Vorschau: Griechenland könnte die Börsen bremsen

Vorschau: Griechenland könnte die Börsen bremsen

Alexis Tsipras könnte kommende Woche an den Börsen für Turbulenzen sorgen.

Nach den Höhenflügen der jüngsten Vergangenheit könnte das griechische Wahlergebnis kommende Woche Ernüchterung bringen. Langfristig sind Analysten aber weiterhin zuversichtlich.

Ein Sieg der Reformgegner bei den griechischen Parlamentswahlen könnte der Euphorie der Aktienanleger in der neuen Woche einen Dämpfer verpassen. Sollte die in den Umfragen führende linke Partei Syriza die Wahl für sich entscheiden, könnten Anleger nach Einschätzung von Börsenexperten dies als Vorwand für Gewinnmitnahmen nutzen. "Die Rekordfahrt wird längerfristig zwar weitergehen, aber kurzfristig könnte sie ins Stocken geraten", erklärt NordLB-Stratege Tobias Basse.

Immerhin ist der Dax in dieser Woche von Rekord zu Rekord geeilt - am Freitag stand er zeitweise bei 10.704 Punkten. Zum Vorwochenschluss ist das ein Plus von 5,3 Prozent. Auf Sicht von zwei Wochen ist das ein Zugewinn von über 1000 Punkten oder knapp elf Prozent. Der EuroStoxx50 gewann in der zurückliegenden Woche in der Spitze rund sechs Prozent. Grund für die Kaufwelle ist der Geldsegen der Europäischen Zentralbank (EZB), mit dem sie über die Kreditvergabe der Banken die Konjunktur im Währungsraum wieder ankurbeln will.

"Die Vorschusslorbeeren sind dank der EZB für den Dax hoch, doch ab jetzt liegen die Karten auf dem Tisch", erklärt Ayondo-Marktstrategin Sarah Brylewski. Nun müssten die Wirtschaftsdaten in Europa stimmen, die Unternehmen liefern und dazu Störfeuer aus Griechenland ausbleiben. Die neue Woche könnte somit zu einem Lackmustest für Dax & Co werden. Denn zum einen gilt es als relativ wahrscheinlich, dass die Syriza Partei von Alexis Tsipras als stärkste politische Kraft aus den Parlamentswahlen in Griechenland hervorgeht. Zum anderen stehen in der Euro-Zone und den USA wichtige Konjunkturdaten an, und die Bilanzsaison nimmt dies- und jenseits des Atlantiks Fahrt auf.

Im Sog der griechischen Wahlen rechnen viele Börsianer mit Rückschlägen. Einige empfehlen, das zum Einstieg zu nutzen. Denn auch mittelfristig setzten die meisten auf steigende Aktienkurse, da es zu der Vermögensklasse ja kaum eine Alternative gebe. Einen Absturz erwarten Analysten ohnehin nicht - auch deshalb nicht, da Tsipras vermutlich einen Koalitionspartner zum Regieren braucht. Somit könnte es dauern, bis die Zukunft Griechenlands klarer wird.

VON DER FED WERDEN KEINE GROßEN ENTSCHEIDUNGEN ERWARTET

Ein eindeutiges Signal könnte dagegen am Montagmorgen vom deutschen Ifo-Index ausgehen, den Analysten meist etwas höher erwarten. Danach dürften die Blicke wieder gen Westen gehen: Denn in den USA steht zur Wochenmitte die Sitzung der US-Notenbank Fed an. Überwiegend wird keine neue Einschätzung zur Konjunkturentwicklung und dem Zeitpunkt einer Zinserhöhung erwartet. Auf großes Interesse dürfte aber die erste Schätzung zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal 2014 stoßen. So stark wie zuvor wird die weltgrößte Volkswirtschaft Analysten zufolge nicht mehr gewachsen sein.

Ansonsten hagelt es in der neuen Woche US-Bilanzen: unter anderem Microsoft, Apple, Caterpillar, Facebook, Google und Amazon lassen sich in die Bücher schauen. Der bisherige Verlauf der Bilanzsaison hat nicht alle überzeugt. Das lässt sich auch an der Kursentwicklung der Indizes ablesen. Der Dow-Jones hatte in der zurückliegenden Woche per Donnerstagabend nur 1,7 Prozent zugelegt. In Europa stehen ebenfalls die Geschäftszahlen einiger Großkonzerne und -banken an - darunter Siemens, Philips, die spanische Großbank BBVA, Deutsche Bank und Infineon.

In Europa und den USA werden viele Anleger die Bilanzen auch auf Wechselkurseinflüsse abklopfen. Denn mit dem Kursturz des Euro - er wertete seit der EZB-Sitzung am Donnerstag um über vier Prozent auf nur noch 1,1115 Dollar ab - verbessert sich die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen aus dem Währungsraum im Ausland. Im Gegenzug wird es für die Konkurrenz aus den USA und Japan in der Euro-Zone schwieriger. Doch die Talfahrt des Euro kann auch nach hinten losgehen. Ein zu schneller Kurssturz dürfte auch den Notenbanken nicht gefallen.

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