Telekom Austria: Was von der "Volksaktie" übrig blieb

Einst wurde sie als österreichische "Volksaktie" angepriesen. Heute gehört die Telekom Austria mehrheitlich dem mexikanischen Telekommunikationskonzern America Movil. Als vor 15 Jahren die Papiere an die Börse gingen, lag der Ausgabepreis bei neun Euro - aktuell dümpelt sie bei rund fünf Euro.

Telekom Austria: Was von der "Volksaktie" übrig blieb Telekom Austria: Was von der "Volksaktie" übrig blieb

Vor 15 Jahren war die Telekom Austria noch zu drei Viertel im Besitz der ÖIAG, der heutgen ÖBIB. 25,8 Prozent der Anteile wurden an der Börse platziert. Juniorpartner war damals die Telecom Italia. Mittlerweile kontrolliert die mexikanische America Movil des Milliardärs Carlos Slim den größten Telekommunikationsanbieter des Landes.

Den Anfang vom Ende des Staatsbetriebes läutete die schwarz-blaue Regierung unter dem damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (ÖVP) und Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP) durch den Börsengang am 21. November 2000 ein. Dieser verlief allerdings holprig - gleich zu Beginn des Börsenganges in Wien und New York gab es einen veritablen Kursverlust.

Ausgabepreis neun Euro

Am 21. November 2000 ging die bis dahin staatliche Telekom Austria unter der ISIN AT0000720008 an die Wiener und New Yorker Börse - unter denkbar schlechten Rahmenbedingungen. Die Staatsholding ÖIAG musste am Vortag des Börsenstarts den Preis der Aktie mit 9 Euro und damit am untersten Ende des Preisbandes von 9 bis 13 Euro festsetzen. Aktuell liegt sie bei knapp über 5 Euro, 664.500.000 Aktien sind im Umlauf. Die Marktkapitalisierung liegt bei 3,56 Milliarden Euro. Gewerkschaften, SPÖ und Grüne hatten seinerzeit gegen den Verkauf der Telekom protestiert und von einer Verschleuderung gesprochen.

Das Volumen der Transaktion, inklusive der Mehrzuteilungsoption (Green Shoe) im Ausmaß von 16,8 Millionen Stück, wurde auf insgesamt 128,8 Millionen Stück festgelegt. Die ÖIAG hielt nach dem IPO noch 44,4 Prozent, die Telekom Italia 29,8 Prozent. Der ÖIAG flossen aus dieser Transaktion rund 16 Milliarden Schilling, umgerechnet 1,16 Milliarden Euro zu.

Ein Erfolg war der viel beworbene IPO auf jeden Fall bei den Telekom-Mitarbeitern und der Bevölkerung. Knapp drei Viertel der Belegschaft (13.483) orderte damals Aktien im Wert von insgesamt 434 Millionen Schilling (rund 31,5 Millionen Euro). Mit rund 91.000 Aktionären wurde die Telekom Austria zur größten Publikumsgesellschaft Österreichs.

Mühsamer Start

Die Aktie der Telekom verlor an ihrem ersten Handelstag an der Wiener Börse gleich einmal 7,22 Prozent. Auch an der New Yorker Börse konnte die Telekom Austria kein gelungenes Debüt feiern - die Aktie gab um knapp 12 Prozent nach. Grasser ließ sich davon aber nicht beeindrucken. "Ich bin überzeugt, dass der Börsengang richtig ist und zu einem richtigen Zeitpunkt durchgeführt wurde", meinte er damals.

Bis zum Jahr 2007 ging es mit dem Börsenkurs aufwärts, der Spitzenwert der Aktie lag bei 21,35 Euro. Danach ging es kontinuierlich bergab.

Außerdem warnten die Kritiker des schwarz-blauen Privatisierungskurses vor einem massiven Personalabbau - und behielten recht: Die Telekom hatte damals noch 18.650 Mitarbeiter. Nunmehr sind nur mehr rund 8.500 Personen bei dem Konzern in Österreich beschäftigt.

Die Internettochter der Telekom hieß zum Zeitpunkt des Börsenganges noch Jet2Web, mittlerweile ist die Marke verschwunden. Geblieben sind zahlreiche Skandale rund um die Telekom und Personen aus dem Umfeld der schwarz-blauen Regierung, die noch heute die Gerichte beschäftigen. Alleine in den vergangenen Jahren gab es fünf Betrugsprozesse und einen Untersuchungsausschuss rund um die Telekom, einige Urteile ergingen bereits - teilweise nicht rechtskräftig.

Unter ausländischer Kontrolle

Zuletzt hatte es Medienspekulationen über einen Totalverkauf der Telekom an die Mexikaner gegeben - was das zuständige Finanzministerium heftig dementierte. Derzeit stehen noch 28,4 Prozent der Telekom im Staatsbesitz, Konzernchef ist der Argentinier Alejandro Plater, die Mehrheit im Aufsichtsrat liegt klar bei America Movil.

Inzwischen befindet sich sämtliche Netzbetreiber in Österreich unter ausländischer Kontrolle. T-Mobile gehört der Deutschen Telekom, "3" dem chinesischen Mischkonzern Hutchison, UPC der britischen Liberty Global und Tele2 der schwedischen Tele2-Gruppe.