Viagra heiratet Botox: Pfizer will Allergan übernehmen

Viagra heiratet Botox: Pfizer will Allergan übernehmen

Die Pfizer-Zentrale in New York City

In der Pharmabranche bahnt sich die nächste spektakuläre Übernahme an: Pfizer, nicht zuletzt bekannt als Hersteller der Potenz-Pille "Viagra", will den Botox-Hersteller Allergan übernehmen.

In der Pharmabranche wird über die nächste Mega-Fusion verhandelt. Viagra-Produzent Pfizer und der Botox-Hersteller Allergan bestätigten am Donnerstag, in Gesprächen zu sein. Diese seien freundlicher Natur und in einem frühen Stadium. Es wäre der größte Zusammenschluss in diesem Jahr überhaupt.

Mit einem Börsenwert von rund 330 Milliarden Dollar entstünde der weltgrößte Arzneimittel-Hersteller. Pfizer (ISIN US7170811035) hat aktuell an der Börse einen Marktwert von rund 219 Milliarden Dollar, Allergan (ISIN IE00BY9D5467) mit Sitz in Irland wird an der Börse mit rund 113 Milliarden Dollar bewertet.

Pfizer und Allergan betonten allerdings, bisher gebe es keine Einigung und es sei auch nicht sicher, dass es dazu kommen werde. Zu Details wollten sich beide Firmen nicht äußern. Zuerst hatten das "Wall Street Journal" und die "Financial Times" über den potenziellen Deal berichtet.

An der New Yorker Börse verteuerten sich Allergan-Aktien um rund acht Prozent. Pfizer-Papiere gaben dagegen mehr als zwei Prozent nach. Pfizer wäre der deutlich stärkere Partner mit einem Börsenwert von rund 220 Milliarden Dollar.

Übernahmefieber

Die Pharmabranche ist seit längerem im Übernahmefieber. Unter anderem heizen hohe Forschungskosten und der Ablauf von Patenten auf lukrative Medikamente die Fusionswelle an. Erst im Juli hatte der weltgrößte Generika-Anbieter Teva für 40,5 Milliarden Dollar die Nachahmer-Medikamente von Allergan gekauft. Pfizer hat jüngst 15 Milliarden Dollar für den US-Rivalen Hospira ausgegeben.

Pfizer-Chef Ian Read wollte sich nicht konkret zu den Verhandlungen äußern. Er sagte jedoch, den Wert seines Unternehmens langfristig steigern zu wollen und in diesem Zusammenhang für alles offen zu sein, was dabei helfe. Eine Übernahme könne eine Möglichkeit für mehr Wachstum sein.

Der Viagra-Hersteller ist zwar groß, aber in der Defensive: Seit einiger Zeit schon haben die Amerikaner in der Arzneiforschung keinen wirklichen Kassenschlager mehr hervorgebracht. Dazu kommt der scharfe Wettbewerb durch günstigere Nachahmer-Produkte. Der Pfizer-Umsatz dürfte dieses Jahr um gut drei Prozent fallen. Bei Allergan erwarten Analysten dagegen einen Zuwachs von 39 Prozent. "Wenn man so groß ist wie Pfizer, ist eine Akquisition in dieser Größenordnung womöglich die einzige Chance, um den Schalter umzulegen und nachhaltig zu wachsen", sagte Branchenkenner Stephen Brozak vom Wertpapierhändler WBB Securities. An der Börse wurde Pfizer zuletzt auch als möglicher Käufer für GlaxoSmithKline und Shire gehandelt.

Feindliche Übernahme von Astrazeneca gescheitert

Für Pfizer ist es der zweite Übernahmeversuch eines europäischen Rivalen. Vor etwa eineinhalb Jahren war der Viagra-Hersteller mit dem geplanten Kauf der britisch-schwedischen AstraZeneca trotz eines Gebots von 118 Milliarden Dollar gescheitert. Pfizer plante, im Zuge der Transaktion seinen Steuersitz nach Großbritannien zu verlegen. Dort greift der Fiskus weniger stark zu als in den USA.

Eine Übernahme von Allergan mit Sitz in Irland könnte dem Unternehmen ähnliche Vorteile bringen. In der Vergangenheit hatte Pfizer-Chef Read immer wieder deutlich gemacht, weiterhin an der Senkung der Steuerlast über Zukäufe interessiert zu sein - trotz Schritten der US-Regierung, solche Möglichkeiten künftig mit schärferen Auflagen zu versehen.

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