Zinswende in den USA: Wie würden die Märkte reagieren?

Zinswende in den USA: Wie würden die Märkte reagieren?

Eine spätere US-Zinswende sollte die Gold -Kurse kurzfristig nach oben treiben.

Die US-Notenbank Fed knüpft eine mögliche Zinserhöhung an die Entwicklung der Konjunktur - und hier gab es zuletzt einen Dämpfer durch den enttäuschenden Arbeitsmarktbericht. Doch wie würden Europas Börsen, der Euro und de rGoldpreis eigentlich reagieren, wenn die US-Zinsen steigen? Ein Überblick.

Anleger treibt derzeit vor allem eine Frage um: Wann erhöht die US-Notenbank Fed die ultraniedrigen Zinsen? Viele Börsianer rechneten bislang im Sommer mit einem ersten Schritt. Es wäre die erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren. Der zuletzt überraschend schwach ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht nährte jedoch Zweifel am Zeitplan. Die Fed macht eine Zinserhöhung vor allem von einer nachhaltigen Erholung der US-Wirtschaft abhängig.

Es folgt ein Überblick über die wahrscheinlichen Markt-Reaktionen, sollte die Zinswende in den USA später als erwartet eingeleitet werden.

KURZER DÄMPFER FÜR DEN DAX

Verschiebt die US-Notenbank die Zinswende, könnte das der Dax-Rally zumindest kurzfristig einen Dämpfer verpassen, prognostiziert Andreas Paciorek, Analyst bei CMC Markets. "Vor allem, wenn die spätere Zinswende mit schlechten US-Konjunkturdaten begründet wird." Die Aussicht auf eine schwächelnde amerikanische Wirtschaft könnte die Wall Street und in der Folge auch den deutschen Aktienmarkt belasten. Der Experte hält einen Rutsch des Dax bis auf 11.600 Punkte für denkbar - derzeit pendelt der Leitindex um die Marke von 12.000 Zählern. Grundsätzlich sieht Paciorek den Dax aber durch den schwächeren Euro gut abgesichert.

Der deutsche Leitindex gilt als Profiteur der anhaltenden Euro-Schwäche, da ein niedriger Euro-Kurs die Geschäfte der deutschen Exportindustrie ankurbelt. Seit Jahresbeginn hat der Dax, der zuletzt von einem Rekord zum nächsten eilte, mehr als 20 Prozent gewonnen. Aus Sicht von Commerzbank-Analyst Thorsten Grisse dürfte auch die Aufwertung des Euro im Falle einer späteren US-Zinserhöhung dem Leitindex keine größeren Probleme bereiten. Die Gemeinschaftswährung sei so stark gefallen, dass die Unternehmen selbst bei einem wieder festeren Euro noch immer einen guten Puffer zu den Euro-Prognosen hätten, mit denen sie selbst kalkulierten. "Insofern sind die Erwartungen für die Ergebnisse europäischer Konzerne weiter sehr vielversprechend."

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EURO KÖNNTE PROFITIEREN - ABER VERMUTLICH NUR KURZFRISTIG

Bei einer späteren Zinserhöhung in den USA wird der Dollar erst einmal das Nachsehen haben. Der Euro könnte bis auf 1,13 Dollar zulegen, erklärt Analyst Sebastian Sachs von der Metzler Bank. Derzeit notiert er bei rund 1,0750 Dollar. Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann hält vor allem Tempo und Ausmaß der US-Zinswende für die Kursentwicklung beim Dollar entscheidend. "Der Zeitpunkt der Zinserhöhung ist nicht so wichtig, wie die Frage, in welchen Schritten und bis wohin die Fed die Zinsen erhöht." Eine hohe Verzinsung macht die US-Währung für Investoren attraktiver.

Sollte die Fed vorerst ganz auf die Zinswende verzichten, könnte der Euro Leuchtmann zufolge bis auf 1,20 oder 1,30 Dollar klettern. Aufgrund der ultralockeren Geldpolitik in der Euro-Zone sei es allerdings unwahrscheinlich, dass die Gemeinschaftswährung dann ihr Hoch vom Mai 2014 von knapp 1,40 Dollar erreiche.

Die EZB will bis September 2016 monatlich für 60 Milliarden Euro Wertpapiere kaufen. Dagegen hat die Fed die Notenpresse schon im vorigen Jahr gestoppt. Dies hat den Dollar seit Mai 2014 in der Spitze über 20 Prozent in die Höhe katapultiert.

GOLDPREIS IM AUFWIND

Eine spätere US-Zinswende sollte die Gold -Kurse kurzfristig nach oben treiben, denn Investoren dürften sich das Edelmetall zur Absicherung gegen Inflationsgefahren ins Depot legen. Zudem macht eine fallende US-Währung das gelbe Metall für Anleger aus dem Nicht-Dollar-Raum günstiger. Denn Gold wird an den internationalen Rohstoffmärkten in Dollar gehandelt.

Derzeit liegt der Preis für das Edelmetall bei rund 1200 Dollar je Feinunze. Im September 2011 - auf dem Höhepunkt der Finanz- und Euro-Schuldenkrisen - hatte die Feinunze mit 1920,30 Dollar ein Rekordhoch aufgestellt.

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