Börsen strafen Tesco, Siemens, Sulzer und Air France

Börsen strafen Tesco, Siemens, Sulzer und Air France

Ein Fehler mit Folgen: Die Aktie des britischen Einzelhändlers Tesco ist am Montag von den Anlegern auf Talfahrt geschickt worden. Der bevorstehende Milliarden-Deal des US-Konzerns Dresser-Rand passt den Anlegern von Siemens und Sulzer nicht ins Konzept – für die einen ist der Deal zu teuer, für die anderen der Rückzug nicht akzeptabel. Alibaba-Eigentümer können erneut jubeln. Und bei Air France spitzt sich der Streik zu. Nokia feiert ein Comeback.

Wien. Börsenlogik hat mit Sprüchen „wie dem einen sein Leid, dem anderen seine Freud“ oft nur wenig zu tun. Zumindest nicht im Übernahme-Poker von Siemens und Sulzer um den US-Konzern Dresser-Rand (US2616081038). Siemens will für den US-Öl- und Gasförderausrüster Dresser-Rand rund sechs Milliarden Euro auf den Tisch blättern. Der Schweizer Technologiekonzern Sulzer, der ebenso den US-Konzern übernehmen wollte, gibt w.o. Die Aktionäre haben reagieren nicht mit Vertrauen: Siemens und Sulzer müssen Kursverluste hinnehmen. Die Siemens-Aktie (DE0007236101) notiert um fast ein Prozent schwächer als zum Schlusskurs am Freitag. Aber auch Sulzer-Anleger reagierten verschnupft. Die Sulzer-Papiere (XC0009677409) verloren am Montag 4,1 Prozent auf 124,80 Franken, nachdem das Unternehmen den Abbruch der Verhandlungen mit den US-Amerikanern bekanntgegeben hat und somit Siemens den Weg frei gemacht hat. Neben den beiden Konzern galt auch General Electric (US3696041033) als verheißungsvoller Interessent für Dresser-Rand. Die Papiere von Dressar-Rand konnten hingegen am Freitag schon um 9,42 Prozent auf 79,91 Dollar zulegen.

Teurer Mega-Deal

„Für einige Investoren ist das erst einmal nur eine Übernahme, die viel Geld kostet", sagte ein Händler. "Fast acht Milliarden Dollar ist schon eine Hausnummer." Gleichzeitig verkauft Siemens seinen Anteil an dem Hausgeräte-Unternehmen BSH (Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH) – einem Joint Venture das mit Bosch 1967 gegründet wurde. Das hochprofitable Unternehmen gehört künftig Bosch als Alleineigentümer. Siemens erhält für den Verkauf seines 50-prozentigen Anteil rund drei Milliarden Euro plus eine Gewinnausschüttung in der Höhe von 250 Millionen Euro. BSH hatte zuletzt weltweit in 42 Fabriken produziert und mit 49.900 Mitarbeitern einen Umsatz von 10,5 Milliarden Euro erzielt.

Irrtum mit Folgen

Mehr Logik steckt allerdings hinter der Talfahrt der Tesco-Aktie (GB0008847096). Offenbar hat man sich mit den Grundrechenarten etwas verhoben. Krass reagieren nun die Anleger – die Aktie notierte am Montag bereits mit rund elf Prozent im Minus. Gegen Mittag waren es immerhin noch gut acht Prozent Abschlag.

Der größte britische Einzelhändler Tesco hat wegen Fehlern in seiner Bilanz erneut die Gewinnerwartungen zurückgeschraubt. Der Gewinn im ersten Halbjahr werde voraussichtlich um 250 Millionen Pfund (knapp 320 Millionen Euro) geringer ausfallen, teilte der Aldi - und Lidl - Konkurrent am Montag mit. Zwölf Prozent Minus heißt das für den Aktienkurs am Montag. Tesco hat bereits zum dritten Mal in diesem Jahr seine Prognose revidiert. Und dieses Mal fällt die Begründung recht deftig aus: Tesco räumte ein, bei einer Gewinnwarnung am 29. August von falschen Daten ausgegangen zu sein.

Alibaba sammelt weiter Geld ein

Die mit dem IPO am Freitag begonnene Börsenjagd von Alibaba ist offenbar noch nicht zu Ende. Die Emissionsbanken haben von ihrem Recht Gebrauch gemacht, noch weiter Aktien zu erwerben. Unterm Strich bedeutet das nochmals rund drei Milliarden Dollar ins Füllhorn des chinesischen Online-Händlers Alibaba (US01609W1027). Mit 25 Milliarden Dollar Gesamtvolumen ist Alibaba somit der weltweit größte Börsegang aller Zeiten.

Philips gibt Leuchten ab

Der Aktien des holländischen Leuchtenkonzern Philips (NL0000009538) gaben an der Börse in Amsterdam 0,44 Prozent ab. Der Elektronikkonzern will laut einem Zeitungsbericht den geplanten Teilverkauf der Autoleuchten- und LED-Sparte Lumileds in diesen Tagen starten. Dabei wollen die Niederländer einen 40-prozentigen Anteil an dem Geschäft behalten, berichtete die niederländische Tageszeitung "De Telegraaf". Der Rest solle an private Investoren gehen - der Wert des Konzernteils werde auf rund 2 Milliarden Euro geschätzt.

Streik kostet

Die Air France (FR0000031122) kommt in der zweiten Streikwoche nicht zur Ruhe. Der Streik schlägt auf das Gemüt der Anleger – mit einem M inus von 2 Prozent. Nun hat Frankreichs Regierung vor schwerwiegenden Konsequenzen für die Fluggesellschaft gewarnt. Sollten sich Unternehmen und Beschäftigte nicht einigen, könne "das Schicksal des Unternehmens auf dem Spiel stehen", sagte Verkehrsstaatssekretär Alain Vidalies am Sonntag. Im Streit um den Ausbau einer Billigflugtochter hatten die Mitglieder der größten Air-France-Pilotengewerkschaft zuvor für eine Fortsetzung des Arbeitskampfs gestimmt.

Zurück im im Euro-Stoxx

Nokia, einst Weltmarktführer bei Handys, feiert sein Comeback: Ab heute werden die Aktien des nunmehr als Telekomausrüster tätigen finnischen Konzerns wieder im Euro-Stoxx-50 aufgenommen. Der Nokia-Aktie (US6549022043) hat dies am Montag zunächst einen negativen Effekt beschert - mit minus 0,51 Prozent wurde die Aktie tiefer notiert. Für Nokia muss der irische Baustoffe-Hersteller CRH den Platz im Euro-Stoxx-50 räumen.

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