Janet Yellen - was nun?

Janet Yellen - was nun?

Keep smiling, statt Pokerface: Fed-Chefin Janet Yellen hat eine Botschaft parat, die Spekulanten nicht gerne hören.

Die Chefin der US-Notenbank mischt den Aktienmarkt auf. In einer Rede spricht sie von zu hohen Aktienkursen, was den Börsen gar nicht passt. Spekulanten wollen lieber hören, wann die Fed ihre Zinspolitik ändern wird.

Abseits ihres Hauses, der Ferderal Reserve Bank in Washington, pflegt die US-Notenbankchefin Janet Yellen offenbar ein wenig aufzutauen, wenn es um die Beurteilung der Märkte geht. Die Fed-Chefin lässt nun aufhorchen mit der Aussage, dass die Aktienbewertungen "allgemein ziemlich hoch" seien. Und damit nicht genug, sie erklärt auch genau, was sie konkret damit meint: Das könnte "potenzielle Gefahren" nach sich ziehen. Aber, nun die Einschränkung: Die Risiken seien nach Ansicht Yellens eher moderat. Für eine Finanzblase seien noch keine Anzeichen erkennbar.

Und noch eine Äußerung erreicht die Finanz-Community: Die anhaltende Niedrig-Zinspolitik zeitigt eventuell Nachteile. Vor allem Banken und Versicherungen geraten unter Druck.

Dass die "Politik des superbilligen Geldes" an dieser Entwicklung und Verunsicherung der Märkte einen Beitrag geliefert haben könnte, sieht Yellen freilich anders. Yellen verteidigt die Maßnahmen, die seit dem Jahr 2006 den Zins niedrig hält. Die extrem niedrigen Zinsen hätten in den vergangenen Jahren die Konjunktur sowie den Jobmarkt in den USA unterstützt. Und offenbar ist eine Zinswende wieder einmal nicht in Sicht.

Die Börsen verlieren

Nach der Aussage Yellens gingen gestern Abend in den USA die wichtigsten Börsenindices ins Minus - der Dow Jones verlor zeitweise gleich rund zwei Prozent. Und auch in Europa sind die Märkte laut Händler unter dem Eindruck der Yellen-Botschaft im Minus. Anleger gefällt offenbar nicht, dass Yellen die Aktien als überbewertet einstuft.

Gesagt hat Yellen dies anlässlich einer Veranstaltung beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington, also außerhalb ihres Fed-Refugiums. Fragestellerin war keine geringere als IWF-Chefin Christine Lagarde. Und nicht nur dort, sondern egal wo Yellen sich äußert, wird ihr die Botschaft buchstäblich von den Lippen abgelesen. Im März wurde aus dem Fed-Kommuniqué das Wort "geduldig" gestrichen, was die Finanzwirtschaft als klares Anzeichen für eine baldigen Zinswende interpretiert haben. Für Juni oder erst September wurde seither mit einer Zinserhöhung gerechnet.

Yellen gab nun einmal mehr keine Hinweise dafür, wann die Fed eine vorsichtige Abkehr von den Niedrigstzinsen einleiten könnte. Seit Beginn der Finanzkrise 2008 hält die Fed die Zinsen zwischen Null und 0,25 Prozent so niedrig wie nie zuvor. Im November hatte Yellen erstmals verschlüsselt angekündigt, dass eine Zinserhöhung im Jahr 2015 anstehen könnte.

Nach der gestrigen Aussage ist die Finanzcommunity einmal mehr überrascht - und ein wenig irritiert. Ex.Fed-Chef Alan Greenspan hatte einst 1996 Aktienkurse für überteuert erklärt. Genau zu der Zeit, wo vor allem New-Economy-Werte rasant zugelegt hatten. Und erste Anzeichen für eine Bubble erkennbar waren. Drei Jahre platzte die Dtocom-Bubble. Greenspan hatte laut Experte damals zu wenig vor den Gefahren gewarnt.

Börse

Schwache Dividendenrendite bei Österreichs Börsecompanys

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt