Umdenken hilft: Wolken sorgen bei SAP für Schönwetter-Stimmung

Umdenken hilft: Wolken sorgen bei SAP für Schönwetter-Stimmung

SAP-Chef Bill McDermott führt das Unternehmen in eine wolkige Zukunft.

Cloud Computing wird als die Zukunft der Business-IT gesehen, und zwar bei US-Konzernen wie Adobe und Microsoft ebenso wie bei SAP, dem größten Softwarehaus Europas. Die Deutschen haben viel Hirnschmalz in das Konzept gesteckt, und nun fruchten die Bemühungen. Eine Analyse.

Adobe hat seine Creative Cloud, Microsoft sein Office 365 und auch das größte Software-Haus Europas, SAP, sieht in Wolken weitaus mehr als die aktuelle Wetterprognose: Beim sogenannten „Cloud Computing“ findet der Großteil der Rechenleistung nicht mehr auf dem Computer, sondern auf externen Servern statt. Das ist nicht nur technisch effizienter, sondern verändert auch Geschäftsmodelle: Beim „Software as a Service“-Modell (SaaS) werden Programme nicht mehr gekauft, sondern monatlich gemietet. Der Kunde kann dadurch seine Kosten besser abschätzen und bei Bedarf skalieren, der Anbieter profitiert von laufenden Einnahmen.

Der Umstieg auf ein cloud-basiertes Vertriebsmodell ist für Anbieter meist mit neuen Organisationsstrukturen und entsprechenden Kosten verbunden – auf lange Sicht zahlt sich das Umdenken aber aus. Das zeigte bereits Adobe mit seiner Creative Cloud, und nun fruchten offenbar auch bei SAP die Bemühungen.

SAP steigert Gewinn überraschend

Denn SAP hat seinen Gewinn im angelaufenen Quartal überraschend deutlich gesteigert. Das bereinigte Betriebsergebnis erhöhte sich um 19 Prozent auf 1,62 Milliarden Euro; von der Nachrichtenagentur Thomson Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem Betrag zwischen 1,45 Milliarden und 1,59 Milliarden Euro gerechnet.

Das Cloud Computing agiert hier als Zugpferd: Der Umsatz mit dem neuen Geschäftsmodell habe sich im dritten Quartal auf 600 Millionen Euro mehr als verdoppelt und laut SAP selbst ohne das übernommene Unternehmen Concur die meisten reinen Cloud-Anbieter auf dem Markt übertroffen. Insgesamt liegt der Umsatz bei 4,98 Milliarden Euro – für das Geschäft mit der Datenwolke ist also noch viel Potenzial vorhanden.

Das Jahr 2015 sei für SAP nach dem Auf und Ab im ersten Halbjahr nun risikofrei, erklärte Daud Khan, Analyst bei der Bank Berenberg - dank des Cloud Computings, dessen Umsatz sich auf einen längeren Zeitraum verteilt. Laut Finanzchef Luka Mucic sind die Cloud-Angebote zunehmend profitable, Details zum Gewinn der Sparte gibt das Unternehmen nicht bekannt.

Für das Gesamtjahr erwartet SAP wie bisher ein währungsbereinigtes Betriebsergebnis zwischen 5,6 Milliarden und 5,9 Milliarden Euro. Im Jahr 2014 lag dieser Betrag bei 5,64 Milliarden Euro. Details zur Quartalsbilanz will der Konzern am 20. Oktober bekanntgeben.

Große Kunden, große Konkurrenten

SAP ist auf Geschäftssoftware wie für Buchhaltung oder Personalverwaltung spezialisiert und hat einige der weltgrößten Konzerne als Kunden – wer bereits an einem großen internationalen Flughafen umgestiegen ist, dem wird die einprägsame Plakatwerbung der Deutschen nicht entgangen sein.

Zu den großen Konkurrenten gehören Oracle, IBM und Microsoft, sowie das vergleichsweise junge Unternehmen Salesforce. Zugleich scharren bereits neue Mitbewerber in den Startlöchern, darunter der hierzulande noch eher unbekannte Anbieter Workday und der für seinen Onlineshop bekannte US-Konzern Amazon mit seinen Cloud-Diensten für B2B-Kunden.

Aktie gewinnt deutlich nach Zahlen

Die Aktie von SAP lag nach Bekanntgabe der Zahlen deutlich im Plus, bis 10 Uhr vormittags am Dienstag legte sie um knapp fünf Prozent auf 63,53 Euro zu und war somit Spitzenreiter im Dax. Seit Jahresbeginn hat die Aktie um gut neun Prozent zugelegt, die Marktkapitalisierung beläuft sich nun auf gut 78 Milliarden Euro.

Die Entwicklung der SAP-Aktie seit Jahresbeginn.

Mit 24,65 ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) höher als bei den Konkurrenten Oracle (17,26) und Microsoft (18,16), aber niedriger als zum Beispiel bei Adobe (88,11). Das geschätzte SAP-KGV für 2015 liegt bei 17,37. Damit ist die Aktie zwar teurer als so mancher anderer Wert an den deutschen Börsen, allerdings sind hohe KGVs in der IT-Branche keine Seltenheit.

Analysten haben am Dienstagmorgen ihre Empfehlungen zum Kaufen und Halten der Aktie bestätigt. Insgesamt empfehlen derzeit 48,8 Prozent der vom Finanzinformationsdienst Bloomberg befragten Analysten die Aktie zu kaufen, 37,2 Prozent raten zum Halten und nur 14 Prozent raten zum Verkaufen. Das Konsensrating (1=starker Sell; 5=starker Buy) liegt bei 3,67, den Zielkurs setzen die Analysten auf 70,05 Euro, was einem Ertragspotenzial von 10,2 Prozent entspricht.

Fazit

Wer bereits Aktien von SAP hat, der sollte sie noch halten; wer noch keine hat, kann sie dem Portfolio hinzufügen. Offensichtlich sind im lukrativen Geschäft mit Cloud Computing bereits die ersten Schritte getan, es besteht aber noch viel Potenzial nach oben. Auch wächst das Interesse der Kunden nach derartigen Lösungen. Eine Gefahr für SAP ist die Konkurrenz, die sich aus etablierten IT-Konzernen mit starker Marktmacht und wendigen Newcomern zusammensetzt.

Peer Group: SAP und seine Konkurrenten im Vergleich
Unternehmen Marktkapitalisierung (Mrd. Euro) Empfehlungskonsens Kurs KGV YTD-Ertrag
SAP 78,07 3,67 60,23 24,65 +10,90%
Salesforce 43,9 4,43 66,68 -- +27,94%
Workday 13,05 4,00 68,12 -- -5,02%
Adobe 36,70 4,11 73,75 88,11 +15,43%
Oracle 142,23 4,02 33,43 17,26 -14,22%
Microsoft 329,57 3,83 41,30 18,16 +3,24%
Quelle: Bloomberg/format.at/Stefan Mey

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