Raiffeisen prüft Verkauf der Osteuropa-Töchter

Raiffeisen prüft Verkauf der Osteuropa-Töchter
Raiffeisen prüft Verkauf der Osteuropa-Töchter

RBI-Chef Karl Sevelda

Die RBI hat ein hartes Jahr hinter sich, Rubvelverfall und Wirtschaftsflaute machen der Osteuropabank zu schaffen. Nun werden die Osteuropa-Standorte genauer unter die Lupe genommen, zur Debatte steht unter anderem der Verkauf der defizitären Online-Tochter Zuno.

Die ungarische Tochter der Raiffeisen Bank International (ISIN: AT0000606306) schafft nach Einschätzung eines Raiffeisen-Managers nicht genügend Wert für die Eigentümer. "Es ist ein großartiges Geschäft, wir machen dort alles richtig, aber im Moment wirft es keinen Wert für die Aktionäre ab und das kann man nicht für immer ignorieren", sagte RBI-Vorstand Peter Lennkh am Dienstag auf einer Euromoney-Konferenz in Wien. Zuvor hatte Raiffeisen angekündigt, sämtliche Geschäftsbereiche unter die Lupe zu nehmen und sich eventuell aus dem einen oder anderen Markt zurückzuziehen.

In Ungarn machten Banken neben hohen Steuern zuletzt Zwangsmaßnahmen der Regierung zu schaffen: Diese zwang sie, Franken-Kredite in Forint zu tauschen und die Verluste aus der Umwandlung zu schultern. Raiffeisen hatte bereits zuvor einen Verkauf der ungarischen Tochter geprüft, den Plan aber dann nicht weiterverfolgt.

Verkauf von Online-Tochter Zuno

Außerdem bestätigt die Bank den Bericht einer tschechischen Tageszeitung, laut dem ein Verkauf der defizitären osteuropäischen Online-Tochter Zuno geprüft wird: "Das stimmt überein mit unserer weiteren Strategie, jene Geschäftsbereiche und Märkte zu restrukturieren und/oder zu verlassen, die signifikant Kapital brauchen", sagte eine Raiffeisen-Sprecherin am Dienstag.

Raiffeisen hatte Zuno vor einigen Jahren als Online-Tochter gegründet. Derzeit hat diese der Bank zufolge 230.000 Kunden, rund 60 Prozent davon in Tschechien, die restlichen in der Slowakei. Dem Blatt zufolge erwartet Raiffeisen erste Angebote bis Mitte Februar.

Börsepläne bei Polbank

Anfang Jänner behaupteten Insider zudem, dass die RBI nicht nur einen Verkauf der polnischen Tochter, sondern auch einen Börsengang des Instituts im laufenden Jahr in Betracht ziehe. Der Börsengang könne dabei größer ausfallen als ursprünglich geplant, sagte eine der mit den Planungen vertrauten Personen: "Das angebotene Paket würde 30 bis 40 Prozent umfassen, statt 15 bis 20 Prozent", sagte einer der Insider.

Raiffeisen hatte bereits angekündigt, bis spätestens Mitte 2016 15 Prozent der Polbank an die Börse zu bringen - um die polnischen Aufseher zufriedenzustellen. Nun sei der Gang an den Kapitalmarkt jedoch eine willkommene Maßnahme, um sich frisches Geld zu holen, sagten die Insider.

Ein RBI-Sprecher erklärte daraufhin, die Bank konzentriere sich derzeit auf die Vorbereitungen für einen Börsengang der Polbank. "Größe, Struktur und Zeitpunkt sind noch offen." Im Dezember hatte Reuters von Insidern erfahren, dass RBI auch einen Komplettverkauf der Tochter ins Visier nimmt - neben dem Verkauf einer Minderheit über die Börse.

Erster Jahresverlust der RBI-Geschichte

Die Osteuropabank erwartet 2014 den ersten Jahresverlust ihrer Geschichte. Vor allem der starke Wertverfall des Rubel und das schwache Wirtschaftswachstum in Russland bringen die Prognose der RBI ins Wanken. Ob die Bank 2014 wie angekündigt einen Verlust von maximal einer halben Milliarde Euro verbuche, hänge von der Entwicklung in Russland ab, sagte Firmenchef Karl Sevelda der "Raiffeisen-Zeitung". Anfang des Jahres hatte das Institut vor einer möglichen Abschreibung des verbleibenden Firmenwerts der Russland-Tochter von 148 Millionen Euro gewarnt.

Raiffeisen zählt zu den größten ausländischen Banken in Russland. Die dortige Tochter hatte vor der Ukraine-Krise einen Großteil des gesamten Konzerngewinns erwirtschaftet. Im vergangenen Jahr habe das Institut einen Gewinn von "deutlich über 300 Millionen Euro" verbucht nach 469 Millionen Euro im Jahr davor, hatte die RBI mitgeteilt. Künftig könnte der Gewinn in Russland jedoch geringer ausfallen, hatte das Institut gewarnt. Während der Rubel-Verfall das Eigenkapital drückt, dürfte die maue Wirtschaftsentwicklung zu einer steigenden Zahl fauler Kredite führen, für die die Bank Vorsorgen bilden muss. Zu den Kunden der russischen Tochter zählen sowohl große Unternehmen als auch Privatkunden. In der Ukraine, wo Raiffeisen ebenfalls eine große Bank besitzt, habe das Institut hohe Verluste eingefahren. "Wir haben in den Regionen Donezk und Lugansk unsere Engagements zu 80 Prozent abgeschrieben, das sind Wertberichtigungen in der Höhe von etwa 500 Millionen Euro", sagte Sevelda.

Jahresverlierer im ATX

Im Jahr 2014 war die RBI-Aktie der größte Verlierer im ATX, innerhalb des Kalenderjahres ging es um 51,1 Prozent bergab. Betrachtet man die vergangenen 12 Monate bis zum 20. Jänner, so kämpft die RBI-Aktie gar mit einem Minus von 65,3 Prozent. In den vergangenen Wochen fiel das Papier von einem Allzeittief zum nächsten und durchdrang zeitweise gar die Schwelle von 10 Euro pro Aktie. Immerhin: Am Tag, an dem die Zuno-Schließung ins Gespräch kam, schloss die Aktie mit einem Plus von 1,53 Prozent bei 10,26 Euro.

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