Börsen im freien Fall

Die Entwicklung des Dax ist ein Drama. Alleine vom 15. auf den 16. Oktober stürzte der Index um 5,1 Prozent ab, seit Juli um 16 Prozent. Die Linie geht fast senkrecht nach unten. Der DAX ist auf dem tiefsten Stand seit über einem Jahr angelangt. Auch das US-Börsenbarometer S&P 500 ist im freien Fall. Dort gab die Börse in nur wenigen Tagen um mehr als fünf Prozent nach, seit Mitte September um 7,5 Prozent. Wann die Börsen einen Boden finden, wagen Experten derzeit nicht zu prognostizieren.

Börsen im freien Fall

Börsianer zittern: Die Hausse an den internationalen Börsen ist vorüber, die Kurse rasseln in den Keller. Exemplarisch dafür ist Entwicklung an der Frankfurter Börse und die des S&P 500. Der DAX hat seit Juli 16 Prozent an Wert verloren und ist auf dem tiefsten Stand seit einem Jahr angelangt. Der S&P 500 hat seit Mitte September 7,5 Prozent seines Werts eingebüßt.

Der Grund für die Panik: Die USA, in die so viele Anleger ihre Hoffnung für einen Wirtschaftsaufschwung gesetzt haben, enttäuschten am Mittwoch die Daten für die Einzelhandels. So haben sich die Einzelhandelsumsätze im September schlechter als erwartet entwickelt. Der erste Rückgang seit Januar. Volkswirte sprachen zwar dennoch von einem insgesamt weiter positiven Trend im US-Einzelhandel. "Offenbar befürchten viele Marktteilnehmer den Anfang eines Konjunktureinbruchs und so fallen die Marktreaktionen eindeutig aus", kommentierte Experte Bernd Krampen von der NordLB. Die Finanzmärkte reagierten aber trotzdem mit starken Kursverlusten.

Quartalsbilanzen des Schreckens

Ernüchternd war auch, dass die erneut positiv erwarteten US-Quartalsbilanzen für das dritte Quartal bislang alles andere als positiv sind. In weiterer Folge ging bei den Anlegern die Furcht vor einer deutlichen Abkühlung der Weltkonjunktur um. Der Ausverkauf war so heftig, dass etwa der Dax unter die psychologisch wichtige Marke von 8.400 Punkte rutschte. Vor allem die Angst vor einer deutlichen Abschwächung der Konjunktur in der Euro-Zone hat die Investoren verschreckt. Der EuroStoxx50 brach zeitweise um 3,6 Prozent ein und notierte wie der Dax auf dem niedrigsten Stand seit September 2013.Aktienmarkt-Experte Robert Halver von der Baader Bank. Auch an den Börsen in Paris, Mailand und Lissabon gaben die Aktienindizes um mehr als drei Prozent nach. "Anleger befürchteten, dass die Euro-Zone in die Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, rutscht". "Die Nervosität ist groß", resümierte ein deutscher Händler.

Dies trieb die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Anleger messen, zeitweise mehr als 25 Prozent in die Höhe. Mit 33,45 und 36 Punkten notierten beide so hoch wie zuletzt im Sommer 2012.

Die ultralockere Geldpolitik der Notenbanken hatte den Märkten bis vor einigen Monaten immer wider neue Höchststände beschert. Zuletzt mehrten sich allerdings Sorgen, dass vor allem der Konjunktur in der Euro-Zone eine neue Schwächephase droht.

Unter Druck standen auch griechische Anleihenpapiere. Investoren zweifeln zunehmend daran, dass Griechenland sich am Markt refinanzieren kann, wenn es vorzeitig auf den internationalen Rettungsschirm verzichtet. Der einstige Pleitekandidat will sich im kommenden Jahr mehrfach an den Finanzmarkt wagen, um so aus dem seit 2010 laufenden Rettungsprogramm von Internationalem Währungsfonds und Europäischer Union aussteigen zu können. Anleger fürchten zudem eine neue Phase politischer Unsicherheit, falls es im nächsten Jahr Neuwahlen in Griechenland geben sollte. Die Anleihenrendite der Papiere kletterte um mehr als einen Prozentpunkt auf über neun Prozent.