Bauchfleck für Yahoo: Gewinn bricht um 93 Prozent ein

Bauchfleck für Yahoo: Gewinn bricht um 93 Prozent ein

Yahoo-Chefin Marissa Mayer

Vor drei Jahren ist Marissa Mayer angetreten, um den angeschlagenen Internetkonzern als Chefin wieder zu alter Größe zu führen. Mayer hat einen radikalen Umbau eingeleitet, der nun einen dramatischen Gewinneinbruch zur Folge hat. Jetzt wird überlegt, das Familiensilber zu verkaufen.

Der US-Internetkonzern Yahoo (ISIN US9843321061) ist weiter auf der Suche nach sich selbst. Im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres hat das Unternehmen, das in der Zeit vor Google das Geschäft mit der Internetsuche, Webmails und vielem mehr beherrschte, bei dieser Suche einen herben Dämpfer erlitten. Der Gewinn brach von Jänner bis März um 93 Prozent, von 312 Millionen Dollar auf 21 Millionen Dollar ein.

Die vor drei Jahren mit vielen Vorschusslorbeeren als Saniererin angetretene Marissa Mayer kommentierte die Geschäftszahlen mit dem Statement "Yahoo ist mitten in einem mehrjährigen Umbau, um als Unternehmen wieder eine Ikone zu werden." Doch es ist eine Crux mit Ikonen: Sie glänzen zwar prächtig und werden von vielen geschätzt, passen jedoch nicht mehr ganz in unsere Zeit. Mit positiven Nachrichten aus dem eigenen Geschäft konnte Mayer wie schon seit mehreren Quartalen nicht dienen.

Mayer kündigte nun sogar an, Berater würden alle Optionen für die 35-Prozent-Beteiligung an Yahoo Japan prüfen. Das würde dem Unternehmen viel Geld einbringen. Der Anteil könnte vor Steuern fast neun Milliarden Dollar wert sein. Es wäre allerdings ein absoluter Bruch mit der eigenen Vergangenheit. In etwa gleichzusetzen damit, wenn die Queen einen Teil ihrer Kronjuwelen versteigern würde. Unvorstellbar. Es ist der nächste Versuch, die Kassen zu füllen. Erst zu Jahresbeginn hatte das seit langem schwächelnde Unternehmen mitgeteilt, sein milliardenschweres Paket am chinesischen Online-Händler Alibaba auszugliedern und an die Börse zu bringen. Yahoo hält 15 Prozent an Alibaba. Die Papiere haben einen Wert von 40 Milliarden Dollar.

Vom Pionier zum Übernahmekandidat

Der Internet-Pionier, dessen Suchmaschine in den USA lange die Nummer eins auf den meisten Computern war, leidet unter der Dominanz von Google und Facebook. Trotz vieler Zukäufe sowie neuer Produkte und Partnerschaften gelingt es Yahoo bisher nicht, das Ruder herumzureißen. Deswegen wird das Unternehmen schon als Übernahmekandidat gehandelt. Analysten sehen teilweise bereits schwarz: "Es wird keine Kehrtwende geben, außer sie kaufen etwas ein", sagte Brian Wieser vom Analysehaus Pivotal.

Mit den bisherigen Zukäufen ist das nicht gelungen. Die milliardenschwere Übernahme der Blogger-Plattform Tumblr im Mai 2013 (1,1 Milliarden Dollar) hat sich bisher ebenso wenig gerechnet wie der jüngste Deal mit Firefox, Yahoo in den USA im Browser als bevorzugte Suchmaschine einzustellen.

An der Börse machte die Yahoo-Aktie nach Bekanntgabe der Quartalszahlen dennoch einen Sprung nach oben. Offenbar wird bereits damit spekuliert, dass dem Unternehmen bald keine andere Wahl mehr bleibt, als das Familiensilber - die Beteiligungen an Yahoo Japan und an Alibaba zu verkaufen. Die Kopfgeldjäger sind schon bereit, ihre Prämien zu kassieren. Tot oder lebendig.

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