Raiffeisen-Aktie erreicht neues Allzeit-Tief

Raiffeisen-Aktie erreicht neues Allzeit-Tief

RBI-Chef Karl Sevelda macht harte Zeiten durch.

Der Rubel stürzt ab, und mit ihm die Aktien der RBI. Das Papier markiert ein Allzeit-Tief. Seit Jahresbeginn sich der Aktienwert der RBI mehr als halbiert. Die Leitzins-Erhöhung der Russen konnte den Abwärtstrend nur kurz stoppen und ist längst wieder verpufft.

Der Kurssturz des Rubel bringt die Papiere der in Russland stark vertretenen österreichischen Raiffeisen Bank International (ISIN: AT0000606306) unter Druck. Die Aktie verlor am Dienstag bis zu zehn Prozent an Wert und markierte ein neues Allzeit-Tief von 11,40 Euro. Damit war es aber noch nicht vorbei, die Talfahrt setzte sich auch am Mittwoch fort und erreichte schließlich das neue historische Tief von 10,47 Euro, bevor der Kurs wieder zur Erholung ansetzte. Um 17 Uhr gab es gar ein Plus von 2,52 Prozent auf 11,80 Euro. Gemessen an den Einbußen im Jahresverlauf ist das aber nur ein schwacher Trost.

Die Raiffeisen Bank International erwirtschaftet einen großen Teil ihrer Erträge in Russland und hatte bereits in den vergangenen Quartalen den Kursverfall des Rubel zu spüren bekommen: Im dritten Quartal war der Gewinn auf dem wichtigsten Markt um knapp 38 Prozent eingebrochen. Für das vierte Quartal hatte die Bank einen neuerlichen Gewinnrückgang für die russische Tochter angekündigt. Das schlägt sich auch im Aktienkurs wieder: Seit Jahresbeginn hat die RBI-Aktie mehr als die Hälfte ihres Wertes (55,53 Prozent) eingebüßt - und ist somit das Schlusslicht im ATX, noch vor der OMV.

Verbleiben in Russland...

Doch trotz des Gewinnrückgangs erwartet die RBI im laufenden Jahr hohe Gewinne für die russische Tochter, die seit jeher zu den Cashcows des Unternehmens zählt. "Das Ergebnis 2014 wird nach wie vor hoch positiv sein", erklärte die Bank am Mittwoch. Allerdings wirke sich die Abwertung der russischen Währung negativ auf Einnahmen und Kapital aus, räumte das Finanzinstitut ein. Zudem könnten die höheren Zinsen und die Rubel-Schwäche "einzelne Kunden unter Druck setzen und damit ihre Fähigkeit beeinträchtigen, Kredite zu bedienen". Die Bank bleibe ihren dortigen Kunden weiterhin verpflichtet.

Die Finanzlage der russischen Tochter sei gut, teilte das Geldhaus weiter mit. Sie habe viele Einlagen von Firmen und Privatkunden und sei daher nicht auf Geld der dortigen Zentralbank angewiesen.

...aber Trennung von polnischer Tochter

Nun erwägt die RBI aber informierten Kreisen zufolge, sich von der polnischen Tochter zu trennen. Die Bank habe die Investmentbank Citi mit der Suche nach möglichen Käufern beauftragt, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Der Schritt kommt überraschend, denn bis zuletzt hatte die Bank den wachsenden polnischen Markt zu einer ihrer Kernregionen gezählt. Geplant war lediglich, bis Mitte 2016 15 Prozent der Polbank über die Warschauer Börse zu verkaufen. Eine Raiffeisen-Sprecherin erklärte, die Bank konzentriere sich in Polen derzeit auf die Vorbereitung des Polbank-Börsengangs. "Umfang, Struktur und Zeitpunkt für den Börsengang sind noch offen. Es sind noch keine Entscheidungen gefallen."

Raiffeisen hatte einen Teil ihres Polen-Geschäfts erst 2012 von der griechischen Eurobank EFG übernommen und mit ihrer bestehenden Tochter fusioniert. Damals hatte Raiffeisen für einen Anteil von 70 Prozent an dem neu übernommenen Geschäft einen Preis von 460 Mio. Euro vereinbart. Die fusionierte Polbank ist nach Angaben von Raiffeisen die achtgrößte Bank des Landes. In den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres erwirtschaftete das Institut einen Gewinn von 46 Mio. Euro - gut ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum.

Wettbewerber wie etwa die Erste Group sind seit Jahren auf der Suche nach Zukäufen in Polen - haben aber bisher wegen der hohen Preise davon Abstand genommen. Das Land gilt im krisengeplagten Osteuropa als einer von wenigen Zukunftsmärkten. In den Medien werden Banken wie Intesa Sanpaolo und die ungarische OTP als mögliche Käufer genannt.

Russische Börse stürzt ab

Doch nicht nur in Wien, auch in Moskau war Aktionären nicht zum Lachen zumute - denn der Verfall des Rubel hat auch die Talfahrt an der Moskauer Börse beschleunigt. Der RTS-Interfax-Index brach bis zum Handelsschluss am Dienstag um 15,98 Prozent auf 629,74 Punkte ein; schon am Vortag war es für den russischen Index um mehr als 10 Prozent bergab gegangen. Am Mittwoch setzt sich dann eine Erholung ein, der Leitindex schloss mit einem Plus von 14,41 Prozent bei 719,81 Punkten. Im Jahresverlauf sollten sich aber wohl keine schwarzen Zahlen mehr ausgehen - denn seit Jahresbeginn ist der Index um 50,22 Prozent geschrumpft.

Unter den Einzelwerten sind auch Verlierer, die in Österreich einen Namen haben: Die Sberbank (ISIN: US80585Y3080) etwa, die an der US-Börse Nasdaq notiert und auch in Österreich aktiv ist, hat seit Jahresbeginn rund 67 Prozent an Wert verloren.

Was machen die Amerikaner?

Laut Händler Stefan Huber vom Broker Peregrine & Black stellen viele Anleger nun zunehmend Vergleiche her zwischen der Rubel-Krise von 1998 und der heutigen Situation, wo wie damals auch andere Schwellenländer in Mitleidenschaft gezogen worden seien.

Sorge bereitet an der Moskauer Börse zudem die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA. Damit dürfte das Kapital, das als Reaktion auf die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank Fed in den vergangenen Jahren auch in Schwellenländer wie Russland geflossen ist, in die USA zurückkehren.

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