Rocket Internet mit Fehlzündung zum Börsendebüt

Nach dem wenig schmeichelhaften Börsendebüt des Online-Händlers Zalando, wollen die drei Samwer-Miteigentümer und Gründer mit der Startup-Schmiede Rocket Internet richtig Kasse machen. Der Ausgabepreis für die Rocket-Aktien wurde am Dienstagabend am oberen Ende der Preisspanne von 35,50 Euro bis 42,50 Euro fixiert. Das Börsendebüt wurde zum Desaster. Die Champagnerlaune war schnell verflossen. Und auch Zalando bekommt am zweiten Tag seiner Notierung sein Fett ab: Die Aktie ging am zweiten Tag auf Talfahrt seiner Notierung von vornherein auf Talfahrt.

Rocket Internet mit Fehlzündung zum Börsendebüt

Wien. Börsendebüt mit Fehlstart: Eine Börsenrakete sollte am Donnerstag mit dem Börsengang der deutschen Internet-Holding Rocket Internet gezündet werden. Satt steil nach oben ging der Kurs nach der Erstnotiz gleich ins Minus - eine klassische Fehlzündung mit harter Bauchlandung war das IPO von Rocket Internet. Nur Stützungskäufe von Banken sollen zwischendurch noch Schlimmeres verhindert haben. Bis zu 14 Prozent betrug das Minus. Im Verkauf des Tages ging das Minus wohl auf 2,4 Prozent zurück. Zum Börseschluss stand mit dem IPO von Rocket Internet endgültig das Desaster fest: Fast 13 Prozent hatte die Aktie zur Erstnotiz in der Früh verloren.

Rocket Internet holt aus ihrem Börsengang dennoch den größtmöglichen Erlös heraus. Die Aktien erstmals an der Frankfurter Börse notiert, wurden am Mittwoch zu 42,50 Euro zugeteilt , der oberen Grenze der Preisspanne, die von 35,50 Euro bis 42,50 Euro zuvor angegeben wurde.

Damit reizt das von den Start-up-Investoren Oliver, Marc und Alexander Samwer dominierte Unternehmen die Preisspanne voll aus und nimmt mit dem Börsengang bis zu 1,6 Mrd. Euro ein. Rocket hätte nach eigenen Angaben zu diesem Preis auch mehr als das Zehnfache der 37,9 Millionen angebotenen Papiere losschlagen können. Es ist der größte Börsengang eines Internet-Unternehmens in Europa seit dem Boom-Jahr 2000 und die größte Neuemission in Deutschland seit sieben Jahren.

Ab in die Glas-Box

Angesichts der miesen Kursentwicklung hat es den Samwer-Brüder auch die Stimmung geraubt. Sie flüchteten recht bald nach dem Start der Notierung vom Börsenparkett in eien abgeschottete Glasbox. Laut Reuters fanden die Hostessen mit ihren Tabletts gefüllt mit Champagner keine Abnehmer mehr.

Ein Grund für das Desaster: Der Start-up-Finanzierer Rocket Internet schreibt selbst rote Zahlen. Warnungen, die Aktien zu zeichnen gab es zuhauf.

Kräftige Vorauskasse

Mit dem festgelegten Preis für eine Aktie ist Rocket Internet 6,7 Mrd. Euro wert - mehr als Europas größte Airline Lufthansa, deren Börsenwert heute 5,5 Milliarden Euro beträgt. Bis zu 24 Prozent der Anteile von Rocket Internet sind künftig in den Händen von neuen Investoren. Feste Aktienorders über knapp 600 Mio. Euro hatte Rocket schon vor Beginn der Zeichnungsfrist in der Tasche. Organisiert wird der Börsengang von Berenberg, JPMorgan und Morgan Stanley.

Die Holding gründet vor allem in Schwellenländern wie Indien und Brasilien wie am Fließband Online-Dienstleister - vom Möbelhändler bis zum Taxi-Dienst. Rocket bedient sich dabei Geschäftsmodellen, die andere Startup-Unternehmer etwa in den USA schon mit Erfolg erprobt haben. Die Rocket-Firmen, die im Schnitt erst zwei Jahre alt sind, schreiben in der Regel aber noch hohe Verluste. Mit dem Börsengang hat Rocket mehr als 2 Mrd. Euro auf der hohen Kante.

Drin bleiben statt Exit


Oliver Samwer will künftig die neu gegründeten Unternehmen bei Erfolg auf Dauer behalten und nicht mehr wie bisher rasch Anteile an andere finanzkräftigere Investoren abgeben. "Ich bin davon überzeugt, dass Rocket überaus gut positioniert ist, um die Wachstumschancen des Internethandels vor allem in den aufstrebenden Märkten zu nutzen und die führende Internetplattform außerhalb der USA und Chinas zu werden", sagte Samwer. Er und seine beiden Brüder geben ebenso wie die anderen Alt-Eigentümer beim Börsengang keine Anteile ab. Die Beteiligung des Global Founders Fund der Samwers wird aber auf knapp unter 40 von 52 Prozent verwässert. Der schwedische Internet-Investor Kinnevik hält künftig noch 14 Prozent.

Spekulanten bestrafen Zalando und Kinnevik

Auch Kinnevik hat gestern und heute bereits sein Fett an der Börse abbekommen: Die schwachen Börsendebüts Rocket
Internet sowie Zalando drücken die Aktien der schwedischen Holding in Stockholm erneut stark ins Minus. Gestern verloren Kinnevik 9,6 Prozent, heute fast 5,9 Prozent.

Der ebenfalls von den Samwers und Kinnevik beherrschte Online-Modehändler Zalando hatte am Mittwoch ein eher enttäuschendes Börsendebüt gefeiert. Zum Xetra-Handelsschluss lag die Zalando-Aktie mit 21,50 Euro genau wieder auf dem Kurs, zu dem die Papiere ausgegeben worden waren. Am zweiten Tag der Notierung verlor Zalando rund 13 Prozent auf 18,77 Euro.

Das Unternehmen hatte die Aktien für einen Euro weniger ausgegeben als möglich, obwohl die Nachfrage ebenfalls zehn Mal so groß gewesen war wie das Angebot. Rund 604 Millionen Euro haben die Eigentümer von Zalando von der Börse abgeholt. Zusammen mit Rocket Internet holen die Samwers und ihre Partner binnen zwei Tagen über 2,2 Milliarden Euro von der Börse - für europäische Verhältnisse eine gute Börse.

Auch bei Zalando geht es heute bergab. Die Aktie notierte am Donnerstag permanent mit rund sieben Prozent im Minus. Kurz nach der Mittagsstunde beläuft sich das Minus auf 7,8 Prozent bei einem Kurs von 19,91 Euro.

Warnungen der Aktionärsvereinigung

Massive Kritik hagelte es bereits am Mittwoch von Aktionärsschützern. Die deutsche Aktionärsvereinigung DSW warnt Privatanleger vor dem Kauf von Aktien des Online-Modehändlers Zalando sowie des Internet-Konglomerats Rocket Internet. "Vorsicht vor einem neuen Neuen Markt. Das ist nichts für sicherheitsbewusste Privatanleger", sagte DSW-Vize-Präsident Klaus Nieding am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Es ist ein spekulatives Investment." Eine Geldanlage in die beiden Werte sei nur etwas für "Spezialisten", warnten andere Experten.

Der Kauf von Zalando-Aktien, die bei ihrem Börsendebüt am Mittwoch zunächst deutlich über dem Ausgabepreis von 21,50 Euro notierten und am Börseschluss dann genau wieder auf den Ausgabekurs zurück gefallen war, berge große Risiken, sagte Nieding. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren keine Gewinne erwirtschaftet. Davor hatte das Unternehmen Verlust bis in dreistelliger Höhe eingefahren. Zudem hätten die früheren Mehrheitsaktionäre weiter großen Einfluss. Außerdem hält sich das Unternehmen bisher immer stets bedeckt, was die Transparenz zu den Unternehmensdaten betrifft.

Noch kritischer sieht Nieding den für Donnerstag geplanten Börsengang von Rocket Internet; die Firma ist weltweit an Dutzenden Start-Ups beteiligt. Die meisten von ihnen schreiben rote Zahlen.