Ölpreis und Euro bringen Siemens-Chef Kaeser ins Schwitzen

 Ölpreis und Euro bringen Siemens-Chef Kaeser ins Schwitzen
 Ölpreis und Euro bringen Siemens-Chef Kaeser ins Schwitzen

Joe Kaeser hat Erklärungsbedarf - zum Ergebnis und zur Strategie

Auf der Hauptversammlung muss Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser Farbe bekennen: Die Geschäfte laufen nicht so rund, wie man sich das noch im Herbst 2014 vorgestellt hat. Der Gewinn sackt um ein Viertel ab, Umsätze und Aufträge sind rückläufig. Die Milliarden-Übernahme von Dresser-Rand macht Siemens zu schaffen. Kaeser hat bereits Gespräche mit dem Betriebsrat angekündigt. Es wird bereits über einen massiven Jobabbau spekuliert.

München. Der Verfall des Ölpreises und die Folgen der europäischen Währungspolitik machen der Siemens-Spitze Sorgen. Im vergangenen Quartal sackte der Gewinn der Münchner binnen Jahresfrist um ein Viertel auf knapp 1,1 Mrd. Euro ab, wie der Konzern am Dienstag vor seiner Hauptversammlung mitteilte.

Während die Umsätze im ersten Geschäftsquartal um 3 Prozent auf 17,4 Mrd. Euro kletterten, sank der Auftragseingang um 13 Prozent auf rund 18 Mrd. Euro. Der milliardenschwere Kauf des Öl- und Gasspezialisten Dresser-Rand werde sich trotz der Flaute in dieser Branche über die Jahre gesehen lohnen, beteuerte Siemens.

Für den Gewinnschwund machte der Konzern unter anderem eine veränderte Zinslage und Schwankungen bei Finanzinstrumenten verantwortlichen. Dies riss ein Loch von 123 Mio. Euro in die hauseigene Vermögensverwaltung. Der im Jänner massiv aufgewertete Schweizer Franken könne die in der Schweiz ansässige Gebäudetechnik künftig zusätzlich belasten, warnte Vorstandschef Joe Kaeser. Die Siemens-Aktie gab knapp zwei Prozent nach.

Operativ lief es für die Münchner in den einzelnen Konzernsparten unterschiedlich. Während das Geschäft mit Energietransfertechnik und Windanlagen brummte, hatten Medizintechnik und die Kraftwerks- und Gassparte (Power & Gas) mit Rückgängen zu kämpfen. Kaeser deutete weitere Einschnitte in dem Geschäft mit Kraftwerkstechnik an. "Power and Gas benötigt ein deutlich weitreichendes Konzept, um längerfristig zu den früheren Margen zurückzukehren", sagte er. Die Sparte hat schwer mit den Folgen des niedrigen Ölpreises zu kämpfen. Siemens hat schon den Abbau von rund 1.200 Stellen in dem Geschäftsfeld angekündigt.

Für das erste Quartal zeigte sich der Vorstandschef insgesamt dennoch zufrieden. "Die meisten unserer Geschäfte haben sich im Rahmen unserer Erwartungen entwickelt", sagte er. Für das Gesamtjahr bekräftigte er, den Gewinn je Aktie um mindestens 15 Prozent zu steigern und eine operative Marge zwischen zehn und elf Prozent zu erreichen.

Gebremste Phantasie

Kaeser räumte ein, dass die Kundschaft im Ölgeschäft ihre Investitionen kurzfristig drosseln könnte. Langfristig blieben aber die Wachstumsaussichten ungebrochen, zeigte er sich zuversichtlich. Er verteidigte auch die fast 8 Mrd. Dollar schwere Übernahme des US-Turbinenspezialisten Dresser-Rand. Kurzfristig müsste die Firma womöglich Rückschläge verkraften, über die Jahre werde sich der Kauf für Siemens aber rechnen. Derzeit gebe es keinen Abschreibungsbedarf, weder durch Währungseffekte noch durch veränderte Geschäftsaussichten, beteuerte Finanzchef Ralf Thomas. Er kann sich im laufenden Quartal durch den Verkauf des Anteils an Bosch Siemens Hausgeräte und der Hörgerätesparte auf einen Sondergewinn von drei Milliarden Euro vor Steuern freuen.

In den beiden Sparten Power & Gas und Medizintechnik dreht sich das Personalkarussell. Der bisherige Divisionschef Roland Fischer räumt Ende Jänner seinen Posten. Seine bisherige Chefin Lisa Davis springt vorübergehend ein. An der Spitze der Medizintechnik nimmt Hermann Requardt zum Monatswechsel seinen Abschied. An seine Stelle tritt zum einen Bernd Montag, der bisher das Tomografensegment leitete. Im Vorstand kümmert sich Siegfried Russwurm um die Medizintechnik, die innerhalb des Konzerns verselbstständigt wird. Seine Rolle als Personalvorstand gibt Russwurm an Janina Kugel ab, eine enge Vertraute Kaesers in der Münchner Konzernzentrale.

Gewinnmitnahmen

Der Aktienkurs hat am Dienstag umgehend reagiert. Gewinnmitnahmen haben Siemens belastet. Der Kurs ist um mehr als drei Prozent auf 99,66 Euro gesunken und war damit schwächster Dax -Wert. Händlern zufolge hatten Anleger auf bessere Quartalszahlen gehofft und nutzten die Gelegenheit, um Kasse zu machen. Siemens-Aktien haben seit Jahresbeginn knapp zehn Prozent zugelegt.

Gespräche mit Arbeitnehmervertretern

Weiter Jobkürzungen stehen offenbar bevor. Siemens-Chef Kaeser hat bevorstehende Beratungen mit Arbeitnehmervertretern über die Auswirkungen des Konzernumbaus bestätigt. Die Gespräche würden in der kommenden Woche aufgenommen "mit dem Ziel, konkrete Vereinbarungen zu treffen", sagte Kaeser am Dienstag zur Hauptversammlung in München.

"Wenn davon Arbeitsplätze betroffen sind, wovon auszugehen ist, sprechen wir zunächst mit den Arbeitnehmervertretern, dann mit den Mitarbeitern", erklärte der Siemens-Chef. Danach werde die Öffentlichkeit informiert.

Nach einem Zeitungsbericht berät der Wirtschaftsausschuss des Unternehmens am 4. und 5. Februar über das Thema. Kaeser hatte Siemens einen radikalen Umbau verordnet, bei dem unter anderem die Sektoreneinteilung des Geschäfts gekippt wurde und die Medizintechnik verselbstständigt wird. Durch die Neuordnung sollen die Kosten um eine Milliarde Euro gedrückt werden. Seit Monaten wird deshalb über tausende bedrohte Jobs spekuliert.

Der Dax-Konzern kämpft mit Wachstums- und Renditeschwäche - deshalb hatte Kaeser ihm auch den größten Umbau seit Jahren verordnet. Mit einer neuen Struktur und der Ausrichtung auf Elektrifizierung, Digitalisierung und Automatisierung soll Siemens mit zuletzt weltweit 343.000 Beschäftigten schneller vorankommen. Doch bis sich die Neuordnung richtig bewährt, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen. Erste Verbesserungen erhofft sich Kaeser für 2016, im folgenden Jahr will er dann die Früchte des Umbaus ernten. Manchen geht das nicht schnell genug. Auch im Tagesgeschäft hakte es zuletzt an einigen Stellen: Nicht nur die maue Nachfrage nach großen Gasturbinen, sondern auch Qualitätsprobleme bei Windkraft-Anlagen machen Siemens im wichtigen Energiegeschäft zu schaffen.

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