Samsung überrascht Analysten - Aktie hebt ab

Samsung überrascht Analysten - Aktie hebt ab

Koreas heißeste Exportartikel - Smartphones der Marke Samsung.

Samsung, der IT-Riese hinter den Galaxy-Smartphones, hat Umsatz und Gewinn deutlich gesteigert und damit für eine Überraschung gesorgt. Die Aktie hebt ab und gilt als heißer Tipp. Eine Analyse.

Im fernen Osten geht die Sonne endlich wieder auf, zumindest für Samsung. Die Aktien des südkoreanischen Elektronikherstellers sind am Mittwoch nach der Bekanntgabe der vorläufigen Quartalszahlen um 8,7 Prozent auf 1.251.000 Koreanische Won (961,85 Euro) gestiegen - ein so großes Plus hat es bei dem Unternehmen hinter den beliebten Galaxy-Smartphones seit Jänner 2009 nicht mehr gegeben.

Die Aktie von Samsung im Verlauf der vergangenen 12 Monate. Zum Vergleich die relative Entwicklung von Apple (blau), Microsoft (rot) und HTC (grün).

Der Grund dafür ist, dass Samsung mit den vorläufigen Quartalszahlen die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen hat. Der Gewinn stieg im vergangenen Quartal auf 7,3 Trillionen Won (5,6 Milliarden Euro), während Analysten im Durchschnitt bloß mit 6,7 Trillionen Won gerechnet hatten. Der Umsatz stieg laut Samsung um 7,5 Prozent auf 51 Trillionen Won, Analysten hatten mit 50,6 Trillionen Won gerechnet. Die endgültigen Ergebnisse werden Ende des Monats bekannt gegeben.

Galaxy S6 Edge Plus und Note 5 punkten

Dem Unternehmen spielte dabei vor allem der schwache koreanische Won in die Hände, der im Vergleich zum Vorjahr gegenüber dem Dollar um zwölf Prozent an Wert verloren hat. Doch auch die einzelnen Produktsparten entwickeln sich nun wieder besser: So soll der operative Gewinn in der Mobilfunksparte im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent auf 2,2 Trillionen Won gestiegen sein – das wäre nach sieben Quartalen das erste Mal, dass Samsung in dieser Sparte wieder ein Plus verzeichnet. Dabei profitierte das Unternehmen vor allem davon, ein Rennen gegen die Zeit gewonnen zu haben: Die neuen Modelle Galaxy S6 Edge Plus und Note 5 waren bereits im August auf den Markt gekommen, wodurch man dem Erzfeind Apple zuvorgekommen war.

In der jüngsten Vergangenheit hatte Samsung erstens unter dem starken Konkurrenten Apple im Segment der Premium-Smaertphones gelitten, und zweitens unter der Billig-Konkurrenz aus China und Indien. Der Verkauf des Galaxy S6 hatte sich eher schleppend entwickelt, weshalb der Konzern den Preis für das Smartphone-Flaggschiff um 120 Dollar senken musste. Laut einer Befragung des Finanzinformationsdienstes Bloomberg unter Analysten hat Samsung im vergangenen Quartal 81 Millionen Smartphones verkauft, nach 72 Millionen Smartphones im vorherigen Quartal.

Lieferant für die Rivalen

Prächtig haben sich aber augenscheinlich auch andere Sparten entwickelt, bei denen Samsung seine Rivalen beliefert – so etwa die Halbleiter, die auch an den Konkurrenten Apple verkauft werden. Hier stieg der Gewinn Analysten zufolge im vergangenen Quartal um 54 Prozent auf 3,5 Trillionen Won. Samsung investiert hier in neue Technologien: Erst im vergangenen Monat wurde in Santa Clara, Kalifornien, ein neues F&E-Zentrum für Halbleiter-Technologien eröffnet – 15 Autominuten vom Apple-Headquarter in Cupertino entfernt.

Die Bildschirmsparte verzeichnete im vergangenen Quartal einen Gewinn von 700 Milliarden Won, nach 60 Milliarden Won im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Hier profitiert Samsung vom Trend zu Smartphones mit größeren Displays, die entsprechend mehr kosten. Chinesische Hersteller machen in dieser Sparte inzwischen 30 Prozent des Umsatzes aus, nach 20 Prozent im Vorjahr.

Zeichen des Aufschwungs

„Nun ist die Zeit reif, um den Wert der Unternehmenssektoren neu zu evaluieren“, sagt Lee Jae Yun, ein Analyst bei Yuanta Securities Korea Co zu den aktuellen Zahlen: „Das dritte Quartal liefert Anzeichen, dass der zwei Jahre währende Abschwung sich nun dem Ende zuneigt.“ Die Aktie, die im heurigen Jahr bereits Federn lassen musste, verzeichnete nach dem jüngsten Plus in Fernost nur noch ein Minus von 5,73 Prozent für das laufende Jahr. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt trotzdem noch bei attraktiven 9,20.

Insgesamt empfehlen nun 85,5 Prozent der bei Bloomberg gelisteten Analysten die Samsung-Aktie zum Kauf, das Konsensrating (1=starker Sell; 5=starker Buy) liegt bei 4,56 – im Branchenvergleich mit den direkten Marktbegleitern wird lediglich Sony von den Analysten noch besser bewertet. Samsungs Ertragspotenzial sehen die Experten bei 20,3 Prozent.

Fazit

Mit dem niedrigen KGV ist die Aktie billig, was definitiv für einen Kauf spricht. Zum Vergleich: Das KGV von Apple liegt nun bei 12,85, jenes von Microsoft mit seinen Lumia-Smartphones bei 18,06. Mit dem früheren Marktstart der jüngsten Flaggschiffe sind die Koreaner dem Konkurrenten Apple in die Parade gefahren, zudem hilft die breite Aufstellung als Konzern für Unterhaltungselektronik, Smartphone-Gigant und Lieferant für die Konkurrenz. Fraglich ist, ob die Schwalbe bereits einen Sommer macht – oder ob der IT-Riese Apple und die aufkeimende Billig-Konkurrenz auf Dauer doch zu starke Konkurrenten sind für die Koreaner.

Relative Bewertung zum Mitbewerb
Unternehmen Marktkapitalisierung (Mrd. USD) KGV YTD-Ertrag Empfehlungkonsens (1-5)
Samsung 159,09 9,20 -5,65% 4,56
Apple 634,77 12,85 2,12% 4,42
Sony 33,7 -- 30,06% 4,57
LG 6,54 24,37 -21,66% 3,86
Microsoft 373,91 18,06 2,69% 3,83
Blackberry 3,56 -- -38,21% 2,55
HTC 1,63 -- -54,62% 1,59
Quelle: Bloomberg/format.at/Stefan Mey

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