Der Staat zahlt nicht mehr: Fitch stuft Österreichs Banken herab

Der Staat zahlt nicht mehr: Fitch stuft Österreichs Banken herab
Der Staat zahlt nicht mehr: Fitch stuft Österreichs Banken herab

Die Volksbank war für Fitch einmal eine gute Bank.

Weil der Steuerzahler nun nicht mehr für die Probleme der Banken einspringen soll, hat die Ratingagentur Fitch das Rating etlicher europäischer Institute gesenkt; für Österreichs Geldhäuser wird Osteuropa als das große Sorgenkind gesehen. Erste, Bank Austria und RBI verlieren ihr "A"-Rating, der Volksbanken-Verbund ist nur noch Ramschniveau.

Banken können sich aus Sicht der Ratingagentur Fitch künftig in einer Krise kaum noch auf staatliche Unterstützung verlassen. Als Konsequenz daraus verpasste Fitch als erste der drei großen Ratingagenturen am Dienstag Dutzenden Geldhäusern in einem Rundumschlag schlechtere Noten für ihre Kreditwürdigkeit. Mit am stärksten betroffen sind deutsche und österreichische Institute. Ein herber Rückschlag; denn ein schlechteres Langfrist-Rating macht die Refinanzierung von Unternehmen tendenziell teurer.

Volksbanken nur noch Ramschniveau

In Österreich verlieren Erste, Bank Austria und RBI ihr "A"-Rating, besonders stark abgestraft wird aber der gerade im Umbau befindliche Volksbanken-Verbund: Dessen Langfristrating wurde um sieben Stufen herabgesetzt und liegt nun nur noch bei BB-; das steht für eine spekulative Anlage und bewegt sich im Ramschbereich. Zuvor hatte es von Fitch noch ein freundliches A gegeben.

Im Volksbankensektor wird betont, dass sich die Note auf die alte Verbundstruktur bezieht. Im Juli wird das bisherige Spitzeninstitut ÖVAG als Bad Bank abgewickelt, der neue Verbund damit um Altlasten erleichtert. Fitch stellt dem Volksbanken-Verbund daher eine Verbesserung um zwei Stufen in Aussicht. Die Überprüfung soll im Juli erfolgen, wenn die ÖVAG vom Verbund abgespalten ist, wie die Ratingagentur am Dienstagabend erklärte.

Allerdings geht Fitch nicht davon aus, dass der Volksbanken-Verbund in näherer Zukunft eine Note bekommt, die sich im Bereich Investment-Grade bewegt, zu risikobehaftet sei die Fusionierung der regionalen Volksbanken auf nur mehr acht größere Institute.

Problemkind Osteuropa

Die anderen heimischen Großbanken stehen vor allem wegen des Risikos in Osteuropa im Visier der Ratingagentur. Am stärksten betroffen von der Herabstufung ist die Raiffeisen Bank International (RBI). Deren Langfristrating wurde von A auf BBB heruntergestuft. Außerdem hat Fitch der RBI einen negativen Ausblick verpasst, dies vor allem wegen des starken Engagements der Bank im wirtschaftlich unsicheren Russland und in der Ukraine.

Die UniCredit-Tochter Bank Austria und die Erste Group haben ihr A ebenfalls verloren und werden nun beide mit BBB+ bewertet. Der Ausblick ist stabil.

Schlechter bewertet werden von Fitch auch der Gemeindefinanzierer Kommunalkredit Austria sowie die Bad Bank KA Finanz. Beide verlieren ihr A bzw. A+ und sind jetzt mit BBB+ eingestuft. Der Ausblick ist jeweils stabil.

Keine Hilfe mehr vom Staat

In Deutschland wird die Commerzbank mit "BBB" nun um vier Stufen schlechter bewertet, weil sie nach den neuen EU-Regeln nicht mehr wie in der Finanzkrise darauf setzen kann, vom Staat gerettet zu werden. Die bisher gleichauf mit der Commerzbank eingestufte Deutsche Bank wird mit "A" eine Stufe schlechter bewertet. Auch sechs deutsche Landesbanken wurden herabgestuft.

Die Banken müssen sich künftig weitgehend auf ihre eigene Finanzstärke verlassen. Die Annahme, dass der Staat im Notfall einspringen würde, hatte etwa der Commerzbank bisher zu einem um vier Noten besseren Rating verholfen. Dieser Faktor fällt nach dem Urteil der Ratingexperten nun vollständig weg. "Die gesetzlichen, regulatorischen und politischen Initiativen haben die Wahrscheinlichkeit einer staatlichen Unterstützung für Geschäftsbanken in den USA, der Schweiz, der Europäischen Union und in Hongkong deutlich reduziert", erklärte Fitch.

Nach den seit 1. Januar geltenden Regeln zur Abwicklung von Banken in der EU sollen künftig zunächst die Eigentümer und Gläubiger der Institute herangezogen werden, um Verluste aufzufangen, der Staat soll nur noch im Extremfall zur Kasse gebeten werden. In Österreich wurde dies erstmals im Fall der Heta/Hypo umgesetzt. Firch hat nun dementsprechend die wegfallende implizite Staatsgarantie bei zahlreichen europäischen Banken herausgerechnet. Wie bei den österreichischen Großbanken hat sich das langfristige Ausfallsrating dem sogenannten Viability Rating (VR) angeglichen. Dieses spiegelt die Widerstandskraft einer Bank ohne externe staatliche Unterstützung wieder ("stand alone").

Kaum Bewegung an der Börse

Die Herabstufungen hatten sich abgezeichnet. Fitch kündigte bereits im März 2014 eine Überprüfung wegen der veränderten Regeln zur Bankenrettung an. Zum Teil hatten die Institute die Folgen aber aus eigener Kraft abgemildert. So bestätigte die Agentur die Einstufungen etwa für die britische Barclays ("A"), die französischen Großbanken Societe Generale ("A") und BNP Paribas ("A+") sowie die Schweizer Institute UBS und Credit Suisse (beide "A").

Da die Aktionäre bereits vorgewarnt wurden, gab es dementsprechend wenig Bewegung unter den Bankentiteln des ATX: Die Aktien der Erste Group befestigten sich bis 9:45 Uhr um 0,34 Prozent und die RBI-Anteilsscheine steigerten sich in ähnlichem Ausmaß um 0,36 Prozent. Auch in Europa gab es zwar Kursverluste, doch auch hier hielten sie sich in Grenten: Aktien der UniCredit mussten um 9:30 Uhr ein Minus von 0,54 Prozent verbuchen und die Titel der Deutschen Bank notierten 0,53 Prozent schwächer.

In den nächsten Wochen droht den europäischen Banken allerdings noch mehr Schelte von Ratingagenturen. Die Nummer eins, S&P, will ihre Analyse der staatlichen Unterstützung für deutsche, österreichische und britische Institute Ende Mai abschließen. Moody's hat bereits im März vor Herabstufungen gewarnt. Profitierten bisher noch 40 Prozent der Banken in Europa vom Staat in Form eines um mindestens zwei Stufen besseren Ratings, seien es künftig wohl weniger als fünf Prozent.

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