Siemens verdreifacht Gewinn und streicht 13.100 Stellen

Siemens verdreifacht Gewinn und streicht 13.100 Stellen
Siemens verdreifacht Gewinn und streicht 13.100 Stellen

Restrukturierung bei Siemens: 13.100 Mitarbeiter werden das Unternehmen verlassen.

Siemens Konzernchef Joe Kaeser strukturiert den Technologie-Konzern um. Dabei werden 13.100 Arbeitsplätze von insgesamt 342.000 gestrichen. Das sind um 4500 mehr als bisher kommuniziert. Die Hälfte davon fallen in Deutschland weg. Der Gewinn des Unternehmens hat sich im zweiten Quartal indes verdreifacht - aber das lag eher an außergewöhnlichen Ereignissen.

Siemens streicht wegen anhaltender Probleme im größten Geschäftsfeld Energietechnik weitere 4500 seiner insgesamt 342.000 Stellen. Rund 2200 davon sollen in Deutschland wegfallen. Mit dem erneuten Jobabbau sei "der strukturelle Umbau des Unternehmens in der Hauptsache abgeschlossen", sagt Konzernchef Joe Kaeser.

Mit den Maßnahmen will Kaeser vor allem die Ertragskraft im Stromerzeugungsgeschäft der Division Power and Gas verbessern - dieses bereitet der Konzernführung Kopfzerbrechen, zumal weniger neue Gaskraftwerke gebaut werden als früher. Wo genau die Arbeitsplätze gestrichen werden, blieb zunächst offen.

Österreichische Siemens-Standorte sind jedoch nicht betroffen: "Wir sehen derzeit keine Auswirkungen auf Österreich", sagte Siemens-Österreich-Konzernsprecher Walter Sattlberger. Es gebe aus heutiger Sicht keine Anzeichen dafür, dass auch österreichische Jobs betroffen sind. Was die margenschwachen Geschäftsbereiche betreffe, habe sich Österreich bereits in der Vergangenheit diesbezüglich aufgestellt.

Insgesamt 13.100 Jobs fallen weg

Kaeser will den Münchner Technologieriesen, der von Kraftwerken über Industrieanlagen und Züge bis hin zum Ultraschallgerät ein breites Portfolio bietet, auf die Felder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung konzentrieren und profitabler machen. Im Geschäftsjahr 2016 soll eine Milliarde Euro gespart werden. Kaeser hatte kurz nach seinem Antritt im Sommer 2013 zwei Organisationsebenen gestrichen, für die bis dato Tausende Menschen arbeiteten. Zum Ende des zweiten Geschäftsquartals (per Ende März) zählte Siemens weltweit 342.000 Beschäftigte, davon 114.000 in Deutschland.

Die jüngsten Runden des Stellenabbaus summieren sich auf 13.100 Arbeitsplätze, wovon 5100 im Heimatland betroffen sind. In der Energietechnik war bereits die Streichung von 1200 Jobs beschlossene Sache. Im Februar kündigte der Konzern an, 7800 Stellen zu kürzen, davon 3300 in Deutschland. Nach Verhandlungen mit den Arbeitnehmern reduzierte sich diese Zahl nach Unternehmensangaben auf etwa 2900 Stellen in Deutschland.

ENERGIETECHNIK KÄMPFT MIT MASSIVEM PREISVERFALL

Der Siemens-Konzern, für den einst fast eine halbe Million Menschen rund um die Welt arbeiteten, sorgte in der Vergangenheit immer wieder mit massenhaftem Arbeitsplatzabbau für Schlagzeilen. Bei der Rendite hinken die Münchner allerdings Rivalen wie GE oder ABB hinterher. Wegen der Flaute im Geschäft mit Öl- und Gastechnik hatte ABB vor Kurzem ebenfalls Stellenstreichungen angekündigt. Der schwache Ölpreis setzt den Ausrüstern der Förderbranche immer stärker zu. Die Ölfirmen nehmen weniger ein und drosseln deshalb ihre Ausgaben für neue Technik, die Erschließung von Schiefergas und -öl rechnet sich immer weniger.

Mehr Aufträge, mehr Umsatz

Dabei blickt Siemens eigentlich auf ein erfolgreiches Quartal zurück, wie aus der Ergebnisveröffentlichung Q2 ersichtlich ist: Der Auftragseingang ist im zweiten Quartal um 16 Prozent auf 20,8 Prozent gestiegen - inklusive Großaufträgen im Zuggeschäft. Gerade in diesem Segment muss6te der Konzern in Österreich ja eine Schlappe einstecken: die Wiener Straßenbahnen kommen künftig nicht von Siemens, sondern vom Konkurrenten Bombardier.

Der Gewinn nach Steuern glänzte vor allem durch die Umstrukturierungen: Von den 3,9 Milliarden Euro entfielen 1,6 Milliarden Euro auf den Verkauf der Hörgeräte-Sparte, 1,4 Milliarden Euro auf den Verkauf von Siemens-Anteils an BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH) und 0,2 Milliarden Euro auf die Veräußerung des Geschäfts mit Krankenhausinformationssystemen. Inkludiert man diese insgesamt 3,2 Milliarden Euro in die Rechnung, so hat sich der Gewinn in diesem Quartal verdreifacht.

Das Ergebnis des industriellen Geschäfts ist mit 1,7 Milliarden Euro aber um fünf Prozent rückläufig - wie erwartet ist die Division "Power and Gas" hier das Sorgenkind. Im weltweiten Stromerzeugungsmarkt bleibe das Marktumfeld schwierig, betont Siemens. Die Energietechniksparte kämpfe mit "einem massivem Preisverfall, aggressiven Wettbewerbern und regionalen Überkapazitäten". In der Division Power and Gas soll der Vertrieb gebündelt und das Portfolio gestrafft werden, die Kosten sollen sinken.

Die Restrukturierung samt Stellenabbau schlug im zweiten Quartal im gesamten Konzern mit 140 Millionen Euro zu Buche, wobei der größte Anteil auf Power and Gas entfiel.

Die verbliebenen 13 ertragsschwachen Geschäftsfelder will Siemens weitgehend in Eigenregie auf Vordermann bringen, anstatt sie zu verkaufen. Allenfalls kleine Randgeschäfte wie die Industrieabwasseraufbereitungstechnik stehen laut Insidern zur Disposition. Der Konzern lege einen Schwerpunkt darauf, "diese Geschäfte überwiegend selbst wirtschaftlich und nachhaltig in Ordnung zu bringen", teilte Siemens mit. Handlungsbedarf sehen Experten etwa im Transformatorengeschäft.

KAESER HÄLT AN PROGNOSE FEST

Für 2015 bekräftigte Kaeser die Prognose, wonach die operative Marge im industriellen Geschäft zwischen zehn und elf Prozent liegen soll. Im zweiten Quartal waren es 9,0 Prozent, nach 10,3 Prozent vor Jahresfrist. Vom Volumen her habe sich Siemens auf den Märkten gut behauptet, sagte der Konzernchef. Allerdings profitierte der Umsatz in Höhe von 18 Milliarden Euro stark von Währungseffekten; auf vergleichbarer Basis stagnierte er. "Die Profitabilität des industriellen Geschäfts zeigt, dass wir uns in einigen Geschäften noch verbessern müssen."

Bis 10 Uhr morgens verlor die Aktie von Siemens 2,12 Prozent an Wert und notierte bei 94,80 Euro. Zwar hat profitiert auch die Siemens-Aktie seit Jahresbeginn von der guten Stimmung an den Börsen; mit einem Plus von nur 1,12 Prozent seit 1.1.2015 ist sie aber die viertschlechteste Aktie im deutschen Leitindex DAX.

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