Sand im Getriebe bei Tesla

Sand im Getriebe bei Tesla
Sand im Getriebe bei Tesla

Tesla-Gründer und CEO Elon Musk hat Erklärungsbedarf - die Zahlen stimmen nicht so richtig mit dem überein, was zuvor prognostiziert wurde.

Der Wachstumsmotor beim Elektroauto-Pionier Tesla stottert kräftig. Die Expansion des US-Autoherstellers mit der Ausweitung des Produktportfolios verschlingt offenbar mehr Geld als das Top-Management kalkuliert hat. Die Kreditlinie ist nach kurzer Zeit überschritten. Der Börsenstar verliert zumindest derzeit an Glanz und an Vertrauen. Die Aktie verliert kräftig.

Autos bauen ist eine Sache, doch das reicht dem US-Elektroauto-Hersteller Tesla nicht. Eine riesige Batteriefabik in der Wüste von Nevada soll das Portfolio noch ergänzen. Nicht irgendeine Fabrik, sondern ein Werk, in dem Hochleistungsakkus soll einen neuen Schub bringen, damit nicht nur gut Betuchte sich à la longue die Nobelkarossen leisten können. Und noch wichtiger: Der Sportwagen US-amerikanischer Provenienz braucht den nächsten Schub, damit die zum Teil bis zu 700 PS schweren Autos auch bei höheren Geschwindigkeiten und der Nutzung der Klimaanlage weiter als 300 Kilometer kommen, ohne dass der Akku ans Netz gesteckt werden muss.

Die Investoren hatte Tesla bislang überzeugt. Die Ausbaupläne samt Strategie wurden goutiert. Und die Spekulanten hatten in den vergangenen zwei Jahren stets gejubelt. Die Aktie ist von einem Rekordhoch zum nächsten geeilt. Das Auto selbst, aber auch die Aussicht auf eine neue Batterietechnologe hat Anleger bei Laune gehalten. Tesla-Gründer Elon Musk hat es offenbar auch geschafft, dass ein E-Auto "sexy" sein kann. Die Strom-Autos gelten in den USA als stylisch, schick und scheuen was die Ausstattung und Design betreffen nunmehr keinen Vergleich zu den Edelherstellern. Auch was den Preis betrifft sind sie im Top-Segment: In Europa muss man mindestens 71.000 Euro für den kleinsten Tesla hinblättern.

Aber nicht nur Autos bringen Tesla in die Pole Position der Investoren: Im Silicon Valley gieren Kapitalgeber geradezu auf die bahnbrechende Entwicklung von Akku-Technologien, die Autos, aber auch Computern und Smartphones die Betriebszeit auf mehr als bestenfalls ein Arbeitstag verlängern.

Für Tesla bedeutet die Ausweitung der eigenen Kapazitäten freilich auch die Erhöhung der Freiheitsgrade und somit Unabhängigkeit von Zulieferern. Und vor allem: Das Innovationstempo kann von Tesla selbst aktiv gesteuert werden. Und Tesla will nicht nur für die eigenen Autos, sondern auch mit Batterien und Stromspeicher für Häuser und Geschäfte ein neues Geschäftsmodell eröffnen.

"The Tesla Gigafactory" - die Investition in die neue Akku-Produktion in der Wüste von Nevada nahe Reno ist für den Stromauto- und Batterienbauer tatsächlich "giga". Die Investitionskosten sind weit über dem Budget. Die Kreditlinie muss kräftig erhöht werden.

Zwei Hiobsbotschaften zu Finanzen

So weit die Theorie, die mit geeigneten Methoden in die Praxis umgesetzt werden soll. Doch Tesla hat Probleme und hält nicht das was er verspricht. Es sind nicht nur die jüngsten Ergebnisse, die Investoren sorgen. Die erst kürzlich verhandelte Kreditlinie über 500 Millionen Dollar kann nicht gehalten werden, was offenbar schwerer wiegt. Offenbar hat sich der Finanzchef beim Kapitalbedarf verhauen. Noch ein kräftig gehäuftes Schäuferl müssen die Kapitalgeber nachlegen. 750 Millionen Euro seien nun notwendig, um die Investitionen der Werke in Kalifornien zu heben. Tesla-Gründer Musk hat eine Erklärung für die derzeitige Misere: Investitionen hätten den Verlust vergrößert.

Und noch ein Botschaft hat die Launen gedrückt: Für das vergangene Quartal wurde ein Verlust von 184 Millionen Dollar bekanntgeben - dreimal so viel Verlust zum Vorjahresvergleich als ein Minus von 62 Millionen Dollar geschrieben wurde. Der Umsatz ist hingegen um fast ein Viertel auf 955 Millionen Dollar gestiegen. Mit Batterien und Stromspeichern will Tesla ab kommendem Jahr zwischen 400 bis 500 Millionen Dollar einnehmen.

Und noch eine Botschaft hat die Anleger geschreckt: Die Bargeldreserven des UNternehmens schmelzen dahin. Ende Juni waren noch 1,15 Milliarden Dollar in der Kasse. Ende 2014 waren es noch 1,9 Milliarden Dollar.

Damit gerät der Tesla-Wachstumsmotor etwas ins Stocken. Im ersten Quartal wurden bereits 154,2 Millionen Dollar Verlust eingefahren. Auch mit der Produktion tut sich das Unternehmen nicht ganz leicht. Tesla wollte heuer 55.000 Autos bauen. Nun heißt es, dass 50.000 bis 55.000 Autos vom Band rollen. Eine weitere Unschärfe, die Anlegern überhaupt nicht gefällt. Dabei will Tesla-Gründer Musk aber im kommenden Jahr noch höher hinaus. 83.000 bis 93.000 Stromautos sollen dann vom Band rollen.

Im Jahr 2013 setzte die Tesla-Aktie zu ihrem größten Kurssprung an. Gewinnmitnahmen zu Jahresende wurden im 1. Quartal 2014 wieder überkompensiert. Jetzt ist das Papier wieder unter den Spitzenwert von 2014 gerutscht.

Die jüngsten Ankündigungen haben den Anlegern überhaupt nicht gefallen. Die Aktie ist vor allem wegen dem steigenden Finanzbedarf zwischenzeitlich um zehn Prozent abgestürzt. Gegenüber dem Jahresjoch von 285 Dollar am 20. Juli hat die Tesla-Aktie damit sogar schon 45 Dollar oder 16 Prozent an Wert verloren.

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