Primäre Aufgabe von Unternehmen bleibt, die Erwartungen der Shareholder zu erfüllen

Die Krise scheint überstanden, die Schuldigen sind benannt. Kaum ein Manager, der heute nicht von gesellschaftlicher Verantwortung und Nachhaltigkeit redet. Aber meinen sie das auch wirklich ernst?

Vater und Tochter im Wasser, beide kneifen die Augen zusammen, damit die Sonne nicht so blendet, beide lächeln. Ein durchschnittliches Urlaubsfoto, in diesem Fall aber eines mit Symbolkraft: Es zeigt den amerikanischen Präsidenten Barack Obama bei der Arbeit. Gemeinsam mit seiner Tochter war er in der Vorwoche an den Golf von Mexiko aufgebrochen und dort ins Wasser gehüpft. Die Bilder, die davon um die Welt gingen, sollten vor allem eines zeigen: Trotz der Ölkatastrophe ist der Golf sauber; wo sogar der US-Präsident schwimmt, können das auch die Touristen wieder tun. Und nebenbei zeigte das Bild noch etwas anderes: Dass Verantwortung manchmal auch Spaß machen kann. Obama hatte nach der bisher größten Ölkatastrophe der Geschichte die Krisenbewältigung zur Chefsache erklärt.

Mehr als 200 Anwälte arbeiten unterdessen an Klagen gegen den britischen Energiekonzern BP, der die Krise verursacht hat. Konzernchef Tony Hayward musste bereits den Hut nehmen, nachdem er zuvor vor allem Selbstmitleid gezeigt hatte. „Ich wünsche mir mein Leben zurück“, hatte er gesagt und damit bei den Fischern an der ölverseuchten Küste, die um die Grundlage ihrer Existenz gebracht worden waren, Empörung ausgelöst. An Hayward ist die Diskussion um das fehlende Verantwortungsbewusst von Unternehmen und ihren Managern ein weiteres Mal entflammt. Seit Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Fragen nach Verantwortung und Gerechtigkeit ein Dauerbrenner in Wirtschaft, Politik und Medien. Vor allem die Banken und Banker werden als gierige Verursacher der Krise und Profiteure von Notverstaatlichungen an den Pranger gestellt.

Die neue Nachhaltigkeit

Viel mehr ist bisher aber nicht passiert. Die globale Regelung des Finanzmarktes ist längst vom Tisch, die Aktienmärkte ziehen wieder stark an – geht das Spiel also von vorne los, ohne dass irgendjemand etwas aus der Krise gelernt hat? Oder hat doch die Gemeinnützigkeit der Gier den Rang abgelaufen und Verantwortungsbewusstsein die Maßlosigkeit ersetzt? Sind Manager und Banker vielleicht doch bessere Menschen geworden?

Ausgerechnet BP und Hayward hatten in den vergangenen Jahren versucht, sich als besonders verantwortungsvoll darzustellen. Ein grüner Energiekonzern wollte man werden, laut Eigen-PR „sauber“ und „jenseits vom Öl“. Bis das Rohr leckte und niemand die Gefahren gekannt haben wollte. Nachhaltigkeit, verantwortungsvolles Handeln gegenüber Mensch und Umwelt – auch BP-Schlagwörter – finden sich in immer mehr Geschäftsberichten, und auch dabei ist die Botschaft klar: Es geht nicht mehr um den Maximalgewinn, Unternehmen übernehmen gesellschaftliche Verantwortung.

„Für uns ist zum Beispiel die ressourcenschonende Produktion schon seit Jahrzehnten elementar“, sagt etwa Günter Thumser, Präsident von Henkel Central Eastern Europe. Aber auch bei anderen Unternehmen der Realwirtschaft beobachtet er seit der Krise einen Trend hin zu klareren Leitlinien und Grenzen. Ob die Versprechen eingehalten werden, sei für die Konsumenten nachprüfbar. „Diese Entwicklung ist kein Zufall“, sagt Thumser, „und stärkt das Vertrauen in die Realwirtschaft.“

Aber ist diese Nachhaltigkeit auch wirklich nachhaltig? „Manche Unternehmen meinen es damit bestimmt ernst“, sagt Herbert Matis, Wirtschaftshistoriker an der Wirtschaftsuniversität Wien, „bei anderen wird das aber wieder aufhören, sobald die Meute losrennt, um erneut kurzfristige Gewinne einzusammeln.“ Gerade das Bekenntnis zu sozialer Verantwortung sei durch die Krise aber definitiv interessanter geworden, so Matis. Weil Unternehmen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst wurden? „Weil sie bemerkt haben, dass es die zurzeit beste Reaktion auf veränderte Umstände ist, dass es einfach ankommt“, sagt der Philosoph Rudolf Burger.

Die primäre Aufgabe von Unternehmen bleibe es aber, die Erwartungen ihrer Shareholder zu erfüllen, sagt Burger. Das erfordere zwar ein Umdenken bezüglich der eingesetzten Mittel, nicht aber, wenn es um den Unternehmenszweck an sich geht. „Grundsätzlich etwas geändert hat sich durch die Krise nicht“, zerstreut er jede Hoffnung auf die heile und gerechte Welt im Wohlstand. Dass das kapitalistische System an sich krisenanfällig ist und nach größeren Veränderungen schreit, ist ohne Folgen verhallt. Warum? „Weil seit 1989 jegliche weltanschauliche Alternative fehlt“, analysiert Burger.

Schnelles Vergessen

WU-Professor Matis kennt noch einen weiteren Grund: „Wir neigen dazu, das Schlechte schnell wieder zu vergessen und uns vom schnellen Geld verführen zu lassen – vor allem, wenn man es ohne Arbeitseinsatz bekommt.“ Er ist daher skeptisch, was einen Wertewandel in der Finanzwelt betrifft. Da könne man noch so sehr über Unternehmertum sprechen, auf die Selbstbeschränkung von Spekulanten hoffen und an ihren Anstand appellieren – auch bei hohem gesellschaftlichem Druck wäre das reichlich naiv. Vor allem, solange die smarten Typen mit dem schnellen Erfolg als gesellschaftliches Ideal hofiert werden.

„Hier helfen nur klare Regeln“, sagt auch Ludwig Scharinger, Generaldirektor der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich, „manche lernen es nie.“ Scharinger fordert deshalb die Einführung einer internationalen Finanztransaktionssteuer und die Rückkehr zu alten Tugenden wie Bescheidenheit: „Was ein Banker alles nicht sein darf: eitel, gierig und maßlos.“

Alles Attribute, die zumindest an den Investmentbankern noch haften wie das BP-Öl an unzähligen von der Katastrophe betroffenen Tieren. Zurzeit sieht es nicht so aus, als könnte Obama das ändern.

– Martina Bachler

Link: Reformgespräche zum Thema "War die Krise denn etwa umsonst?"

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