Nach der Bilanz: So sieht die Zukunft von Apple aus

Nach der Bilanz: So sieht die Zukunft von Apple aus

Tim Cook, einsam im Rampenlicht. Kann er den innovativen Kurs von Steve Jobs fortsetzen?

Die Apple Watch ist bloß ein Nischenprodukt, der Fokus liegt weiterhin auf dem iPhone - und dieses dürfte im September eine Neuauflage erleben. Außerdem hat CEO Tim Cook große Pläne für das Reich der Mitte. Eine Analyse.

Nach der Verkündung der jüngsten Quartalsergebnisse am Dienstagabend sind die Aktien von Apple, dem wertvollsten Unternehmen der Welt mit einer Marktkapitalisierung von 785,98 Milliarden Dollar, auf dem Nebenschauplatz Frankfurt ebenso gefallen wie in den USA: Bis 8:49 Uhr morgens fielen die Aktien in Deutschland um sechs Prozent auf 123,31 Dollar; in New York ging es nachbörslich um ein Prozent auf 130,75 Dollar bergab. So viel hatte die Aktie nach einer Quartalsbilanz zuletzt im Jänner 2013 verloren – damals waren Marktbeobachter skeptisch, ob Tim Cook den innovativen Kurs seines Vorgängers, Steve Jobs, fortsetzen könnte.

Cook hat in der Zwischenzeit das Vertrauen vieler Kunden und Investoren gewonnen; und die oberflächlichen Zahlen zeigen, dass sich das Unternehmen auch in der jüngsten Vergangenheit prächtig entwickelt hat: Der Umsatz kletterte im Quartal im Vergleich zur Vorjahresperiode um knapp ein Drittel auf 49,61 Milliarden Dollar, der Überschuss sogar um 38 Prozent auf 10,68 Milliarden Dollar. Warum also sind die Aktionäre nicht zufrieden?

Überzogene Erwartungen

Eine Ursache ist, dass Apple seine Prognose gestutzt hat: Die Erlöse für das laufende Quartal sollen sich auf 49 bis 51 Milliarden Dollar summieren – Analysten hatten zuletzt mit etwas mehr als 51 Milliarden Dollar gerechnet; manche Aktionäre haben daher verkauft.

Enttäuschend war ebenso der Absatz des iPhones, welches mit 31,37 Milliarden Dollar den Löwenanteil des Umsatzes beisteuert. Apple setzte im abgelaufenen Quartal 47,5 Millionen iPhones ab. Das sind zwar 35 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, aber 22 Prozent weniger als in den ersten drei Monaten 2015. Einige Analysten hatten 49 Millionen verkaufte Smartphones erwartet.

Das iPad trägt mit nur 4,54 Milliarden Dollar deutlich weniger zum Umsatz bei als das erfolgreichste Smartphone der Welt; außerdem ist der Tablet-PC aus dem Hause Apple auf dem absteigenden Ast: Im Vergleich zum vorherigen Quartal gab der Umsatz um 16 Prozent nach, im Vergleich zum Vorjahr brach er gar um 23 Prozent ein. Hier kämpft Apple mit der Konkurrenz aus Tablets, die auf Googles Betriebssystem Android laufen, von verschiedenen Hardware-Herstellern kommen und eine große Bandbreite an Kunden abdecken können – sowohl in Hinblick auf die Funktionen der Geräte, als auch auf ihren Verkaufspreis.

Weiterhin ein Nischenprodukt bleibt außerdem der Mac, dessen Umsatz zwar im Quartalsvergleich um sieben und im Jahresvergleich um neun Prozent zulegte, mit 6,03 Milliarden Dollar aber einen ähnlich kleinen Beitrag zum Gesamtergebnis liefert wie das iPad. Im Segment der Desktop-PCs und Laptops ist Microsoft Windows nach wie vor der Platzhirsch – und daran wird sich auch in Zukunft wenig ändern.

Mehr als 1,9 Millionen Apple Watches verkauft

Der Absatz der iPads ist also rückläufig, die Macs stagnieren nahezu auf einem niedrigen Niveau – und es gibt keine Garantie, dass das iPhone auch weiterhin ein Verkaufshit bleibt. Daher versucht Apple, neue Produktkategorien für seine Kunden zu erschließen; zugleich ist das eine Probe für Tim Cook ist, dem bei Besteigen des kalifornischen Throns mangelnde Innovationskraft unterstellt wurde. Die Rede ist hier von der Apple Watch – die oft fälschlicherweise als „iWatch“ bezeichnet wird, weshalb derzeit eine markenrechtliche Klage läuft.

Zahlen zu Apple neuer Smartwatch waren mit Spannung erwartet worden, allerdings weist Apple diese nicht gesondert aus – die Apple Watch findet sich gemeinsam mit dem iPod, den Beats-Produkten, dem Apple TV und Zubehör in der Kategorie „Andere Produkte“. Der Umsatz dieser Kategorie ist im vergangenen Quartal um 950 Millionen Dollar gegenüber dem Vorquartal gestiegen; geht man davon aus, dass mindestens 100 Prozent dieses Wachstums von der Apple Watch rührt und die Uhren durchschnittlich für 499 Dollar verkauft wurden, so kann daraus geschlossen werden, dass mehr als 1,9 Millionen Smartwatches verkauft wurden.

Damit hätte sich die Apple Watch besser verkauft als das erste iPhone nach seiner Premiere im Juni 2007 – von ihm wurden in seinem ersten Quartal 1,39 Millionen Stück verkauft; das erste iPad, das im April 2010 in die Läden kam, verkaufte sich mit 3,27 Millionen Stück in seinem ersten Quartal allerdings deutlich besser. Cook selbst warnt allerdings vor derartigen Berechnungen: Denn die Entwicklung der Kategorie hänge eben nicht nur von der Apple Watch ab, sondern auch von anderen Produkten – und der Absatz des iPod, der als mp3-Player einst den Musikkonsum revolutionierte, ist seit Jahren rückläufig. Musik hören die Kunden heutzutage auf dem Smartphone, mp3-Player sind dadurch obsolet.

Krieg an mehreren Fronten

Die Geheimniskrämerei von Apple ist marktbekannt; und wenn zur Apple Watch keine konkreten Zahlen veröffentlicht werden, dann legt dies die Vermutung nahe, dass man vom Absatz enttäuscht wurde – auch wenn Tim Cook nicht müde wird, zu betonen, dass sich das Produkt gut verkaufe. Apple führt hier einen Krieg an mehreren Fronten: Erstens muss der Kunde überzeugt werden, dass er dieses Produkt überhaupt haben möchte – die Redaktion von format.at hat sich etwa diesbezüglich bereits kritisch geäußert.

Zweitens schläft die Konkurrenz nicht: Größen wie Samsung und LG haben ebenfalls smarte Armbanduhren im Angebot, die auf Googles Betriebssystem Android laufen – und dieses hat den Vorteil, mit den entsprechenden Android-Smartphones kompatibel zu sein. Mit 78 Prozent ist Android der unangefochtene Spitzenreiter im Smartphone-Segment.

Neues iPhone im September

Dennoch warnen Experten davor, die Apple Watch vorzeitig abzuschreiben. Neue Apps könnten das Produkt etwa noch attraktiver machen; Entwickler haben gerade erst damit begonnen, die entsprechenden Möglichkeiten zu entdecken. Und dann gibt es freilich noch das Weihnachtsgeschäft – bei dem sich so manche Armbanduhr unter dem Christbaum finden könnte.

Pünktlich für dieses wichtige Quartal wird Apple auch sein nächstes Ass aus dem Smartphone ziehen: Das nächste iPhone wird wohl im September präsentiert und die Fans erneut begeistern – Insidern zufolge wird es über ähnliche Funktionen wie der Vorgänger verfügen, aber auch Features aus anderen Produktkategorien übernehmen. Im Weihnachtsquartal 2014 hatte Apple 74,5 Millionen iPhones verkauft – ein Allzeit-Rekord. Laut Cook sind 73 Prozent der bestehenden iPhone-Kunden noch nicht auf das jüngste Produkt umgestiegen; Chance für Wachstum gibt es hier also definitiv.

Analysten sagen: Kaufen

Neue Funktionen für die Apple Watch könnten dem Produkt also noch Aufwind geben – wenn auch weiterhin als Nischenprodukt; außerdem hängt ein neues iPhone in der Pipeline. Das größte Wachstumspotenzial besteht für Apple aber nicht auf Produktebene, sondern in der Erschließung neuer Märkte: In China hat Apple seinen Umsatz im Jahresvergleich auf 13,2 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt; Cook erwartet, dass China nun der größte Markt für Apple wird und will daher bis Mitte 2016 die Anzahl der Geschäfte im Reich der Mitte mehr als verdoppeln.

Auswirkungen könnte dies in Zukunft auch auf die Performance in den einzelnen Quartalen haben; denn während im Westen das Weihnachtsquartal das wichtigste ist, feiert China sein Neujahrsfest im Februar – und das Volk ist dementsprechend konsumfreudig.

Vor allem das Wachstum in China dürfte wohl auch der Grund für die positiven Prognosen der Analysten sein: 40 empfehlen die Apple-Aktie zum Kauf, 13 zum Halten und nur zwei zum Verkaufen. Den Zielkurs sehen sie im Durchschnitt bei 149,13 Dollar – was einem Ertragspotenzial von 14,1 Prozent entspricht. Seit Jahresbeginn hat der Wert der Aktie bereits um 18,45 Prozent zugelegt.

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