BP muss für Ölkatastrophe zahlen: Fast 6 Milliarden Dollar Verlust

BP muss für Ölkatastrophe zahlen: Fast 6 Milliarden Dollar Verlust

Die Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko vor fünf Jahren kostete elf Arbeiter das Leben. BP muss für die Umweltkatastrophe mehr als 50 Milliarden Dollar zahlen.

Die Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" vor fünf Jahren kommt BP noch immer teuer zu stehen: Insgesamt 54,6 Milliarden Dollar kostete den Energie-Gigant der tragische Unfall, zuletzt zahlte der britische Konzern 19 Milliarden Dollar an die US-Regierung. Im zweiten Quartal verbucht BP eine Verlust von fast 6 Milliarden Dollar, der bereinigte Gewinn sank im Jahresvergleich von 3,6 auf 1,3 Milliarden Dollar.

Die Altlasten aus der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko vor fünf Jahren haben BP die Bilanz verhagelt. Die kürzlich erzielte Einigung auf eine Schadenersatzzahlung an die USA in Rekordhöhe brockte dem britischen Energiegiganten im zweiten Quartal eine Sonderbelastung von rund zehn Milliarden Dollar ein. Unter dem Strich stand im zweiten Quartal ein Verlust von 5,8 Milliarden Dollar (5,25 Milliarden Euro), nach einem Gewinn von 3,4 Milliarden Euro ein Jahr zuvor

Auch im laufenden Geschäft lief es für den Konzern wegen des niedrigen Ölpreises im zweiten Quartal nicht wirklich rund. Der bereinigte Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten sank im Jahresvergleich von 3,6 auf 1,3 Milliarden Dollar und damit stärker als von Analysten erwartet.

Probleme in Libyen und Russland

Das Umfeld bleibe herausfordernd, sagte BP-Chef Bob Dudley. So wurde der Konzerngewinn, der klar unter den Analystenerwartungen lag, auch von Problemen in Libyen belastet. Diese drückten das Ergebnis um 600 Millionen Dollar. Hier führte die angespannte Sicherheitslage zu Abschreibungen bei der Erkundung neuer Projekte. Auch die knapp 20-prozentige Beteiligung am russischen Konzern Rosneft steuerte wegen des Ölpreis-Verfalls und der starken Abwertung des Rubels weniger zum BP-Ergebnis ein.

Zur Beilegung jahrelanger Rechtsstreitigkeiten hatte BP sich Anfang des Monats zu einer Zahlung von knapp 19 Milliarden Dollar an die US-Regierung und fünf Bundesstaaten verpflichtet. Nun kam noch eine weitere Milliarde für lokale US-Behörden hinzu. Damit zahlte BP wegen der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im April 2010 nun insgesamt 54,6 Milliarden Dollar. Bei dem Unglück kamen elf Arbeiter ums Leben. Die anschließende Ölpest verursachte schwere Schäden in der Natur sowie für Fischerei und Tourismus.

Niedriger Ölpreis belastet

Auch der Einbruch des Ölpreises macht BP weiterhin zu schaffen. Zwar stabilisierte sich dieser zuletzt. Ein Barrel kostete aber mit im Schnitt 60 Dollar immer noch nur fast halb so viel wie vor einem Jahr. Dahinter steckt eine Überproduktion bei zugleich geringerer Nachfrage im Zuge einer schwächelnden Konjunktur in vielen Teilen der Welt. BP kündigte daher an, die Investitionen dieses Jahr weiter herunterzufahren.

Zuletzt belastete ein Anstieg der Bohrungen in den USA den Ölpreis. In der vierten Juliwoche wurden in den USA 19 neue Ölbohrungen aufgemacht - so viele wie zuletzt im April. Der Markt ist überschwemmt von Öl, das Angebot übersteige die Nachfrage derzeit um 2 Millionen Barrel pro Tag. Der Überschuss hat dem Handelsunternehmen PVM Oil Associates zufolge das höchste Niveau seit 1998 erreicht.

Gutes Geschäft mit Benzin und Diese

Ein Lichtblick für BP bot dagegen die anhaltende Erholung im Raffinerie-Geschäft. Bei der Herstellung von Benzin und Diesel sowie anderen Produkten aus Rohöl stieg der Gewinn um drei Viertel auf 1,6 Milliarden Dollar. Der Sparkurs mache sich bemerkbar, erklärte BP-Chef Bob Dudley. Hier wurden branchenweit mit der Schließung von Anlagen Überkapazitäten abgebaut.

Auch der norwegische Rivale Statoil profitierte von einem besser laufenden Raffinerie-Geschäft.Der operative Gewinn brach zwar um rund 30 Prozent auf umgerechnet 2,7 Milliarden Dollar ein. Anders als BP übertraf Statoil damit aber die Erwartungen. Im ersten Quartal war der Konzern noch überraschend in die Verlustzone gerutscht.

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