Uniqa sucht nach Lösung von Luxusproblemen

Uniqa sucht nach Lösung von Luxusproblemen

Uniqa-CEO Andreas Brandstetter will Unternehmen kaufen - nicht um jeden Preis.

Uniqa-CEO Brandstetter hat ein kapitales Luxusproblem. Er will Unternehmen aufkaufen. Das Angebot sei offenbar dürftig. Im Fokus stehen auch Start-ups. Dennoch will der Versicherungskonzern weiterhin eine progressive Dividende ausschütten.

Wien. Der Uniqa-Versicherungskonzern ist in Kauflaune, findet aber derzeit kaum interessante Unternehmen, die offenbar nicht einmal einen Kandidatenstatus haben. Angebote gibt es, aber die Qualität scheint nicht zu passen. "Es gibt mehr Sein als Schein", sagt CEO Andreas Brandstetter zu den Companys, die zum Verkauf stehen. Auch bei aufstrebenden InsurTechs oder FinTechs wäre der Versicherungskonzern gewillt zu übernehmen. Die Übernahmeziele müssten nicht unbedingt aus dem Versicherungsbereiche kommen.

Nachdem erfolgreichen Geschäftsjahr 2018 hat der Konzern immerhin 700 bis 800 Millionen Euro für Akquisitionen reserviert. Investieren will der Versicherer nur in den Ländern, wo es bereits jetzt aktiv tätig ist.

Die Zahlen sind solide: Das Ergebnis vor Steuern (EGT) erhöhte sich 2018 konnte Uniqa um 11,3 Prozent auf 294,6 Mio. Euro erhöhen, das Periodenergebnis um 27,5 Prozent auf 235,1 Mio. Euro. Der Zuwachs beim Kapitalanlageergebnis war mit einem Plus von 1,6 Prozent auf 581,2 Mio. Euro eher bescheiden. Hauptgrund für den Anstieg sei der Verkauf der Casinos-Anteile gewesen. Der außerordentliche Veräußerungsgewinn schlug sich mit 47,4 Mio. Euro positiv nieder.

"Zugegeben, wir haben ein Luxusproblem", räumt Brandstetter mit Verweis auf die starke Kapitalisierung ein. Statt Zukäufen könnte Uniqa auch einen Aktienrückkauf ins Auge fassen oder eine Sonderdividende auszahlen. Beides sei derzeit aber kein Thema. Noch,

Zuletzt hatte Uniqa bereits in neueste technologische Entwicklungen investiert, um freilich auch via Internet Tempo aufzunehmen. Während die Kunden in Österreich noch Internetmuffel sind, nur ein Prozent beträgt der Online-Kundenanteil, verzeichnet der Versicherer in den anderen Ländern kräftige Zuwächse. Auf 60, 70 oder mehr Prozent beläuft sich der Online-Kunden-Anteil bei den Kunden im CEE-Raum.

Künstliche Intelligenz (KI), Robotics und TechBots isnd daher auch für Uniqa zentrale Tech-Themen. In Start-ups - bisher hat die Uniqa da 10 Mio. Euro hineingesteckt - investiere man nur wegen der Rendite, sagt Brandstetter.

Den Vertrieb wolle man im Inland heuer um 100 Personen ausbauen, sagte Uniqa-Österreich-Chef Kurt Svoboda, für die Bestandsabsicherung und eine bessere regionale Abdeckung.

Aus Schaden,Unfall und Kranken Kraft schöpfen

Das Wachstum sieht Brandstetter künftig mehr im Schaden-Unfall- und im Gesundheitsbereich als in der Sparte Leben. Der CEE-Raum, in dem die Uniqa stark vertreten ist, werde weiter stärker wachsen als der Westen.

2018 wuchs der Konzern in Schaden/Unfall und der Krankensparte, in Leben (LV) sanken die Prämieneinnahmen dagegen - wegen der bewussten Rücknahme des ertragsschwachen Einmalerlagsgeschäfts speziell in Polen. Die verrechneten Prämien der Uniqa Group inklusive Sparanteilen der LV-Fonds- und -Indexpolizzen wuchsen um 0,3 Prozent auf 5,31 Mrd. Euro - mit diesem Anstieg habe man die Prämienziele für den Konzern erreicht, betonte Brandstetter. Die darin enthaltenen Prämien aus dem "sehr gut" laufenden Geschäft stiegen um 3,1 Prozent auf 5,2 Mrd. Euro. In Schaden/Unfall betrug das Plus 5,1 Prozent auf 2,77 Mrd. Euro, in der Krankensparte 4,3 Prozent auf 1,09 Mrd. Euro. In der Lebensversicherung sanken die Einnahmen um 10,1 Prozent auf 1,45 Mrd. Euro.

Die Makroökonomie sehe man weiter als gedämpft an. Weiterhin gehe man von Niedrigzinsen aus, selbst wenn sich das im zweiten Halbjahr ändern könnte. "Wir glauben, dass die Konjunktur in Österreich und CEE noch sehr hoch ist, rechnen aber mit einer moderaten Abkühlung", sagt CEO Brandstetter.

Trotz des Brexit wolle man London nicht verlassen, dort ist die Uniqa mit einer wichtigen Niederlassung ihrer Kunstversicherung vertreten.

Die Regularien kosten immer mehr Geld, beklagte der Generaldirektor. Seien es bei Solvency II noch 25 bis 30 Mio. Euro gewesen, so seien für das neue IFRS-17/9-Regime, das ab Anfang 2022 gelten werde, 50 bis 60 Mio. Euro für mehrere Jahre zu veranschlagen. Prämien, Schäden und Leistungen werden es dann so nicht mehr geben, das Assekuranzgeschäft sei noch granularer zu planen.


Die Kunden

Netto habe der Uniqa-Konzern voriges Jahr inklusive Österreich rund 700.000 Kunden neu dazugewonnen, also abzüglich ausgelaufener oder stornierter Verträge. Man liege also schon jetzt jenseits der für 2020 anvisierten 10 Mio. Kunden konzernweit, sagt Brandstetter. Allein 640.000 Kunden habe man in CEE 2018 dazugewonnen - außer in Rumänien, wo die Zahl um 40.000 gesunken ist. Das sieht man aber positiv, weil diese Kunden durch Preisanhebungen verloren gegangen seien. Rumänien war 2018 auch das einzige CEE-Land mit einem leichten Minus-Ergebnis (0,5 Mio. Euro). Das Problem ist dort die Kraftfahrzeughaftpflicht. Da sei man aber auf Sanierungskurs, gab man zu verstehen; man biete nicht mehr zu Niedrigkonditionen an und wolle wieder profitabel werden.

In Tschechien (20 Mio. Euro) und Russland (16 Mio. Euro) erzielte die Uniqa besonders viel EGT, doch ist die Einheit in Moskau wegen ihrer geringen Größe (100 Mitarbeiter) die mit Abstand rentabelste; es handelt sich dort um ein 75:25-Joint-Venture mit der Raiffeisen Bank Moskau. Nur in Russland verkaufe die Uniqa ihre Produkte ausschließlich über den Bankenvertrieb.


Für das Jahr 2019 peilt Uniqa ein über dem Wert von 2018 liegenden Gewinn (EGT) an, "klarerweise bereinigt um den Erlös aus dem Casinos-Verkauf". Bei den Prämien plane man eine leichte Steigerung.

Die positive Botschaft für die Aktionäre: die progressive Dividendenpolitik bleibt aufrecht. Für 2018 wurde jetzt der Hauptversammlung die bereits siebente Dividendenerhöhung in Folge vorgeschlagen, von 51 auf 53 Cent je Uniqa-Aktie (ISIN AT0000821103). Die Uniqa-Papiere zählen seit längerem jeweils zu den zwei, drei Titel mit der höchsten Dividendenrendite im Wiener Börsen-Leitindex ATX.

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