Verbund produziert weniger Strom - Preise für Konsumenten könnten sinken

Verbund produziert weniger Strom - Preise für Konsumenten könnten sinken

Im Verbund wird aufgeräumt:Im vergangenen Jahr wurden thermische Kraftwerke stillgelegt, 92 Prozent der Stromproduktion kommen nun aus Wasserkraft. Eine Preiserhöhung für Endkonsumenten erwartet Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber nicht - ganz im Gegenteil.

Der Verbund hat 2014 wegen einer Halbierung der thermischen Produktion weniger Strom erzeugt. Die Wasserkraftzeugung stieg laut Geschäftsbericht um 0,8 Prozent. Der Investitionsplan wurde an die Änderungen am europäischen Strommarkt angepasst und gestrafft, teilte der Verbund mit.

Das seit zwei Jahren laufende Kostensenkungsprogramm bringe bis Ende 2015 kumulierte Einsparungen von 165 Mio. Euro - mehr als die ursprünglich angepeilten 130 Mio. Euro. Der zweiten Teil des Job-Abbaus - nochmals 250 Stellen bis zum Jahr 2020 - soll 20 bis 30 Mio. Euro bringen, sagte Generaldirektor Wolfgang Anzengruber im Bilanzpressegespräch. Die Mitarbeiterzahl (durchschnittlicher betriebswirtschaftlicher Personalstand) sank laut Geschäftsbericht um 3,2 Prozent von 3.351 auf 3.245 Beschäftigte.

Der Verbund werde 2015 bis 2017 in Österreich und Deutschland 870 Mio. Euro investieren, heißt es in der heutigen Mitteilung weiter. Das ist fast eine halbe Milliarde Euro weniger als geplant war, sagte Finanzvorstand Peter Kollmann. Rund 50 Prozent der Investitionen werde auf Instandhaltungen entfallen. Der Hauptteil der Wachstumsinvestitionen werde in den Ausbau des österreichischen Hochspannungsnetzes fließen.

Abschied von Öl- und Kohlekraftewerken

Die Stromerzeugung des Verbund sank 2013 laut Geschäftsbericht um 4,2 Prozent auf 34.030 Gigawattstunden (GWh). Dabei wurde die Produktion aus Wärmekraft um 49,6 Prozent auf 2.031 GWh zurückgenommen. Der Verbund hat im Vorjahr thermische Kraftwerke stilllgelegt bzw. abgegeben. Geschlossen wurde in der Steiermark das Ölkraftwerk Neudorf/Werndorf II. Für das Steinkohlkraftwerk Dürnrohr laufen die Schließungsmaßnahmen, da soll es im April mit Ende der Heizsaison aus sein. Im Oktober wurden die Verträge zum Verkauf der beiden französischen Gaskraftwerke unterschrieben. Fixiert wurde im Vorjahr auch der Ausstieg aus der italienischen Beteiligung Sorgenia, wo sich der Verbund ohne weitere Kosten zurückzieht.

Das steirische Gaskraftwerk Mellach wollte der Verbund stilllegen, es muss aber aufgrund einer einstweiligen Verfügung als zusätzlich Fernwärme-Ausfallsreserve für die Stadt Graz bereit gehalten werden; der Rechtsstreit darüber vor einem Schiedsgericht wird noch bis Mitte 2016 dauern, schätzte Anzengruber.

92 Prozent aus Wasserkraft

Aus Wasserkrafterzeugung stammten mit 31.188 GWh rund 92 Prozent der gesamten Stromproduktion des Verbund. Der Erzeugungskoeffizient lag mit 1,02 zwar um 2 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt, aber um 5 Prozentpunkte unter 2013, heißt es im Geschäftsbericht weiter. Der Anstieg der Wasserkraftproduktion um 245 GWh sei im Wesentlichen auf die im April 2013 erworbenen Wasserkraftanteile in Deutschland sowie auf eine höhere Erzeugung der Jahresspeicherkraftwerke zurückzuführen.

Der Stromabsatz stieg um 1,1 Prozent auf 50.823 GWh. Dabei gab es bei den Endkunden ein Minus von 6 Prozent auf 9.485 GWh, die wettbewerbsbedingten Rückgänge bei ausländischen Kunden (minus 848 GWh) hätten durch den Anstieg im Inland (+240 GWh) nicht ausgeglichen werden können. An Weiterverteiler wurden mit 22.105 GWh um 2,3 Prozent mehr Strom abgegeben. Der Absatz an Händler stieg um 3,5 Prozent auf 19.232 GWh.

Die Stromerlöse sanken um 10,8 Prozent auf 2,43 Mrd. Euro. Die durchschnittlichen Absatzpreise fielen von 48,1 Euro je Megawattstunde (MWh) auf 39,1 Euro je MWh.

Die Verbund-Aktie notierte um12:20 Uhr mit 16,40 Euro um 2,29 Prozent unter dem Vortagesschluss. Mehr dazu auf der Investor Relations-Seite des Verbund.

Keine Erhöhung der Strompreise

Für die Endkunden-Strompreise sieht Verbund-Generaldirektor Wolfgang Anzengruber am Markt mittelfristig kein Erhöhungspotenzial, sondern eher eine Stagnation oder vielleicht sogar die Möglichkeit einer Senkung. Dies könnte aber, wie in der Vergangenheit, auch wieder durch höhere Steuern oder Abgaben egalisiert werden, meinte Anzengruber am Mittwoch im Bilanzpressegespräch.

Der Verbund selbst zählte zu Jahresende bereits rund 322.000 Privatkunden und brachte es damit in diesem Stromkunden-Segment auf 7 Prozent Marktanteil. Zudem bietet der Verbund seinen Stromkunden seit Herbst auch Gas an, im Vorjahr konnten schon 3.000 Privatkunden gewonnen werden, die Entwicklung gehe weiter gut voran. Bei Stromkunden in Industrie und Gewerbe hielt der Verbund zu Jahresende bei rund 20 Prozent Marktanteil.

Mehr Effizienz für Österreichs Energie

Zugunsten der E-Mobilität wünscht sich der Verbund-Chef Anreize wie sie etwa Norwegen oder Berlin setze. Auch könnte man die "Dienstwagen-Steuer" streichen, sofern Fahrzeuge mit Strom betrieben, meinte Anzengruber.

Mit dem Energieeffizienzgesetz, das seit Anfang 2015 gilt, sei man ja von Anfang an "nicht glücklich" gewesen, nun wisse man aber noch immer nicht, was man als Verbund an Maßnahmen anerkannt bekomme. Dafür wäre es aber Zeit, gab Anzengruber zu verstehen, denn wenn man als Produzent zu wenig eingespart habe (die Hälfte muss von diesen geleistet werden), dann drohe eine Strafzahlung von 200 Euro pro Megawattstunde (MWh), das sei "das Sechsfache des Marktpreises" für Strom.

Das Energieeffizienzgesetz sieht bis 2020 in Österreich ein Einsparungsziel von 310 Petajoule vor. Das seien 86 Mrd. Kilowattstunden (kWh) bzw. 86 Terawattstunden (TWh), also das 1,2-Fache des jährlichen Stromverbrauchs in Österreich von 70 TWh, rechnete Anzengruber vor. 159 PJ an Einsparungen müssen durch Beiträge der Energielieferanten zustande kommen, der Rest (151 PJ) durch strategische Maßnahmen.

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