US-Konzerne: Quartalsgewinne brechen ein - Droht Rezession?

US-Konzerne: Quartalsgewinne brechen ein - Droht Rezession?
US-Konzerne: Quartalsgewinne brechen ein - Droht Rezession?

In den USA startet in diesen Tagen die Berichtssaison zu den Ergebnissen des vierten Quartals 2015. Die Gewinnentwicklung der Konzerne ist bedenklich. Woran die Firmen leiden, warum die Gewinne 2016 weiter sinken könnten und welche Entwicklung für 2016 erwartet wird.

In den USA startet die Berichtssaison zu den Ergebnissen des vierten Quartals 2015. Christian Kahler von der deutschen DZ Bank rechnen laut einer aktuellen Studie erneut mit einem unerfreulichen Ergebnis. So dürfte der Gewinn beim bereiten US-Aktienindex S&P 500 im Schlussquartal 2015 um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahreswert gesunken sein, die Unternehmensumsätze sollten gut drei Prozent niedriger ausfallen.

Die börsennotierten US-Unternehmen stecken damit in einer tiefen Gewinnrezession fest. Laut Definition handelt es sich um eine Rezession, wenn die Gewinne zwei oder mehr Quartale in Folge rückläufig sind. Bereits im zweiten und dritten Quartal 2015 waren die Gewinne der Unternehmen gefallen. Einen Rückgang der Unternehmensgewinne über drei Quartale hinweg gab es am US-Aktienmarkt zuletzt während der Rezession im ersten Quartal bis 3. Quartal 2009.

US-Firmen leiden seit Monaten unter starkem Dollar

Belastet wurden laut DZ-Analyst Kahler zum einen die exportstarken Unternehmen, die seit mehreren Quartalen unter dem starken Dollar leiden. Das führte zu Wachstumseinbußen bei Umsatz und Gewinn im Auslandsgeschäft. Kahler: "Maßgeblich ist der erneute Gewinnrückgang jedoch, wie schon in den Vorquartalen, auf den Einbruch des Rohölpreises zurückzuführen." Dieser stand zu Beginn des vierten Quartals 2014 noch bei 95 Dollar je Barrel Brent (--> aktueller Ölpreis), also 60 Dollar höher als heute. Entsprechend ist bei den Energietiteln im vierten Quartal mit einem massiven Ergebnisrückgang zu rechnen, der Konsens geht aktuell von 70 Prozent aus. Mit einer aktuellen Brent-Notierung von 28 Dollar stehen dem Sektor zudem auch in diesem Quartal weitere Gewinneinbußen bevor.

Ölfirmen reißen andere Firmen mit

Bereits im dritten Quartal 2015 zeichnete sich ab, dass durch die einbrechenden Unternehmensgewinne im Rohstoffbereich auch Unternehmen der Zulieferer- und Abnehmerbranchen der Ölindustrie mittelfristig in Mitleidenschaft gezogen würden. Schließlich steht nicht nur der Ölpreis so tief wie seit zwölf Jahren nicht mehr, auch die Preise für Kupfer und andere Industriemetalle notieren so niedrig wie seit vielen Jahren nicht mehr.

Die schlechtere Auftragslage und Stimmung bei den Unternehmen spiegelte sich zuletzt auch bei den volkswirtschaftlichen Frühindikatoren wider, nun dürften auch die Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe mit enttäuschenden Berichtsdaten zum Abschlussquartal 2015 nachziehen. Für die Unternehmen aus den Bereichen Werkstoffe und Industrie rechnet der Konsens ebenfalls mit stark rückläufigen Gewinnen (minus 17 Prozent).

Eine positive Wende für die US-Unternehmen ist zunächst nicht in Sicht. Die Erwartungen der Analysten an das Auftaktquartal 2016 wurden in den vergangenen Wochen gesenkt. Inzwischen wird eine Stagnation der Gewinne auf Gesamtmarktebene erwartet. Weil zwischenzeitlich der Ölpreis weiter kollabiert ist, gehen wir jedoch davon aus, dass auch im ersten Quartal ein weiterer Gewinnrückgang droht.

Investoren beginnen US-Börsenaufschwung zu hinterfragen

Kahler: "Investoren beginnen daher zunehmend auch auf breiter Front, die Perspektiven des seit 2009 laufenden Börsenaufschwungs in den USA kritisch zu hinterfragen." Die Zutaten für einen Crash in den USA waren aus Sicht der DZ Bank seit längerem vorhanden, schließlich hatte die langjährige Niedrigzinspolitik sowohl bei Investoren als auch bei Unternehmen für ausreichende Fehlanreize gesorgt. So hatten sich die Unternehmen laut Kahler immer höher verschuldet, damit M+A-Transaktionen zu teils überhöhten Preisen finanziert oder Aktien zu hohen Kursen zurückgekauft. Und Investoren sind auf ihrer Suche nach Rendite immer größere Risiken eingehen, wie der Crash am US-High Yield-Markt im Dezember eindrucksvoll belegte. Damit liegen alle für eine Endphase eines Börsenzyklus typischen Beweise auf dem Tisch, wenngleich die niedrigen Zinsen und der tiefe Ölpreis bisher ein einen Crash verhindert.

Längere Korrekturphase befürchtet

Fallende Gewinnschätzungen sind Gift für Aktienkurse. Kahle: "Setzen sich die Gewinnrevisionen noch einige Wochen fort, wird die ohnehin schon hohe Bewertung des Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 weiter untergraben." Die KGV-Schätzung beträgt 17,7. Ohne fundamentalen Unterbau dürfte der Markt laut DZ-Bank über längere Zeit korrigieren.

Europa und Japan für Investoren aussichtsreich

Andere Aktienmärkte erscheinen vor diesem Hintergrund attraktiver. Christian Heger, Chief Investment Officer bei HSBC Global Asset Management: "Zwar bewegen sich die US-Börsen am oberen Ende der historischen Bandbreite, die Aktienmärkte Europas und Japans sind jedoch von ihren langfristigen Durchschnittswerten noch ein gutes Stück entfernt."

Bei zahlreichen Emerging Markets werden Durchschnittwerte sogar unterschritten.Heger: "Der Fehlstart ins neue Jahr bedeutet daher nicht das Ende aller Börsenhoffnungen für 2016." Allerdings würden die Turbulenzen zeigen, in welch rauem Fahrwasser die Anlagemärkte unterwegs sind. Deutliche Korrekturen sieht Heger als antizyklische Kaufgelegenheiten.

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