Bye bye Bernanke! Die US-Notenbank Fed bekommt eine neue Chefin

Ben Bernanke begann seine acht Jahre andauerne Präsidentschaft der Federal Reserve Bank unter Georg W. Bush 2005.

US-Präsident Barack Obama schlug 2013 die langjährige Fed-Mitarbeiterin und Uni-Professorin Janet Yellen als Nachfolerin Bernankes vor. Sie ist die erste Frau an der Spitze der 100-jährigen US-Notenbank.

Ben Bernanke übergibt die Fäden der US-Geldpolitik an Janet Yellen. Damit scheidet er nach acht Jahren als Präsident der Federal Reserve Bank aus dem Amt. Bernanke schaut positiv auf seine Zeit als Fed-Chef zurück, Kritiker werfen ihm allerdings auch eine Mitschuld an der Finanzkrise vor.

Der Ökonom Ben Bernanke gilt als Pragmatiker ohne tiefe ideologische Grundsätze. Er steht für eine ähnlich wie unter Vorgänger Alan Greenspan auf Preisstabilität ausgerichtete Geldpolitik. Außerdem soll er wie dieser den Republikanern nahestehen. 2005 schlug US-Präsident George W. Bush Bernanke zum Nachfolger Greenspans als Präsident der US-Notenbank vor.

„Helikopter-Ben“

Die vor einigen Jahren in den USA und anderen Ländern befürchtete Deflation hielt Bernanke für keine große Gefahr: „Die US-Regierung verfügt über eine Technologie, genannt Druckerpresse (oder heute ihr elektronisches Äquivalent), die ihr die Produktion so vieler US-Dollars erlaubt, wie sie wünscht – und das ohne Kosten.“ Er prägte 2005 den Begriff „savings glut“ oder Sparschwemme. Am 13. Januar 2009, vor dem Hintergrund der Finanzkrise ab 2007, erklärte er, keine Geldpolitik der einfachen quantitativen Lockerung zu betreiben, sondern eine Politik des „credit easing“. Er soll einmal angeregt haben, Dollars im Deflationsfall tatsächlich mit dem Hubschrauber abwerfen zu lassen, weswegen er in Finanzkreisen auch „Helikopter-Ben“ genannt wird.

Vergangenen Mittwoch leitete Bernanke zum letzten Mal die Sitzung des Offenmarktausschusses. Nach acht Jahren an der Spitze der Notenbank gilt das allgemeine Lob überwiegend seiner Rolle während der Finanzkrise. Bernanke habe mit einer aggressiven Geldpolitik den Absturz in eine zweite Depression wie in den dreißiger Jahren verhindert, heißt es. In die Lobeshymnen mischt sich aberauch Kritik.

Mitverursacher der Immobilienblase?

Vor seiner Zeit als Vorsitzender, war Bernanke Fed-Gouverneur von 2002 bis 2005. Als Experte der Großen Depression in den dreißiger Jahren kam er in die Fed und warnte vor einer deflationären Abwärtsspirale. Auch dank seines Einflusses ließ sich die Fed von 2003 bis 2005 auf eine Niedrigzinspolitik ein, die die Hauspreise mit in die Höhe und die Anleger in übertriebene Risiken trieb, wie der Stanford-Ökonom John Taylor kritisiert. Bernanke hat wie sein Vorgänger Alan Greenspan diesen Zusammenhang immer bestritten und die Hauspreisblase auf einen globalen Überfluss an Sparkapital zurückgeführt, der die langfristigen Zinsen niedrig hielt. Doch begann er seine Zeit als Fed-Vorsitzender 2006 mitten in einem Zinserhöhungszyklus, der nach Meinung mancher zu spät kam. Die Fed erkannte das Ausmaß der wirtschaftlichen Gefahren der Hauspreisblase relativ spät. Noch im Mai 2007 erwartete Bernanke keine größeren Verwerfungen für Wirtschaft und Finanzmärkte aus der Krise am Markt für Hauskredite niedriger Qualität.

Bernankes Abrechnung mit Kritikern

Der scheidende US-Notenbankchef Bernanke verteidigt seine Krisenpolitik gegen Kritik. Die Staatsanleihenkäufe zum Ankurbeln der Wirtschaft seinen erfolgreich gewesen, sagte Bernanke. Er hat in seiner Ende des Monats auslaufenden Amtszeit die Fed-Bilanz mit enormen Geldspritzen auf fast 4 Billionen Dollar (3 Billionen Euro) aufgebläht. Bernanke rechnete nun mit seinen Kritikern ab, die ihm vorwerfen, mit der Geldflut die Saat für künftige Marktblasen zu legen und Inflation Vorschub zu leisten.

Auch in den 1930er Jahren sei die Fed während der Großen Depression angefeindet worden. "Daher war es nicht überraschend, dass es wieder zu populistischen Reaktionen gekommen ist", sagte Bernanke.
Die Unabhängigkeit der Notenbank sei eines ihrer entscheidenden Merkmale, betonte er. Er hoffe, dass sich die Aufregung über das Vorgehen der Notenbank legen werde.

Zugleich zog er eine positive Bilanz seiner Amtszeit. Es gebe nicht viele Notenbanker im Führungsgremium der Fed, die ernsthaft an der Wirkung der von ihm eingeleiteten Politik der sogenannten Quantitativen Lockerung zweifelten: "Das Problem mit der Quantitativen Lockerung ist nur, dass sie in der Praxis funktioniert, nicht aber in der Theorie."

Seit Anfang des Jahres hat die Fed die monatlichen Ankäufe von Staatsanleihen und Immobilienpapieren um zehn auf 75 Mrd. Dollar verringert und damit auf die zunehmende Erholung der US-Wirtschaft reagiert. Die nächste Gelegenheit zum Drosseln der Konjunkturhilfen ergibt sich auf der Zinssitzung Ende des Monats. Das Programm soll bis Ende des Jahres schrittweise auslaufen, dann allerdings unter Bernankes Nachfolgerin Janet Yellen.

Nach 2008:
In der schlimmsten Finanzkrise nach dem Zweiten Weltkrieg gerät Greenspan in die Kritik. Er habe die Zinsen nach dem 11. September 2001 zu lange zu niedrig gehalten und damit die Preisblase am Immobilienmarkt begünstigt, deren Platzen die Krise auslöste. Zudem wird ihm vorgeworfen, er habe die Risikobereitschaft der Banken angesichts fauler Hypothekenkredite nicht genug im Blick gehabt.

31. Januar 2013:
Fed-Präsident Ben Bernanke stemmt sich mit ultralockerer Geldpolitik gegen schwächelnde Konjunktur und anhaltend hohe Arbeitslosigkeit. Der Leitzins bleibt - wie seit Dezember 2008 - nahe Null. Zudem wird angekündigt, Monat für Monat Anleihen im Volumen von 85 Milliarden US-Dollar aufzukaufen. Ende Dezember verkündet Bernanke den allmählichen Einstieg in den Ausstieg aus diesem Programm.

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