Start-ups wollen schon 2015 ein eigenes Börsensegment

Start-ups wollen schon 2015 ein eigenes Börsensegment

Für junge deutsche Wachstumsfirmen soll ein eigenes Börsensegment entstehen. Skeptiker verwiesen auf das Platzen der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende, werden aber inzwischen von Befürwortern übertönt.

In die Debatte um ein eigenes Börsensegment für junge Wachstumsfirmen kommt Bewegung. Spitzenvertreter der IT- und Start-Up-Branche stellten sich am Mittwoch unisono hinter den Vorschlag des deutschen Bundeswirtschaftsministers Sigmar Gabriel. "Wir hoffen, dass die Entscheidung spätestens bei dem Spitzengespräch am 18. Dezember zwischen Gabriel, dem Chef der Deutschen Börse sowie Banken- und Firmenvertretern fällt für den Start im ersten Quartal 2015", sagte der Chef des Bundesverbands deutscher Start-Up-Firmen, Florian Nöll, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Der Geschäftsführer des IT-Branchenverbands Bitkom, Bernhard Rohleder, plädierte für ein ganzes Maßnahmenbündel zur Förderung von jungen Unternehmen. "Ein Teil davon kann ein eigenes Börsensegment für Start-Ups sein." Auch große Fondsgesellschaften, die wichtigsten Investoren auf dem Markt, können sich eine solche Sparte vorstellen - allerdings eher mittelfristig.

Gabriel hatte auf dem IT-Gipfel am Dienstag erklärt, er strebe die Einführung eines Börsensegments "Börse 2.0" an. Dies solle über die Deutsche Börse geschehen, mit der er im Gespräch sei.

Nöll bezeichnete die Einführung eines neuen Börsensegments als absolut notwendig zur Finanzierung junger Hightech-Firmen. "Das ist das fehlende Rohrstück im Finanzierungskreislauf", sagte er. Weitere Elemente sind eine bessere steuerliche Behandlung von Wagniskapital und Verlustvorträgen junger Firmen. Damit soll der Vorsprung etwa der USA bei der Entstehung neuer kleiner Hightech-Firmen gerade aufgeholt werden. Bereits im Juni hatte sich eine "Allianz für Venture Capital", der unter anderem auch der BDI angehört, für ein eigenes Börsensegment ausgesprochen.

Erinnerung an Dotcom-Blase der Jahrtausendwende

Skeptiker in der Finanzbranche hatten bislang eher negative Signale gesendet und im Einklang mit Aktionärsschützern auf den gescheiterten "Neuen Markt" vor mehr als zehn Jahren verwiesen. Nun denken die großen Fondshäuser um, die milliardenschwere Kundengelder verwalten und wichtige Sponsoren für Start-Ups sein könnten. Teilweise sind sie Finanzkreisen zufolge sogar direkt in die Gespräche mit der Börse und der Politik eingebunden. "Ich würde es begrüßen, wenn man die Börse für Start-Up-Firmen attraktiver macht", erklärt etwa Henning Gebhardt, der bei der Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS das Aktiengeschäft für Europa, Afrika und den Nahen Osten leitet. Ein eigenes Börsensegment müsste nach seiner Ansicht aber auch einen Mehrwert bieten. "Denkbar wäre, die Eintrittsbarrieren für die Firmen zu reduzieren, bislang ist etwa die geforderte AG-Struktur sehr komplex. Hier könnte man den jungen Unternehmen sicherlich helfen."

Von einem anderen Fondshaus hieß es, Investments in Wachstumsfirmen könnten eine interessante Beimischung sein. "Wir würden darin investieren", sagte ein Fondsmanager. Wichtig sei aber, dass in dem neuen Börsensegment Unternehmen gelistet seien, die nicht ganz am Anfang stünden - um das Risiko für die Anleger zu begrenzen.

Ob die hiesigen Firmengründer von dem Angebot am Ende tatsächlich Gebrauch machen, steht indes auf einem anderen Blatt. Kritiker einer Börsennotierung verweisen immer wieder darauf, dass der Verwaltungsaufwand so oder so groß bleibt. Start-Up-Branchenchef Nöll teilt diese Sorge nicht. Viele Firmen hätten bereits umfangreiche Berichtspflichten gegenüber ihren meist ausländischen Geldgebern.

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