PayPal ist zum Start mehr wert als Ebay

PayPal ist zum Start mehr wert als Ebay
PayPal ist zum Start mehr wert als Ebay

Comeback gelungen: PayPals CEO Dan Schulmann kann sich über die Rückkehr an die Nasdaq freuen - der Kurs der Aktie legte am ersten Tag des Comebacks bis zu elf Prozent zu.

Im Jahr 2002 hat Ebay das kalifornische Start-up PayPal für 1,5 Milliarden Dollar übernommen; nun geht der Payment-Anbieter im Alleingang zurück an die Börse. Das sieht auf den ersten Blick aus wie ein Schritt in die Vergangenheit - doch PayPal hat sich in den vergangenen 13 Jahren massiv verändert. Das Comeback an der Börse war fulminant.

Als PayPal-Boss Dan Schulmann am Montag die Eröffnungsglocke der US-Börse Nasdaq geläutet hat, war dies gleichzeitig eine Rückkehr in die Vergangenheit und ein Neuanfang. Denn PayPal war bereits im Jahr 2002 unter dem Symbol PYPL an die Börse gegangen; kurz darauf war das strauchelnde kalifornische Start-up vom Internetkonzern Ebay für 1,5 Milliarden US-Dollar übernommen worden. Nun geht man wieder getrennte Wege, PayPal geht separat zur einstigen Mutter aufs Parkett – doch das Unternehmen ist ein anderes, als es vor dreizehn Jahren war.

So ist das kleine Unternehmen aus Palo Alto zu einem regelrechten Finanzriesen gewachsen, der nun 165 Millionen aktive Kunden in 200 Ländern der Welt hat; es gilt als Sinnbild für eine neue Branche, die sogenannten „Fintech“ – junge Unternehmen, die durch eine Kombination aus Finanzdienstleistungen und Technologie das Establishment der Banken und Broker herausfordern. Im ersten Quartal 2015 machte PayPal bereits mehr Umsatz als das Mutterunternehmen Ebay, im zweiten Quartal wuchs PayPals Umsatz um 16 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar – das sind 52 Prozent des gesamten Ebay-Konzerns.

In den Anfangsjahren hatte Ebays Marktmacht noch PayPals Positionierung verbessert; inzwischen hat sich der Zahlungsanbieter aber breiter aufgestellt und bedient auch kleinere Webshops in aller Welt: Im zweiten Quartal 2015 kamen nur noch 22 Prozent aller PayPal-Transaktionen von Ebay.

Größer als Ebay

Die Marktkapitalisierung von PayPal wurde vor dem Börsenstart am Montag mit 46,6 Milliarden Dollar berechnet – das 1,4-fache von Ebay, welches nach der Abspaltung an der Börse nur noch 34 Milliarden Dollar wert ist. Und Marktbeobachter sehen großes Wachstumspotenzial: Nach den Höhenflügen der vergangenen Quartale wird erwartet, dass PayPals Umsatz bis zum Jahresende um 15 bis 18 Prozent zulegt – während Ebay im gleichen Zeitraum nur drei bis fünf Prozent wächst.

Und die Marktboebachter haben Recht behalten: Die PayPal-Aktien beendeten den ersten Tag ihres Börsen-Comebacks nach der Abspaltung von eBay mit einem satten Plus von 5,44 Prozent bei 40,479 Dollar. Zwischenzeitlich stand bei den Titeln des Online-Bezahldienstes sogar ein Plus von bis zu elf Prozent zu Buche. Das bedeutet Börsenwert von insgesamt 52 Mrd. Dollar. Die Marktkapitalisierung von eBay ist dagegen zeitweise um 4,7 Prozent auf nur noch rund 32 Mrd. Dollar geschrumpft. Die eBay-Papiere schlossen um knapp zweieinhalb Prozent fester.

„Investoren haben lange auf die Möglichkeit zum Handeln mit PayPal-Aktien gewartet“, sagt dazu Gil Luria, Analyst bei Wedbush Securities in Los Angeles: „Nun sind wir an einem Punkt, an dem man allein in PayPal mit seiner Marktpositionierung und seiner Wachstumsaussicht investieren kann.“ Getrieben wurde die Spaltung vor allem von dem aktiven Starinvestor Carl Icahn – er war der Meinung, dass PayPal durch die enge Bindung zu Ebay die Chance verpasst, auch am Kuchen von großen Konkurrenten wie Amazon oder Alibaba im großen Stil mitzuschneiden – der Synergieeffekt mache dieses Handicap nicht wett, so Icahns Argumentation.

Dynamischer Markt

Zugleich sollten Investoren nicht blind auf weiteres Wachstum vertrauen – denn das Internet ist ein brutales Business-Schlachtfeld, auf dem innovative Newcomer innerhalb weniger Quartale die einstigen Platzhirsche verdrängen können. Und ausgerechnet Fintech ist ein Segment, das von jungen Start-ups gerne adressiert wird. Zugleich steht PayPal nun einsam großen Konkurrenten gegenüber – etwa Apple, welches mit seinem Bezahldienst Apple Pay nun auch in Europa startet.

Schulmann, der jetzige CEO und einstige Manager bei Mastercard, weiß das. Daher setzt er darauf, mögliche Konkurrenten zu übernehmen: Für eine Milliarde Dollar übernahm PayPal etwa Xoom, ein global agierendes Geldtransfer-System; 2013 kaufte PayPal Braintree – einen Spezialisten für mobile Bezahllösungen, der unter anderem Uber und Airbnb zu seinen Kunden zählt.

Icahn, der selbst vier Prozent an PayPal hält, sieht die Situation pragmatisch – das geht aus einem seiner Blogbeiträge anlässlich des Splits hervor: „Die Payment-Industrie, von der PayPal ein wichtiger Teil ist, muss sich konsolidieren“, schreibt er: „Entweder durch Akquisitionen, die PayPal durchführt, oder durch eine Fusion zwischen PayPal und einem anderen großen Marktteilnehmer.“

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