Siemens-Bilanz: Joe Kaeser überrascht die Aktionäre

Siemens-Bilanz: Joe Kaeser überrascht die Aktionäre

Siemens CEO Joe Kaeser

Anders als bei den Konkurrenten leidet Siemens nur geringfügig am aktuellen Marktumfeld, auch der Umbau wiegt anscheinend weniger schwer als gedacht - obwohl allein der Abbau von 13.000 Jobs 274 Millionen Euro kostete. Die Erwartungen der Analysten wurden übertroffen, die Aktie steigt.

Ruhe kehrt bei Siemens nach wie vor nicht ein - auch in den zwei Jahren, in denen Joe Kaeser inzwischen am Ruder sitzt. Er verordnete dem Konzern eine Generalüberholung, der ein weiteres Mal etliche der rund 340.000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen sollten; doch auch heute befindet sich der deutsche Industriekonzern mitten im Umbau: Über eine Abnabelung der Medizintechnik wird ebenso spekuliert wie über ein Zusammenlegen der Zugsparte mit jener des Konkurrenten Bombardier - brisant ist das für Österreicher nicht zuletzt deshalb, weil Bombardier zuletzt von den Wiener Linien den Auftrag für die nächste Generation der Straßenbahnen bekommen hat und somit den langjährigen Wien-Partner Siemens aus dem Gleis bombte.

Die jüngste Bilanz von Siemens sieht hingegen gut aus: Anders als bei den europäischen Konkurrenten sackten Gewinn, Auftragseingang und Umsatz bei den Münchnern im abgelaufenen Quartal nur geringfügig ab. Der Überschuss schrumpfte im Wesentlichen nur wegen der Lasten für den laufenden Stellenabbbau. Der Umsatz gab währungsbereinigt um drei Prozent auf 18,84 Milliarden Euro nach, der Auftragseingang fiel um fünf Prozent auf 19,86 Milliarden Euro. Der Gewinn aus fortgeführtem Geschäft nahm binnen Jahresfrist um sieben Prozent auf 1,25 Milliarden Euro ab - das ist besser als die Erwartungen der Analysten. "Insgesamt zeigten unsere Geschäfte trotz eines schwächeren Marktumfelds eine solide operative Profitabilität," erklärt Vorstandschef Joe Kaeser: "Wir erwarten, dass wir unser Momentum mit einem starken Schlussquartal des Geschäftsjahres beibehalten werden".

274 Millionen Euro für Stellenabbau

Während der Umsatz mit Kraftwerkstechnik um 15 Prozent in die Knie ging, überbrückte Siemens die Investitionsscheu der Kundschaft im Energiemarkt als Folge des niedrigen Ölpreises mit Mehreinnahmen in der Netz- und Medizintechnik. Der laufende Stellenabbau trieb erwartungsgemäß die Kosten in die Höhe. Im abgelaufenen dritten Quartal - das Geschäftsjahr des Konzerns endet im September - verbuchte Siemens 274 Millionen Euro dafür. Insgesamt will sich Konzernchef Joe Kaeser den Abbau von gut 13.000 Arbeitsplätzen etwa eine Milliarde Euro kosten lassen.

Im lahmenden Geschäftsfeld Prozessindustrie und Antriebe tauscht Siemens unterdessen den Chef aus. Der Manager Jürgen Brandes wechselt aus der Zugtechniksparte auf den Posten, der bisherige Amtsinhaber Peter Herweck verlässt den Konzern. Siemens-Chef Kaeser hält große Stücke auf die unter dem Namen Prozessindustrie zusammengefassten Geschäfte mit der Chemie- und Pharmaindustrie, zuletzt hatte die Einheit allerdings einen Auftragseinbruch um ein Fünftel verbucht.

Aktionäre sind zufrieden

Für das gesamte Geschäftsjahr 2014/15 bekräftigte Kaeser seine Prognose, wonach der Gewinn je Aktie um mindestens 15 Prozent zulegen soll. Im industriellen Geschäft prognostiziert Siemens eine Marge zwischen zehn und elf Prozent.

Davon, dass der Industriekonzern die Erwartungen der Analysten trotz des schwierigen Marktumfelds übertroffen hat, zeigten sich auch die Aktionäre begeistert: Bis kurz vor 13 Uhr lag die Aktie am Donnerstag 4,12 Prozent im Plus und hatte somit einen Wert von 96,29 Euro. Im laufenden Jahr liegt das Siemens-Papier nun 2,71 Prozent im Plus; die Marktkapitalisierung beläuft sich auf 78,22 Milliarden Euro.

50 Prozent der Analysten raten derzeit zum Halten der Aktie, 37,5 Prozent raten zum Kaufen. Zu den optimistischen Schätzungen des 30. Juli zählt die Societe Generale, die mit einer Kaufempfehlung einen Zielkurs von 110 Euro verknüpft.

Börse

Schwache Dividendenrendite bei Österreichs Börsecompanys

Börse

Deutsche Bank fährt Rekordverlust ein: 6,7 Milliarden Euro

Börse

Ölschwemme bringt weltweit die Börsen auf Talfahrt