Rocket Internet mit vielen Gründungsphantasien

Rocket Internet mit vielen Gründungsphantasien

Rocket-Internet-Gründer Olvier Samwer hat neue Phantasien für Start-ups in Afirka und Fernost.

Der Börsenneuling will im Jahr 2015 zehn neue Start-ups gründen. Der Börsenneuling will sein Netzwerk auf 25.000 Beschäftigte ausbauen. Zu den Ergebnissen der Holding hält sich Rocket Internet noch immer zurück. Die Unternehmen protzt mit einem Dickicht von Zahlen, eigenen Kennziffern, zum Teil dreistelligen Umsatzzuwächsen sowie massiven Verlusten.

Berlin. Rocket Internet präsentiert Zahlen - nicht die eigenen, sondern die von seinen zahlreichen Start-ups wie vom Modehändler Dafiti und Lamoda und die Möbelhändler Home24 und Westwing. Dabei handelt es sich um branchenübliche Kennziffern und eigene "Kennzahlen". Die Unternehmen werden teilweise hochgelobt, obwohl sie weiterhin massive Verluste einfahren.


Kaum überraschend für den Beobachter, dass die seit Oktober börsennotierte deutsche Internet-Holding Rocket Internet ihre größten Beteiligungen nach dem ersten Halbjahr auf dem richtigen Kurs sieht. "Wir sind auf einem guten Weg und die Entwicklung unserer 'Proven Winners' hat unsere Erwartungen erfüllt", erklärt Gründer und Konzernchef Oliver Samwer in einer Aussendung. Um gleich zum großen Schlag auszuholen - rein verbal.

Rocket Internet will von den Schwellenländern profitieren. "Um vom Wachstum des Internethandels in den Schwellenländern zu profitieren", sei man freilich sei gut positioniert. Die Online-Reisebranche hat es den Rocket-Internet-Gründern offenbar angetan. Sie wollen dort investieren. Was freilich ganz logisch zu sein scheint. Die Mittelschicht in Ländern wie Indien und Indonesien wächst. Und da gibt es Wachstumschancen. Mode und Möbelhandel, Essen-auf-Rädern oder Taxi-Dienst scheinen trotz nicht gerade profitträchtiger Performance weiterhin auf der Agenda ganz oben auf. Rocket Internet schaut sich dabei Geschäftsmodelle von Start-ups vor allem in den USA ab, adaptiert sie und versucht die Newcomer unter eigener Flagge zum Erfolg zu bringen - um sie später teuer zu verkaufen.

"Es ist unser Ziel, auch 2015 wieder mindestens zehn neue Start-ups auf den Weg zu bringen", erklärt Samwer. Zudem sei Rocket auf gutem Weg, die für 2014 angepeilten zehn Unternehmensgründungen zu erreichen. Sieben neue Geschäftsmodelle seien bereits gestartet, "drei weitere in Vorbereitung". Das gesamte Netzwerk habe derzeit rund 25.000 Beschäftigte und damit etwa 4500 mehr als Ende Juni 2014.

Die Macht der großen Zahlen

Die Entwicklung der Start-ups wird mit einem umfangreichen Zahlenwerk präsentiert. So wird etwa das "Gross Merchandise Volume" (GMV) heran genommen, mit dem der Wert der gehandelten Online-Waren der Rocket-Beteiligungen beziffert wird sowie das "organische Bruttotransaktionsvolumen". Oder auch die "Proven Winners" und '"Emerging Stars", nach Eigendefinition Unternehmen, die mit Ausblick in die Zukunft angeblich Großes verheißen. Die Online Modehändler, die in den Schwellenländern ansässig sind, wird Rocket Internet mit Jahresende zur Global Fashion Group zusammengefassen. Freilich verzeichnen diese Unternehmen laut Mitteilung weiterhin "erhebliche Fortschritte und sind auf gutem Wege, ihren Zusammenschluss bis zum Jahresende abzuschließen".
Noch eine Kennziffer: Mit dem LPV (Last Portfolio Value) soll die Wertsteigerung des Unternehmens dargestellt werden. Rocket Internet soll demnach eigenen Angaben zufolge seinen den Wert der Beteiligungen seit Börsengang am 1. Oktober um 74 Millionen Euro gesteigert haben.

Große Zahlen, große Verluste

Die sogenannten "Proven Winners" hätten im ersten Halbjahr binnen Jahresfrist ihr Bruttowarenvolumen ("GMV") etwas mehr als verdoppelt. Dies gilt als Summe, die Internethändler durch Verkäufe über ihre Website einspielen. Diese größeren Beteiligungen hätten zudem operativ gut zugelegt und ihre EBITDA-Marge im Schnitt zum zwölf Prozentpunkte im Vergleich zum Gesamtjahr 2013 verbessert. Allerdings: die Beteiligungen in Russland, Brasilien oder Indien verzeichnen zwar dreistelligen Zuwächse beim Umsatz bzw. Bestellungen. Beim Gewinn (vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen) fahren die Start-ups noch immer massive Verluste ein. Sinkende EBITDA-Margen, die sich von minus 52 auf minus 33 Prozent reduzieren, etwa beim russischen Mode-Onliner Lamoda, werden gar als Erfolg abgefeiert. Der Hinweis, dass der Verlust auf 1,2 Milliarden Rubel gestiegen ist (um wie viel, wird in der Aussendung nicht mitgeteilt), wird ebenso ausgewiesen.

Beispielhaft für eines der Unternehmen, das von Rocket Internet selbst eine große Zukunft beschieden bekommt, ist das "Essen-auf-Rädern-Service" Foodpanda. Es ist vor allem in Indien, Russland und Südostasien tätig - hat im ersten Halbjahr 2014 den Marktführer DeliveryClub in Russland übernommen. Foodpanda erzielte einen Rohertrag von 1,0 Mio. Euro, was einer Marge von 84 Prozent entspricht. Der absolute EBITDA-Verlust betrug laut Rocket-Mitteilung stramme 11 Mio. Euro. Das "organische Bruttotransaktionsvolumen" belief sich bei Foodpanda auf 9 Mio. Euro, was laut Rocket Internet einem Anstieg von 429 Prozent entspricht. Das Zahlenwerk motivierte das Rocket-Internet-Management Foodpanda sogleich vom "Emerging Star" zum "Proven Winner" zu befördern.

Rocket Internet ist mit 2. Oktober an die Börse gegangen. 1,4 Mrd. Euro wurden von Investoren eingesammelt. Das Börsendebüt blieb allerdings weit unter den Erwartungen. Von "Fehlzündung" war die Rede. Der Börsenkurs war zunächst auf Talfahrt gegangen - minus 13 Prozent bei 37 Euro. Mit 42,50 Euro ging die Aktie beim Debüt in den Handel. In der Zwischenzeit hat sich die Aktie erholt und notiert bei 48,27 Euro. Viele der Start-up-Firmen, die auch in Ländern wie Indien, Brasilien oder Russland sitzen, hat Rocket Internet keine und nur zögerlich Bilanzen präsentiert. Die Rocket-Internet-Aktie notiert deshalb im schwach regulierten Entry Standard.

Samwer will künftig die neu gegründeten Firmen bei Erfolg auf Dauer behalten und nicht mehr wie bisher rasch Anteile an andere finanzkräftigere Investoren abgeben. Insgesamt hat der Start-up-Investors in 20 Unternehmen investiert, die in 36 verschiedenen Ländern tätig sind. Rocket Internet hat zuletzt In Afrika sieben, in Asien sechs neue Landesgesellschaften gegründet.

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