu treiben, sagte Lai weiter. Rohstoff-Experten der Commerzbank genießen die Spekulationen aber mit Vorsicht und bewerten das Ausmaß des Preisanstiegs und das aktuelle Preisniveau aber als übertrieben. Der Ölmarkt sei nach wie vor deutlich überversorgt.

Finanzen

Schon 75 Millionen Kunden: Netflix revolutioniert das Fernsehen

Börse

US-Konzerne: Quartalsgewinne brechen ein - Droht Rezession?

Finanzen

Zalando steigert Umsatz um ein Drittel - Gewinn ist aber noch unklar