Vorschau: SAP-Gewinn steigt trotz Ausbau der Cloud

Vorschau: SAP-Gewinn steigt trotz Ausbau der Cloud

SAP-Chef Bill McDermott gibt am 22. Jänner einen Ausblick auf das laufende Jahr.

Der Ausbau auf das Geschäft mit Cloud Computing hinterlässt beim deutschen Software-Konzern SAP offenbar weniger Bremsspuren als erwartet. Hilfreich ist unter anderem der schwache Euro.

Der Softwarekonzern SAP (ISIN: DE0007164600) hat die Umstellung auf das zukunftsträchtige, aber zunächst kaum profitable Geschäft mit Cloud-Software im vergangenen Jahr voraussichtlich ohne Gewinneinbußen gemeistert. Auch wenn die vorläufigen Geschäftszahlen erst für den 22. Jänner angekündigt sind, rechnen Analysten schon in der kommenden Woche mit einer Vorabveröffentlichung - so war es fast in jedem Jahr seit der Jahrtausendwende. Beim Cloud-Geschäft beziehen Kunden Software aus dem Internet, wo sie von externen Computern den Nutzern zur Verfügung gestellt wird.

Von Reuters befragte Analysten prognostizierten am Freitag einen um Sondereinflüsse bereinigten operativen Gewinn von 6,3 Milliarden Euro - ein Anstieg um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Euro-Schwäche könnte dazu rund 400 Millionen Euro beigesteuert haben. Währungsbereinigt hätte der Walldorfer Anbieter von Software zur Unternehmenssteuerung damit 5,9 Milliarden Euro verdient und das obere Ende seiner eigenen Zielspanne getroffen. Der SAP-Rivale Oracle (ISIN: US68389X1054) hat dagegen mit Umsatz- und Gewinnschwund im traditionellen Lizenzgeschäft zu kämpfen. Für das zweite Quartal hatte der US-Konzern Mitte Dezember einen Rückgang des Ergebnisses um zwölf Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar bekannt gegeben.

Der Ausbau des Geschäfts mit Cloud-Software, bei der sich der Gewinn anders als im traditionellen Lizenzgeschäft auf mehrere Jahre verteilt, hinterlässt bei SAP damit weniger starke Bremsspuren als viele Experten befürchtet hatten. Die Sorge war groß, die vergleichsweise billigeren Cloud-Angebote könnten das Lizenzgeschäft einbrechen und das Gewinnwachstum erlahmen lassen. Davon ist nun nicht mehr die Rede. Die Angst um die Lizenzen verschwinde, heißt es etwa in einer Analyse der Schweizer Großbank UBS. Analyst Michael Briest: "Wenn die Lizenzen sich auch im vierten Quartal besser als erwartet entwickeln und 2016 stabil bleiben, geht es weiter aufwärts."

Neues Flaggschiff für gewaltige Datenmengen

Ihre Zuversicht begründen die Experten mit dem neuen Flaggschiff-Produkt S/4 Hana. Die neue Plattform für Firmensoftware, die gigantische Datenmengen in Echtzeit verarbeiten kann, soll Unternehmen einfachere und schnellere digitale Prozesse ermöglichen. Die erste Version im Februar ging mit Software für die Finanzabteilungen an den Start. Im November kamen Programme zu Personalmanagement, Einkauf, Marketing und anderen Geschäftsbereichen hinzu. Die SAP-Stammkunden werden nach Einschätzung von Knut Woller, Analyst von der Baader Bank, dank der nun breiten Palette von Funktionen zunehmend auf das neue Softwarepaket umstellen: "Das verheißt einen weiteren erfolgreichen Plattform-Zyklus."

Seit Einführung des ersten Softwarepakets R/1 nach der Firmengründung 1972 wäre es das sechste Hauptprodukt, von dem SAP im Schnitt sieben Jahre zehrt. Da S/4 Hana zugleich als Lizenz- und als Abonnements-Software aus der Cloud angeboten wird, erwartet UBS-Analyst Briest, dass es auf längere Sicht zumindest den Rückgang bei Lizenzen dämpfen wird.

Einen Ausblick auf das laufende Jahr und die mittelfristigen Ziele wird SAP-Chef Bill McDermott am 22. Januar geben. Vor einem Jahr ernüchterte SAP die Investoren mit einer geringeren Renditeaussicht von rund 32 Prozent operativem Gewinn vom Umsatz im Jahr, nachdem zuvor 35 Prozent die Zielmarke waren. Gregory Ramirez vom Investmenthaus Bryan, Garnier & Co geht nicht davon aus, dass McDermott die Latte höher legen wird. SAP habe seine Lehren aus der Umstellung auf Cloud-Angebote und die damit verbundenen gravierenden Veränderungen des Geschäftsmodells gezogen. "Das Unternehmen gewinnt nach unserer Ansicht an Glaubwürdigkeit."

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