Volkswagen läuft und läuft... noch

Volkswagen läuft und läuft... noch
Volkswagen läuft und läuft... noch

Der Volkswagen-Konzern war im Jahr 2015 bisher auf der Überholspur. Der Gewinn ging allerdings deutlich zurück, in den Schwellenländern sind die Erwartungen sehr gedämpft. Absatzprognosen werden zurückggeschraubt.

Volkswagen, seit gestern gemessen an Verkaufszahlen offiziell größter Autohersteller der Welt, kämpft mit Problemen. Im zweiten Quartal ist der Gewinn um rund 16 Prozent eingebrochen. Angesichts der Absatzschwäche in den Schwellenländern wurden die Prognosen für das Gesamtjahr zurückgenommen.

Der frisch gekürte weltgrößte Autobauer Volkswagen hat die Bilanz des zweiten Quartals und damit auch seine Halbjahresbilanz vorgelegt. Darin gibt es gute, aber auch schlechte Zahlen. Die guten zuerst: Das Betriebsergebnis kletterte im zweiten Quartal 2015 auf 3,492 Milliarden Euro. Das sind 4,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor und etwas mehr als die 3,48 Milliarden Euro, mit denen Analysten im Schnitt gerechnet hatten. Auf das Halbjahr hochgerechnet steht im operativen Ergebnis vor Sondereinflüssen nun ein Plus von 13 Prozent, nach Sondereinflüssen bleibt ein Plus von 10,3 Prozent übrig.

Die schlechte Seite der Bilanz ist allerdings, dass die Ergebnisse vor und nach Steuern im zweiten Quartal deutlich unter dem Vergleichszeitraum des Vorjahres liegen. 3,69 Milliarden Euro vor Steuern bedeuten ein Minus von 16,4 Prozent gegenüber den 4,42 Milliarden des Vorjahres. Nach Steuern bleiben 2,731 Milliarden übrig, um 15,9 Prozent weniger als in Q2 2014. Auch das Halbjahresergebnis rutscht damit in die roten Zahlen. 7,66 Milliarden Euro vor Steuern bedeuten ein Minus von 1,5 Prozent (HJ 2014: 7,77 Milliarden Euro). Nach Steuern steht nun mit 5,66 Milliarden Euro (HH 2014: 5,72 Milliarden Euro) ein Minus von 0,9 Prozent.

„Die Ergebnisse im ersten Halbjahr zeigen, dass Volkswagen auch in einem immer härteren Marktumfeld sehr gut aufgestellt ist und eine überzeugende Produktpalette hat", sagte Volkswagen-Vorstandschef Martin Winterkorn. „Die weltweiten gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen beobachten wir aber sehr genau, vor allem angesichts der Unsicherheiten auf den Märkten in China, Brasilien und Russland."

Die Gewinne aus China, Volkswagens größtem Absatzmarkt, werden nicht im Betriebsgewinn ausgewiesen, sondern im Finanzergebnis. Im ersten Halbjahr legte das anteilige operative Ergebnis aus den beiden Gemeinschaftsfirmen in China leicht zu, auf 2,7 von 2,6 Milliarden Euro, teilte der Konzern mit. VW hatte in China zuletzt weniger Autos verkauft.

Kernzahlen im Halbjahresergebnis

Winterkorn sieht den dennoch Konzern gut gerüstet für die Zukunft: „Wir verfügen über ein umfangreiches Angebot an attraktiven, umweltfreundlichen, technologisch führenden und qualitativ hochwertigen Fahrzeugen. Die Marken des Volkswagen Konzerns werden im Jahr 2015 die Produktoffensive fortsetzen, ihre Angebotspalette modernisieren und um neue Modelle erweitern."

Die Töchter Audi und Porsche, die beiden Hauptergebnisträger, lieferten mehr Betriebsgewinn ab. Auch die Kernmarke VW steigerte dank positiver Wechselkurseffekte und Sparprogramm das operative Ergebnis. Negativ schlug die Restrukturierung der LKW-Sparte (MAN, Scania) zu Buche.

Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn

Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr vor allem wegen positiver Wechselkurseffekte um 10,1 Prozent auf 108,8 (98,8) Milliarden Euro. Das Ergebnis vor und nach Steuern ist jedoch wie erwähnt nach dem schlechten zweiten Quartal nun leicht negativ. „Herausforderungen liegen in dem schwierigen Marktumfeld, dem intensiven Wettbewerb sowie in volatilen Zins- und Wechselkursverläufen und schwankenden Rohstoffpreisen. Wir setzen unser Effizienzprogramm konsequent um und rollen die modularen Baukästen weiter aus. Hieraus erwarten wir deutlich positive Effekte", sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch.

Der Netto-Cash-flow des Konzernbereichs Automobile lag mit 4,8 (2,9) Milliarden Euro deutlich über dem Vergleichswert des Vorjahres. Die Netto-Liquidität im Automobilbereich belief sich Ende Juni auf 21,5 (Ende Dezember: 17,6) Milliarden Euro. Die Kapitalerhöhung im Finanzdienstleistungsbereich im ersten Quartal sowie die Dividendenzahlung im zweiten Quartal wirkten liquiditätsmindernd, die erfolgreiche Platzierung einer Hybridanleihe stärkte die Kapitalausstattung im Automobilbereich.

Investiert wurde vornehmlich in die Fertigungsstandorte und in Modelle, die in diesem und im kommenden Jahr Markteinführung haben sowie in die ökologische Ausrichtung der Modellpalette.Die Sachinvestitionen im Automobilbereich nahmen auf 4,7 (3,6) Milliarden Euro zu. Die Sachinvestitionsquote des Konzerns im Automobilbereich liegt bei von 4,9 (4,1).

PKW-Markt

Von Januar bis Juni 2015 legten die Pkw-Neuzulassungen weltweit weiter zu. Die Entwicklung lief jedoch nach Regionen uneinheitlich. Während Asien-Pazifik, Nordamerika und Westeuropa Wachstumsträger waren, gingen die Pkw-Neuzulassungen in Südamerika und Osteuropa teilweise drastisch zurück. Entsprechend ist auch Winterkorns Aussage hinsichtlich der Unsicherheiten auf den Märkten in China, Brasilien und Russland zu werten.

Anhaltend gut gelaufen ist das Geschäft mit den beiden Premium-Marken Audi und Porsche. Porsche verbesserte das operative Ergebnis auf 1,7 (1,4) Milliarden Euro und erreichte eine operative Marge von 15,7 (17,1) Prozent. Audi steigerte das operative Ergebnis infolge des Absatzwachstums und positiver Währungseffekte auf 2,9 (2,7) Milliarden Euro, die operative Marge lag bei 9,8 (10,0) Prozent. Hohe Vorleistungen für neue Produkte und Technologien sowie für den Ausbau des internationalen Produktionsnetzwerks belasteten das Ergebnis.

Die Marke Volkswagen konnte das operative Ergebnis auf 1,4 (1,0) Milliarden Euro verbessern. Belastungen aus den Märkten in Südamerika und Russland standen positive Effekte aus dem Effizienzprogramm gegenüber. Die Operative Marge erreichte 2,7 (2,1) Prozent.

Bei Skoda auf 522 (425) Millionen Euro, bei Seat von minus 37 Millionen auf ein Plus von 52 Millionen Euro. Bei der Luxus-Marke Bentley ging der Absatz zurück. Das operative Ergebnis reduzierte sich von 95 auf 54 Millionen Euro.

Ausblick

An der Börse wurde der Volkswagen-Konzern nach der Vorlage des Betriebsergebnisses abgestraft. Die VW-Aktie verlor gegenüber dem Vortag vier Prozent und rutschte auf 186,60 Euro ab. Sie gehörte damit zu den schwächsten Dax -Werten. Die Verluste der letzten vier Monate wurden damit fortgesetzt und es sieht nicht so aus, also es bald zu einer Trendwende kommen würde.

An der Börse hat Volkswagen in den vergangenen Monaten rund 25 Prozent eingebüßt.

Equinet-Analyst Holger Schmidt merkte in einem Kommentar an, dass die Aussichten für den weltweiten Autoabsatz etwas schlechter geworden seien. Die VW-Gruppe mit ihrem starken Engagement in China könnte davon stärker betroffen sein als andere, schrieb der Experte in einem Kommentar.

Für das Gesamtjahr 2015 hat der Konzern seine Absatzprognosen zurückgeschraubt. Nicht zuletzt aufgrund der anhaltenden Absatzschwächen in den Schwellenländern werden jetzt nur noch Verkaufszahlen auf dem Niveau des Vorjahres erwartet. Bei den Umsatzerlösen rechnet man im Konzern mit einer Steigerung von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Über alle Marken rechnet Volkswagen mit einer operativen Rendite zwischen 5,5 und 6,5 Prozent. Im Bereich Pkw erwartet Volkswagen die operative Rendite in einer Spanne von sechs bis sieben Prozent. Im Bereich Nutzfahrzeuge/Power Engineering wird sie sich voraussichtlich zwischen zwei und vier Prozent bewegen. Für den Konzernbereich Finanzdienstleistungen geht Volkswagen von einem Operativen Ergebnis auf dem Niveau des Vorjahres aus.

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