Streiks, Flaute und Konkurrenz: Lufthansa schraubt Erwartungen zurück

Streiks, Flaute und Konkurrenz: Lufthansa schraubt Erwartungen zurück
Streiks, Flaute und Konkurrenz: Lufthansa schraubt Erwartungen zurück

Bei der Lufthansa sind die Erwartungen am Boden.

Streiks, schlechte Wirtschaftsaussichten und eine harte Konkurrenz. Die Lufthansa muss ihre Ziele für erneut nach unten revidieren. Es ist bereits das zweite Mal binnen sechs Monaten, dass Europas größter Luftfahrtkonzern mit 120.000 Mitarbeitern die Erwartungen senken muss. An der Börse gab die Aktie in der Folge um vier Prozent nach.

Der neue Lufthansa -Chef Carsten Spohr rudert bei der Gewinnprognose bereits zum zweiten Mal seit seinem Amtsantritt vor einem halben Jahr zurück. Schuld haben dieses Mal aber nicht streikende Piloten, sondern trübere Wirtschaftsaussichten und sinkende Ticketerlöse. "Es sind angespannte Zeiten für die Luftfahrt-Branche und angespannte Zeiten für die Lufthansa", sagte der 47-Jährige. Obwohl er derzeit sehr mit dem Buchungsstand zufrieden sei, zeigten viele Wirtschaftsindikatoren weltweit und für den umsatzstarken Heimatmarkt Deutschland nach unten. Zudem lasten noch der ungelöste Piloten-Tarifstreit und steigende Pensionsverpflichtungen auf dem Konzern. Anleger straften den Dax-Konzern ab: Die Aktien brachen am Donnerstag um bis zu acht Prozent ein.

Spohr senkte die Prognose für nächstes Jahr und rechnet nur noch mit einem operativen Gewinn "deutlich über dem diesjährigen" Ergebnis. Bislang waren zwei Milliarden Euro angepeilt worden, vor der ersten Gewinnwarnung im Juni sogar 2,65 Milliarden. An dem Ziel von einer Milliarde Euro operativen Gewinn für 2014 hält Spohr unter der Bedingungen fest, dass die Piloten nicht noch weiter streiken.

Marktexperten zeigten sich verblüfft. "Die Lufthansa sollte - wie andere Airline - deutlich von den niedrigeren Spritkosten profitieren, hat aber trotzdem die Prognose gesenkt", sagte Analyst Robin Byde von Cantor Fitzgerald. Der wahre Grund hinter der Taktik könnte sein, dass die Airline mit härterer Konkurrenz rechne. Die fallenden Kerosinpreise könnten nämlich Rivalen dazu verleiten, zuvor unrentable Strecken und Flugzeuge wieder ins Programm zu nehmen. Folge wären Überkapazitäten und ein massiver Preiskampf.

Aktionäre verlieren die Geduld

An der Börse reagierten die Anleger verschnupft. Die Aktien der Lufthansa verloren bis zu acht Prozent. Für Dirk Schlamp, Luftfahrt-Experte bei der DZ Bank, stimmt der neue Ausblick für das kommende Jahr nun eher mit den Markterwartungen überein. Analysten hatten den Zielen bereits vorher keinen Glauben mehr geschenkt und im Schnitt ein Betriebsergebnis von 1,5 Milliarden Euro für 2015 erwartet.

Für die Lufthansa laufen die Geschäfte in diesem Jahr bislang rund. In den ersten drei Quartalen stieg der operative Gewinn trotz der Pilotenstreiks um 28 Prozent auf 849 Millionen Euro. Der Konzernumsatz sank von Januar bis Ende September um 0,6 Prozent auf 22,6 Milliarden Euro.

Damit kommt die Lufthansa nicht zu Ruhe. Spohr übernahm die Leitung von Europas größter Airline im Mai von Christoph Franz. Viele Mitarbeiter hofften, dass der Manager mit Pilotenschein den tiefen Graben zwischen Management und Belegschaft überbrücken könnte, der durch den harten Sanierungskurs entstanden war. Der Wunsch ist bislang nicht Wirklichkeit geworden. Spohr stellt sein Rezept für die Zukunft im Juli vor: Mit neuen Billigablegern unter der Marke "Wings" will die Lufthansa schnell wachsenden Rivalen wie Ryanair Paroli bieten. Auch auf der Langstrecke plant die Fluglinie eine neue Günstig-Airline, wahrscheinlich in Zusammenarbeit mit Turkish Airlines. Doch die Umsetzung der Pläne ist zäh, da die Piloten dagegen auf die Barrikaden gehen.

Streikkosten: 170 Millionen Euro

Die Streiks der Piloten verursachten direkt und durch Buchungsausfälle bislang Schäden von 160 Millionen Euro. Zusammen mit anderen Streiks summieren sich die Belastungen auf 170 Millionen Euro. Die Piloten bestreiken die Lufthansa seit April und haben seitdem acht Mal die Arbeit niedergelegt. Eine Lösung des Tarifkonflikts mit der Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit ist bislang nicht in Sicht. "Die Vereinigung Cockpit wird früher oder später verstehen, dass ihr Verhalten viel Schaden anrichtet", sagte Vorstandschef Carsten Spohr. Auch Rivale Air France-KLM litt im vorigen Quartal unter Arbeitsniederlegungen der Piloten. Der Schaden bei Europas zweitgrößter Airline beläuft sich auf eine halbe Milliarde Euro.

Noch keine großen Auswirkungen haben die gesunkenen Preise für Flugbenzin - einer der größten Kostenposten. Konzernweit erwartet die Lufthansa für dieses Jahr wie gehabt eine Tankrechnung von 6,7 Milliarden Euro. Noch im Juni kostete ein Barrel Öl 116 Dollar - seitdem purzelte der Preis auf zwischenzeitlich gut 82 Dollar, ein Minus von 30 Prozent. Allerdings hat die Lufthansa die Preise für einen Großteil ihres Kerosinbedarfs durch Hedging-Geschäfte abgesichert.

Aufholen will die Lufthansa nun mit neuen Billigablegern unter der Marke "Wings" im Kurz- und Langstreckenverkehr. Mit der Strategie will der neue Lufthansa-Chef Carsten Spohr schnell wachsenden Rivalen wie Ryanair in Europa Paroli bieten. Auch auf der Langstrecke plant die Lufthansa eine neue Günstig-Airline.

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