Die Post geht ab: Paketgeschäft rettet Halbjahresbilanz

Die Post geht ab: Paketgeschäft rettet Halbjahresbilanz
Die Post geht ab: Paketgeschäft rettet Halbjahresbilanz

Post-CEO Georg Pölzl

Schlecht für die Post: Es werden immer weniger Briefe verschickt. Gut für die Post: Der anhaltende Trend zum E-Commerce kurbelt das Paketgeschäft an. Der Umsatz ist im ersten Halbjahr leicht gestiegen. Das EBIT hat sich dagegen geringfügig verschlechtert.

E-Commerce, einkaufen via Computer oder Smartphone, ist für die Kunden ein rein elektronisches Erlebnis, vom Suchen über das Bestellen bis hin zum Kaufen. Für die österreichische Post hat E-Commerce dagegen eine ganz andere Bedeutung: Pakete, viele Pakete. Etwa 60 Prozent aller online bestellten Pakete kommen aus Deutschland nach Österreich, und die Post ist dabei oft Zustellpartner.

Um 2,4 Prozent ist der Umsatz der Post im Paketgeschäft im letzten Halbjahr gestiegen, womit es gelungen ist, den weiteren Rückgang im Briefgeschäft (-0,4 Prozent) zu kompensieren. Während die Post beim Paketgeschäft vom Internet profitiert ist gegen E-Mails und andere elektronische Kommunikationsmittel kein Kraut gewachsen.

Um im Paketgeschäft besser gegen die zunehmende Konkurrenz von Mitbewerber wie DPD oder die Deutsche Post aufgestellt zu sein hat die Österreichische Post zuletzt in Selbstbedienungszonen und Paket-Abholstationen investiert. Aktuell gibt es in Österreich 280 solcher Self-Service-Points und 170 Abholstationen. Der Ausbau soll weiter forciert werden. Bis Jahresende sollen in Österreich 276 Selbstbedienungsstationen und 300 Abholstellen rund um die Uhr zugänglich sein. Ab Herbst will die Post außerdem mit der Zustellung zu einem vom Kunden ausgewählten Termin (Tag) eine neue Möglichkeit anbieten und damit die Zahl der unbeliebten gelben Hinterlegungszettel reduzieren.

EBIT leicht rückläufig

Das Betriebsergebnis (EBIT) der Österreichischen Post lag mit 96,5 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2015 um 2,3 Prozent unter dem des Vorjahres, im zweiten Quartal konnte es im Jahresvergleich eine Steigerung um 4,9 Prozent auf 42,6 Millionen Euro verbessert werden. Im operativen Geschäft wurden Maßnahmen zur Kostenoptimierung und Effizienzsteigerung konsequent fortgesetzt, darunter auch weitere Investitionen in eine moderne Fahrzeugflotte und neue Sortieranlagen. Bei einem insgesamt umfangreichen Investitionsprogramm liegt der Cashflow weiterhin auf hohem Niveau und bildet damit eine solide Basis für die zukünftige Investitions- und Dividendenfähigkeit der Österreichischen Post. Auf dieser Grundlage will die Österreichische Post ihrer klaren Kapitalmarktpositionierung als Dividendentitel auch in Zukunft treu bleiben.

Mit Blick auf das Gesamtjahr ist Post-CEO Georg Pölzl optimistisch. "Wir gehen wir von einer Fortsetzung der Basistrends im Brief- und Paketgeschäft aus und erwarten in 2015 einen Anstieg des Konzernumsatzes in der Größenordnung von ein bis zwei Prozent", erklärt er. Gleichzeitig peilt die Post eine eine EBITDA-Marge um die zwölf Prozent sowie eine weitere Verbesserung im operativen Ergebnis an.

Das Finanzergebnis drehte von minus 1,8 Millionen Euro ins Plus, und zwar auf 3,4 Millionen Euro. Im Wesentlichen lag das an Zinserträgen von 3,3 Millionen Euro infolge der vorzeitigen Auflösung einer Cross-Border-Leasingtransaktion für Postsortieranlagen im März 2015. Damit lag das Ergebnis vor Steuern in den ersten sechs Monaten 2015 bei 99,9 Millionen Euro nach 97,0 Millionen Euro im Vorjahr.

Weiterer Ausblick

Der klassische Brief wird weiter durch elektronische Kommunikationsformen ersetzt, wodurch die Umsätze im Briefgeschäft weiter zurückgehen werden. Die Post rechnet dabei mit einem Rückgang von drei bis fünf Prozent. Im Werbegeschäft ist die Situation dagegen differenzierter. Während man von einem Rückgang bei adressierten Werbemitteln ausgeht zeichnet sich bei anderen andere Formaten ein Wachstum ab. Ebenso rechnet die Post damit, dass sich die rückläufige Entwicklung der Filialnetzumsätze, vor allem im Bereich Telekommunikation und Finanzdienstleistungen, fortsetzen wird. Nach der Erhöhung der Postgebühren im März 2015 sollte die Division Brief, Werbepost & Filialen aber über das Gesamtjahr 2015 in Summe eine stabile bis leicht positive Umsatzentwicklung zeigen.

Die Entwicklung der Division Paket & Logistik wird von unterschiedlichen Trends im Privat- und Business-Bereich beeinflusst: Durch den stetig wachsenden Online-Handel ist bei Paketen an Privatkunden – je nach Region – von einem jährlichen Wachstum von drei bis sechs Prozent auszugehen. Im Bereich Business-Paket hingegen sind angesichts der gedämpften Konjunkturaussichten derzeit kaum Impulse zu erwarten. Der starke Wettbewerb im Paket- und Logistikgeschäft führt dabei sowohl im B2C- als auch im B2B-Bereich zu einem verstärkten Kampf um Marktanteile.

Ein Schwerpunkt liegt in der Weiterführung des Effizienzsteigerungsprogramms in der trans-o-flex Gruppe, das eine Restrukturierung der Prozess-, Distributions- und Personalstrukturen umfasst. Ziel ist eine EBITDA-Marge um die zwölf Prozent sowie eine weitere Verbesserung im operativen Ergebnis. Ende des Jahres soll entschieden werden wie es mit der trans-o-flex Gruppe weitergeht. Für Post-Chef Pölzl sind alle Optionen - von einer Partnerschaft bis zu einem Verkauf - offen.

Der Kurs der Post-Aktie gab heute, Donnerstagmittag, gegenüber dem Vortag um 0,56 Prozent auf 40,48 Euro nach. Aktueller Kurs Post-Aktie.

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